eXplizit einsam - Reflektion:Unendlich

eXplizit einsam – Reflexion:Unendlich (Review und Kritik)

eXplizit einsam - Reflektion:Unendlich
eXplizit einsam – Reflektion:Unendlich

eXplizit Einsam – Reflexion:Unendlich

eXplizit einsam tummeln sich seit nunmehr sechzehn Jahren durch den deutschen Musikuntergrund und können bereits auf zahlreiche Stand-Alone Veröffentlichungen und Samplerbeiträge zurückblicken. Mit dem jüngst erschienenen Release, welches auf den klangvollen Namen Reflexion:Unendlich getauft wurde, setzt man da an, wo mit dem Vorgängerwerk „Auf Ewig“ abgeschlossen wurde

Herr Ohle präsentiert uns auch mit seiner jüngsten Produktion einen klaustrophobisch-kafkaesk anmutenden Alptraum, welcher sich in einem elektronisch-minimalistischem Gewand mit neoklassischen Einsprengseln zur Schau stellt.

Neue Deutsche Todeskunst in Reinkultur also, welche all jene Hörer ansprechen dürfte, denen die einstigen Protagonisten dieser Szene (Das Ich/Goethes Erben) zu progressiv geworden sind.
eXplizit einsam zelebrieren vergangene Zeiten auf eine fast schon anachronistische Art und Weise.
Das ändert sich auch beim jüngsten Machwerk in keinster Weise.

Thematisch steht die „Körperlichkeit und Verletzbarkeit des Individuums“ im Zentrum der Scheibe, womit die Scheibe, um beim zuletzt genannten Aspekt zu bleiben, ein fast schon obligatorisches Themenspektrum bedient, was in dem Fall aber nicht wirklich tragisch ist.

Den Auftakt bildet Unschein, dessen musikalische Basis eine schwermütig-morbide Klangwelt aus dem Sequencer ist, zu welcher sich der monoton-rezitative „Gesang“ von Herr Ohle gesellt.
Keinesfalls innovativ aber durchaus solide.

Wunsch gestaltet sich in Ansätzen sogar recht tanzbar und dürfte sich wohl in so einigen schwarzen Clubs heimisch fühlen. Besungen wird die Nichtigkeit der menschlichen Existenz respektive ihr Verhältnis zum allumfassenden Universum. Durch das recht flotte musikalische Grundgerüst wirkt das Rezitativ hier stellenweise gar melodisch, was für Explizit Einsam Verhältnisse doch recht untypisch ist.

Düster grollend läuten brummende Synthie-Klänge den Nachfolgetrack Schattentanz ein, welche von einem dumpfen Marschrhytmus begleitet werden. Von Gesang wird hier jedoch abgesehen.

Wider den Korpus kann man als Vertreter des zentralen Motivs der Scheibe betrachten.
Beginnend mit einem ruhigen, aber intensiven Intro steigert sich das ganze zu einem alptraumhaften rhytmusbetonten elektronischen Klangkollektiv. Die stimmlichen Qualitäten gehen über vom lethargisch-depressiven Rezitativ zu einem fordernden Ton, welcher so nicht zuletzt aufgrund des ansatzweise martialischen Textes wirken mag.

Wandel des Geistes hingegen will mir nicht ganz zusagen, was in erster Linie an der schräg klingenden Einleitung liegen mag, zumal der Gesang hier zu pathetisch und getragen wirkt und nun sehr archaisch anmutet.

Ein weiteres Instrumental folgt, welches auf den Namen Von dem Licht getauft wurde. Schwerfällige, tiefe (elektronische) Snare-Attacken tragen das ganze Stück vorwärts und werden dabei von einer inimalistischen, bedrückenden Melodie übermalt. Stilistisch wird ganz auf Monotonie gesetzt, die dem ganzen eine sehr triste Atmosphäre verleiht.

Totengesang wartet mit einer kleinen Überraschung auf. Das Stück beginnt mit intensivem Flüstern und wird dann abgelöst vom gewohnten Sprechgesang. Musikalisch wird ebenso gewohnte Kost dargeboten. Ein puristischer Düster-elektronischer Sumpf mit neoklassischen Elementen. Auch hier folgt also das gewohnte Fazit: Hat es alles bereits gegeben, jedoch für den geneigten Hörer mit Hang zu nostalgischen Tagträumen
Durchwegs empfehlenswert.

Mittelalterliche Ansätze zeigen sich anfangs in Carpe Noctem , was jedoch recht schnell in höheren Tempogefilden mündet. Exodus scheint zumindest im inhaltlichen Konsens zu Wider den Korpus zu stehen, setzt musikalisch aber keine Akzente. Vielmehr reiht es sich brav in Reih´ und Glied zu den vorangegangenen Tracks.

Erosion beginnt mit dem befremdlich verzerrten Ton eines elektronischen Impulses.
Dazu ein Rauschen, welches den surrealistischen Charakter dieses Stückes unterstreicht und durch die einsam für sich stehende, triviale Snare ein zeiweiliges Leere-Empfinden hervorruft.
Ein wahrlich beunruhigender Abschluss.

Martin "Rostig" Pilot
Martin „Rostig“ Pilot

Fazit: Und welche Quintessenz ziehen wir daraus ?
Auch Anno 2008 haben Explizit Einsam nichts von ihrem Reiz verloren und haben sich ihren ganz eigenen Charme erhalten. Nun gut, man mag es drehen und wenden wie man will.
Der rezitative Sprechgesang von Herrn Ohle mag recht gewöhnungsbedürftig sein und birgt angesichts einiger lyrischer Faus-Pas eine gewisse unfreiwillige Komik, dennoch ist das Projekt aus dem rein musikalischen Blickwinkel betrachtet äußerst düster und vertrackt und erinnert in seiner Sperrigkeit
an Frühentwürfe von „Das Ich“. Der Tod und die Vergänglichkeit werden auch auf dem neuesten Scheibchen gekonnt auf auditive Ebene transponiert.
Abzüge in der B-Note erhält das Machwerk der mangelnden Abwechslung wegen, sodass es zusammen mit den textlichen und gesanglichen Schwächen nur zu einem voll befriedigendem Endprodukt reicht.

 

Tracklist von Reflexion:Unendlich:

  1. Unschein (5.04)
  2. Wunsch (4.05)
  3. Schattentanz (4.14)
  4. Wider den Corpus (4.24)
  5. Wandel im Geiste (3.35)
  6. Von dem Licht (3.41)
  7. Wesen des Gedankens (3.50)
  8. Totengesang (2.59)
  9. Carpe Noctem (3.47)
  10. Lichter der Stadt (4.30)
  11. Exodus (3.40)
  12. Irrweg (4.10)
  13. Erosion (4.40)
( 6,5 / 10 )
( 6,5 / 10 )

Veröffentlichung: Frühjahr 2008

Anspieltipps:

– Wunsch

– Totengesang

www.expliziteinsam.de


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Alter: 23 Beruf: Student Lieblingmusik: Querbeet Hobbys: Musik, Videospiele, Filme, Schreiberei, Kunst

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