Eisheilige Nacht 2010

Eisheilige Nacht 2010, Bielefeld Ringlokschuppen 27.12.2010 SUBWAY TO SALLY – SALTATIO MORTIS – LETZTE INSTANZ – DUNKELSCHÖN (Konzertbericht)

Eisheilige Nacht 2010

Die Eisheilige Nacht ist mittlerweile eine Institution.  Initiiert von der Band Subway to Sally, werden alljährlich namhafte Kollegen aus dem Genreumfeld versammelt, um zum Jahresabschluss ein Festival der ganz besonderen Art abzuliefern. Erstmals fand diese nun auch im Bielefelder Ringlokschuppen statt.  Das Line-Up schien beachtlich – Nebst Gastgeber und Veranstalter Subway to Sally gaben sich die Herren von Letze Instanz und Saltatio Mortis auf der Bühne die Ehre, sowie die Formation Dunkelschön, die über den Geheimtipp-Status bislang aber (noch) nicht hinausgekommen ist. Ehrensache, dass wir für euch darüber zu berichten haben.

Um Punkt 18:00 Uhr war dann auch Einlass. Bis dahin sammelte sich allmählich eine durchaus aufsehenerregende Menschenmenge vor dem Ringlokschuppen – Etwas später, aber immer noch zeitig traf dann meine Wenigkeit inklusive reizender Begleitung trotz Schneechaos ein.  Rasch die Klotten an der Garderobe (für etwas happige 1,50) abgegeben,  ging es für uns direkt in die große Konzerthalle. Der Platz in den vorderen Reihen war durchaus noch gegeben, der Publikumsreigen noch angenehm überschaubar, wuselte der Großteil der Menge doch noch in den externen Räumlichkeiten herum. Pünktlich um 19:00 ging es dann nach einer kurzen Einleitung von SUBWAY TO SALLY-Frontmann Eric Fish los mit DUNKELSCHÖN.

Von DUNKELSCHÖN kannte ich bislang nur die beiden Alben IRFIND und NEMETON, welche ich auch daheim stehen habe. Diese sind exzellent und entsprechend gespannt war ich auf die Performance des Celtic Folk-Septetts aus Unterfranken. Musikalisch durchaus überzeugend und mit hübschen, auch tanzbaren Melodien im Gepäck, konnte ausgerechnet Sängerin und Frontfrau Vanessa Istvan nicht auf ganzer Linie punkten. Während ihre Stimme auf Scheibe glasklar ist, und stets zwischen sehr kräftig und zerbrechlich pendelt, war sie an diesem Abend etwas schwachbrüstig, was sich vor allem in den höheren Gesangslagen geäußert hat. Nichtsdestotrotz, die Band zeigte sich spielfreudig und die Frontdame animierte das Publikum zum Tanz.  Hier und Da wurde sie doch noch mit Ignoranz gestraft (Vorband-Krankheit eben), aber der Großteil des Publikums ging dann doch ganz gut mit.  Das rund halbstündige Set war jedenfalls ein netter Auftakt zum Konzert.

Weiter ging es mit LETZTE INSTANZ. Ich muss ja sagen, abgesehen von ihrem Debüt „Brachialromantik“ konnte ich mit der Truppe um Sänger Holly nie so richtig etwas anfangen. Auch ihr letztes Album „Heilig“ ging relativ spurlos an mir vorbei – Dennoch: Ihre Live-Qualitäten haben mich überrascht. Das Songmaterial ist erstaunlicherweise, und gegen alle Erwartungen, weitestgehend bühnentauglich und offenbart live eine ganz eigene Dynamik. Sänger Holly ist ein, wie ich finde, äußerst charismatischer Frontmann und die Band war gut aufgelegt, was sich in einer sehr energischen, schweißtreibenden und agilen Bühnenshow äußerte, auch leistete man sich das ein oder andere Späßchen mit dem Publikum. Der Fokus der Songwahl lag ganz klar auf den letzten beiden Studioalben „Heilig“ und „Schuldig“. Für Fans war das wohl ein bisschen schade, ich hingegen stand dem ganzen jedoch relativ unvoreingenommen gegenüber. Mit „Dein Gott“ wurde dann auch das Set eröffnet, gefallen hat mir das mitreißende „Neue Helden“. Mit „Ohne Dich“ und „Tanz“ wurden dann auch Stücke vom 2006er Werk „Ins Licht“ dargeboten, zu letzerem steppte dann auch wirklich der Bär. Die ganze Halle hüpfte im Takt mit – Ein ganz hübsches Bild, wie ich finde. Auch ließ es sich mitreißen als Bild des Fan-Zusammenhalts die mit den Fingern geformten Bandinitialen in die Höhe zu recken. Mit „Rapunzel“ wurde dann wohl auch so etwas wie ein Klassiker aus der nicht ganz verstaubten Mottenkiste geholt, zumindest konnte wirklich fast jeder mitsingen.

Den Abschluss bildete dann eine Cover-Version von BlursSong #2“ – Ein straighter Rocker, der das Publikum zum Ende hin noch einmal richtig aufheizte.  Passend dazu leisteten sich Cello-Spieler Benni Celini und M.Stolz (Violine) einen Crowdsurf im Publikum. Sehr cool das Ganze und ein echt schöner Weg, sich zu verabschieden. Mein persönliches Resümmee schon vorab: Letzte Instanz waren wohl das Highlight des Abends, sowohl show- als auch tontechnisch.  Denn der Sound war nach dem ersten Song zu jedem Zeitpunkt lupenrein, einzig die Lichteffekte erschienen mir ein wenig penetrant – Ansonsten jedoch ein klasse Auftritt

Setlist LETZTE INSTANZ  (Angaben ohne Gewähr)

Dein Gott

Finsternis

Neue Helden

Ohne Dich

Tanz

Komm

Wir Sind Allein

Rapunzel

Song 2

(Blur cover)

Saltatio Mortis sind auch so eine ganz zwiespältige Angelegenheit. Ich würde sie außerordentlich gerne gut finden.  Aber ich finde die Stimme von Sänger, Ralph Schmitz-Verschnitt und Dauergrinsebacke Alea schlicht und ergreifend unangenehm und so sehr ich die musikalischen Ergüsse auch zu schätzen weiß, die Stimme ist ebenso dominant wie belanglos (ich bin mir bewusst, dass ich mit der Meinung ziemlich alleine da stehe).  Kann ich ihren Akustik-Sets, welche sie auf diversen Mittelalter-Veranstaltungen darbieten, wenigstens ein wenig abgewinnen, fällt dieser Aspekt bei der Rock-Formation gänzlich weg. Fans wissen aber was sie bekommen, und der Großteil des Publikums war sichtlich begeistert und ging entsprechend mit. Alea geizte nicht mit spektakulären Martial Arts-mäßigen Moves und zeigte sich in bester Laune, seine Entertainer-Qualitäten sind jedenfalls gegeben. Man spielte sich quer durchs Oeuvre und bot ein nahezu makelloses Best-of Programm.  Neuere Titel wie „Kaltes Herz“ vom letzten Studioalbum „Wer Wind sät“  waren ebenso im Set enthalten, wie beliebte Klassiker á la „Prometheus“ (leider ohne adäquate Feuer-Effekte). Auch Alea ließ es sich nicht nehmen,  in der Menge zu schwimmen. Beeindruckend, dass er während des Crowdsurfens weiterhin glasklar und ohne Verluste weitersingen konnte.  Mit „Eulenspiegel“ lieferten sie zudem einen bislang unveröffentlichten Song  vom kommenden Album ab. Auf jeden Fall lieferten Saltatio Mortis einen mehr als souveränen Gig ab. Dass ich nicht allzu euphorisch bei der Sache war, hab ich mir letztlich selbst vorzuwerfen.  Das, liebe Leser, gebe ich offen zu.

Setlist SALTATIO MORTIS (Angaben ohne Gewähr)

Rastlos

Tritt ein

Tod und Teufel

Uns gehört die Welt

Das kalte Herz

Worte

Koma

Eulenspiegel

Prometheus

Falsche Freunde

Spielmannsschwur

Kommen wir zum Grand Finale dieses Abends – Die vorderen Reihen verdichteten sich zunehmend, die Luft war stickig und schweißgetränkt und wen allmählich die Müdigkeit überfiel,  der wurde sicherlich mit einem herzinfarktfördernden Knall aus dem Schönheitsschlaf wachgerissen. Alles wartete mit Spannung auf Headliner und Gastgeber Subway to Sally. Nach und nach begaben sich die Musiker auf die Bühne. Die Ernüchterung folgte, als die ersten Klänge von „Henkers Braut“ Opfer eines tontechnischen Fehlers wurden, und vom Publikum kaum etwas davon zu vernehmen war. Nach und nach pendelte sich das Ganze ein und man präsentierte ein hübsches, ausgewogenes Set mit älteren und neueren Liedern. Hervorragend wie ich finde, denn von Kreuzfeuer kenne ich persönlich nichts. Es folgte das bittersüße „Kleid aus Rosen“,  welches ich live wirklich sehr schön finde.  Zu „Feuerland“ gab es dann dem Titel gemäß spektakuläre Pyro-Effekte. Und auch das brachial-schwermütige Stück „Kleine Schwester“ wurde sehr überzeugend dargeboten. Bei  „Schneekönigin“  fielen gar „Schneeflocken“ in Form von (stinkenden) Schaumbällchen auf das Publikum nieder. Optisch natürlich sehr hübsch anzusehen, war der Geruch der eingesetzten Flüssigkeit wirklich unangenehm bitter-beißend (J).  Nach den eher härteren Stücken kam das äußerst fragile „Maria“ zum Zuge (eines meiner Lieblingsstücke von Subway) – Nur  Gitarrist Ingo Hampf und Eric Fish – Grandios – Ich könnte jetzt diverse Superlative rauskramen, aber ich denke es genügt, wenn ich von einer wahnsinnig intensiven Darbietung spreche. Als weiteres unverkennbares Highlight  kann man wohl ohne weiteres „Zaubererbruder“ im Duett mit LETZTE INSTANZ-Frontmann Holly nennen.  Im ersten Moment habe ich etwas irritiert dreingeschaut, habe ich doch tatsächlich gemeint, einen gewissen Herrn Spreng rauszuhören. Holly hat seinen Part abgesehen von ein paar kleineren Textfehlern (die man durchaus verzeihen kann), bravourös gemeistert. Ich war begeistert, allein ob der Tatsache, dass das Stück überhaupt gespielt wurde.  Das Stimmungshoch äußerte sich bei dem treibenden „Besser du rennst“  in stürmischen Circle Pits. Mit dem wunderbaren „Veitstanz“ ging das reguläre Set dann auch zu Ende. Es folgten auf Drängen des Publikums  zwei Zugabeblöcke – „Fatum“ und der Ohrwurm „Sieben“ wurden gespielt. Schließlich kam es noch einmal zu einem Duett zwischen Alea und Eric, welche gemeinsam „Auf Kiel“ sangen, bis man sich dann schließlich gemeinsam verabschiedete und die Fans in die Nacht entließ. Ein schöner Abschluss.

Fassen wir zusammen: Vier Bands, alle für sich genommen echte Könner und Genreprimi, ein hervorragender Gig von LETZTE INSTANZ und nicht weniger  gute zwei Stunden mit dem Hauptact lassen diesen Abend in den Köpfen zufriedener Fans in bleibender Erinnerung wachen.

Setlist SUBWAY TO SALLY (Angaben ohne Gewähr)

Intro

Henkersbraut

Kleid aus Rosen

Feuerland

Kleine Schwester

Die Schlacht

Puppenspieler

Krähenkönig

Schneekönigin

Maria

Meine Seele brennt

Judaskuss

Kruzifix

Unentdecktes Land

Zaubererbruder  mit Holly von LETZTE INSTANZ

Rätsel 2

Besser du rennst

Falscher Heiland

Veitstanz

Zugabeblock 1:

Fatum

Sieben

Zugabeblock 2:

Auf Kiel mit Alea von SALTATIO MORTIS

Wer Fotos vermisst, in den nächsten Tagen wird der Bericht ein kleines Update erfahren, wo diese dann entsprechend ergänzt werden.

About Rostig

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Vielen Dank an Helge Roewer für das zur Verfügung stellen der bilder. http://www.hr-pictures.de/    

  • Spjelke_Ulv

    Ich war ja in Potsdam dabei und kann nur ähnliche Lobeshymnen trällern, wobei für mich Saltatio ja die Besten waren, weil ihre Musik einfach eine unheimliche Energie verströmt.
    Hier gab’s dann bei Subway auch das Original geboten, Spreng persönlich sang den Zaubererbruder mit Eric, und im Anschluss hat sich ASP einfach mal die Front geklaut und mit Eric’s Band „Ich will brennen“ abgezogen, das war ein Spaß!
    Dunkelschön waren auch solide, Mono Inc. ein wenig eintönig, aber schöne Publikumsbeteiligung.
    Alles in Allem ebenfalls ein würdiger Jahresabschluss.