Ernte Im Herbst

Fjoergyn – Ernte im Herbst (Review und Kritik)

Ernte Im Herbst
Ernte Im Herbst

Thüringen – das Land der Natur, der grünen Wälder, der Weimarer Klassik und der Musik. Speziell bei Letzterem konnte die Mitte Deutschlands zu allen Zeiten bedeutende Künstler vorweisen. Allen voran ist wohl der geniale klassische Komponist Johann Sebastian Bach zu nennen, bei uns jedoch steht wohl eher Musik der düsteren Gangart im Zentrum des Interesses – und auch hier hat Thüringen einiges zu bieten, vor allem die berühmt-berüchtigten Düstermänner von Eisregen dürften wohl den meisten ein Begriff sein. Mit dem Debütalbum „Ernte im Herbst“ schickte sich nun im Jahre 2005 das damalige Duo Fjoergyn an, diese über Jahrhunderte andauernde Musikgeschichte fortzusetzen – passenderweise mit einem Stil, bei dem moderner Metal mit klassischer Musik kombiniert wird.


Angesichts des Namens des Projektes – denn „Fjörgyn“ ist eine Erdgöttin aus der nordischen Mythologie – könnte man vermuten, dass es sich bei Fjoergyn um eine weitere asentreue Pagan-Band handelt, doch jeder, der (wie ich!) von dieser mittlerweile sattsam bekannten Thematik genug hat, kann beruhigt sein: Trotz des Namens, der hier wohl eher für die personifizierte Natur steht, werden die Texte kaum davon beeinflusst. Tatsächlich präsentiert sich „Ernte im Herbst“ fast gänzlich frei von Asen und Odin. Auch das weiße, steril wirkende Albumcover mit dem blauen Schmetterling passt nicht wirklich zur Pagan-Thematik. Nichtsdestotrotz ist zumindest Naturverbundenheit ein wichtiger Faktor der Musik, genau genommen sogar der wichtigste, denn bei „Ernte im Herbst“ handelt es sich um ein Konzeptalbum über die Rache der Natur an der Menschheit.

Fjoergyn
Fjoergyn

Dass es sich hierbei definitiv um einen Rachefeldzug der epischen Sorte handelt, wird bereits im an einen Filmsoundtrack erinnernden und mit einer Dauer von über vier Minuten eventuell leicht überdimensionierten instrumentalen Intro „Monolog der Natur“ klar deutlich. Doch die Überlänge muss nicht als Kritikpunkt gesehen werden, denn das Intro verfehlt seinen Zweck keineswegs – leise und ruhig beginnend und zum Ende hin immer dramatischer werdend, geht es wunderbar stimmungsvoll beinahe nahtlos in den zweiten Titel „Vom Tod der Träume“ über. Dieses wiederum gibt bereits einen guten Ausblick auf das, was den Hörer in der Folge noch erwarten wird: Sehr knüppelige, dramatische Passagen wechseln sich immer wieder mit melodischen, hymnisch wirkenden Abschnitten ab. Auch gesanglich werden alle Register gezogen, es ist sowohl gutturaler als auch klarer Gesang und Flüstern zu hören – mitunter auch gleichzeitig. Im Großen und Ganzen wirkt die Musik ungefähr so wie Black Metal mit viel Klargesang und klassischen Melodien. Stellenweise fallen zudem Ähnlichkeiten zur Musik von Falkenbach auf.
Im weiteren Verlauf des Albums werden neben komplex, abwechslungsreich und manchmal vielleicht etwas langatmig aufgebauten Liedern wie „Der Tag der Wölfe“ und „Abendwache“ auch sehr ohrwurmtaugliche Lieder wie „Des Winters Schmach“ und „Veritas Dolet“ geboten, die mit eingängigen, epischen Melodien zu bestechen wissen.
Doch egal, wie die Lieder nun aufgebaut sein mögen – hinter allem steckt eine reichlich große Portion Dramatik und Pathos.
Zu sanften, wenn auch mit Blastbeats unterlegten Klängen wird die Menschheit schließlich im Titeltrack und wohl besten Lied „Ernte im Herbst“ äußerst stimmungsvoll zu Grabe getragen, bevor im letzten Song „Requiem“ ein Fazit gezogen und das Album mit einer Adaption von Beethovens 9. Sinfonie seinem Ende zugeführt wird.

Natürlich gibt es auch an diesem Debütalbum Kritik zu äußern, welche in erster Linie technischer Natur ist. So ist die Produktion der Musik zwar nicht direkt schlecht, jedoch geht der Gesang leider sehr häufig unter den Instrumenten unter. Ein Musterbeispiel dafür ist das selbstbetitelte Lied „Fjoergyn“. Auch der gutturale Gesang wirkt an sich nicht wirklich professionell, während der Klargesang keinen sehr kraftvollen Eindruck macht – doch gerade das passt andererseits auch oftmals zur Musik.

RidleyFazit: „Ernte im Herbst“ stellt sowohl ein sehr interessantes und eindrucksvolles Debütalbum als auch einen gelungenen Anfang für Fjoergyns dreiteiligen „Jahreszeiten“-Zyklus dar, welcher just im November diesen Jahres abgeschlossen werden wird. Oftmals gehen die Lieder, bei denen Metal und Klassik eine untrennbare Symbiose eingehen, fließend ineinander über, sodass das Album wie ein einziges Musikstück wirkt. Auch die Texte, die hier stets um die Natur kreisen, sind sehr gelungenen und machen Lust auf mehr, weshalb sich das Album insgesamt nicht hinter dem Nachfolger „Sade et Masoch“ zu verstecken braucht. Gewiss ist derartige Musik nicht jedermanns Sache und mag vielen Hörern eventuell zu langatmig sein, Freunden atmosphärischer Musik ist das Album – ebenso wie sein Nachfolger – jedoch uneingeschränkt zu empfehlen.

Trackliste:

  1. Monolog der Natur
  2. Vom Tod der Träume
  3. Fjoergyn
  4. Der Tag der Wölfe
  5. Des Winters Schmach
  6. Wenn Stürme Ruhen
  7. Abendwache
  8. Veritas Dolet
  9. Ernte im Herbst
  10. Requiem


8/10
8/10

Anspieltipps:
-Des Winters Schmach
-Veritas Dolet
-Ernte im Herbst


Erscheinungsdatum:
2005 erschienen

Fjoergyn – Homepage
Fjoergyn auf MySpace

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