In Talk: Stoneman auf dem WGT 2015

 

Im Rahmen des 24. WGT in Leipzig 2015 hatte ich die Gelegenheit, die Band Stoneman zum Interwiev zu treffen. Schon 2011 hatte ich sie nach einem Konzert getroffen und als ausgesprochen nette, bodenständige und unangepasste Band wahrgenommen.

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Dass sich dieser Eindruck keinesfalls geändert hat, zeigt sich in folgendem Interview, dessen Entstehung ein wenig holperte, da ich von der Security aus nicht in den Backstagebereich durfte, das Bier nicht in die Konzerthalle und die Band im Moment des Erscheinens im Hauptraum sofort belagert von Fans war, was erst mal eine Weile dauerte. Letztendlich mussten wir uns auf die Treppen des Park und Ladeplatzes hinter der Halle zurückziehen um Ruhe zu finden…ohne Bier, aber dennoch mit jeder Menge guter Laune.
Mikki Chixx war leider verhindert, dennoch blieb keine Frage unbeantwortet:

STEFFIE (Dark News): Erinnert ihr euch noch an das Konzert mit LotL im November 2011? Da haben wir uns ja damals schon kennen gelernt!

RICO H: Ja, das erinnere ich mich! Mit deiner Tochter, wir haben ewig geredet und gefeiert!

STEFFIE: Das war noch die Zeit von How To Spell Heroin. Man hätte je eigentlich erwartet, dass danach eine Art Kickstart stattfindet, da das Album ja sehr beliebt war. Stattdessen wurde es erstmal sehr ruhig . Warum das?

RICO H: Der Erfolg war schon Wahnsinn, aber wir waren noch in einer Phase der Selbstfindung. Wir brauchten noch etwas Zeit. Das Album wurde auch sehr hochgejubelt, aber wir hatten nicht die Power, finanziell und körperlich, auch nicht von der Plattenfirma her, die sehr klein war, um das so zu erfüllen oder auszuweiten.

STEFFIE: Hattet ihr bei der Menge an positiven Rezensionen Angst, dem Mainstream verfallen zu sein?

RICO H: Nein, das nicht. Das war eher vor Goldmarie. Das war ein ganz neues Projekt und es hieß für uns hop oder top. Aber am Ende sind wir sehr happy über den Erfolg , vor allem in Russland war das ja Wahnsinn.

STEFFIE: 2011 wart ihr ja Supportband, habt ihr eigentlich noch guten Kontakt zu ehemaligen Supportbands?

RICO H: Kommt darauf an. Mit einigen schon, zum Beispiel mit Deathstars. Das hängt auch damit zusammen, wie man als Supportband behandelt wurde, da gibt’s ja bisweilen schlimme Dinge, wie z.B. weniger Licht oder Tonleistung für den Support o.ä. Aber es hängt schon auch damit zusammen, ob man in Konkurrenz zueinander steht. Zum Beispiel mit Megaherz läuft es wunderbar. Wir standen bei denen bei 15 Shows in Folge im Publikum und es war einfach genial. Ebenso bei Wednesday 14, immer erste Reihe, immer voll begeistert.

STEFFIE: Also große, glückliche Musikerfamilie ist nicht immer?

RICO H: Es ist ein hartes Business, besonders momentan und man achtet schon darauf, sich gegenseitig nicht das Wasser abzugraben. Da ist der Konkurrenzgedanke einfach da. Aber wenn man sich genug unterscheidet, gibt es das schon.

STEFFIE: Ihr habt ja einen sehr häufigen Wechsel gerade an Gitarre und Bass gehabt. Waren das musikalische oder menschliche Entscheidungen?

RICO H: Es war beides. Ein großes Problem ist, dass Musiker, auch bekanntere, oft nicht von ihrer Musik leben können. Das hat einige Male eine Rolle gespielt. Aber seit wir vor 10 Jahren mit Deathstars begonnen haben, haben wir uns auch musikalisch erst finden müssen und das spielte auch eine Rolle bei den Wechseln.

STEFFIE: Aber jetzt seid ihr komplett und nervt euch nicht?

RICO H: Wir treffen professionelle Entscheidungen zusammen, aber jeder kann auch jederzeit seiner eigenen Wege gehen, was eigenes erleben. Das führt dazu, dass wir gut klarkommen.

STEFFIE: Bisher waren ja deutsche und englische Titel zu hören, jetzt momentan nur Deutsch, soll das so bleiben, oder wollt ihr abwechseln?

RICO H: Wir haben uns entschieden, nur noch deutsch zu intonieren. Es kommt nicht nur gut an und ist erfolgreich, sondern Dee hat auch ein besonderes Talent und einen besonderen Fable für Deutsch und das macht einfach Spaß so.

STEFFIE: Man hört ja immer öfter den Ausdruck „Neue deutsche Härte“. Wie definiert ihr den für Euch?

RICO H: (lacht) Als Schlager mit verzerrten Gitarren!

STEFFIE: Wenn man im Internet die Suchmaschinen durchforstet, findet man diverse Genres für eure Musik. Das reicht von „Düsterpop“ bis „ Neue Deutsche Härte“. Wie würdet ihr euch definieren?

RICO H: Am besten gar nicht. Wenn wir zum Beispiel sagen würden, Dark Rock, würden alle diejenigen es nicht hören, die Angst vor dem Wort „Dark“ haben. Wenn wir sagen „Neue deutsche Härte“, denken alle: Oh, Rammstein mag ich nicht und so weiter. Wir wollen, dass jeder unsere Musik hört, der sie hören möchte, ohne vorgeprägt zu sein. Auch Leute, die der Szene gar nicht angehören und vielleicht auch so ihren Weg zu uns finden.

STEFFIE: „Wer ficken will“ ist ja nun definitiv eine eurer Hymnen. Die Trashband SDP hat ja auch ein Stück dieses Titels verbrochen. Kennt ihr das?

RICO H: Ja, da gab es sogar einen Rechtsstreit, das Ding ist echt übel, aber am Ende hat gerade dieser Rechtsstreit uns extra Publicity verschafft und war damit quasi sogar noch Werbung, insofern seis wie es sei.

STEFFIE: Ihr kommt ja aus der Schweiz, wie ist denn die Szene dort vertreten und wie seid ihr da positioniert?

RICO H: Leider ist die schwarze Szene in der Schweiz sehr dünn. Es gibt wenige Konzerte, meist an den selben Orten, wie Pratteln, und auch wenige Bands. Gotthardt kennt man noch, aber es wird dünn dort. Wir sind zwar die erfolgreichsten momentan, aber im Land der Blinden ist der Einäugige König, insofern ist es kein echter Gewinn. Man mag uns in der Schweiz nicht wirklich. Wir haben zu wenige Schicksalsschläge, zu wenige Skandale und die Radiosender in der Schweiz suchen eher den Mainstream. Sind wenig offen für neues.

STEFFIE: Was ist euer Traum? Ein Megaerfolg a la Unheilig oder eher weiter eine Fan-Nahe Karriere, wie bisher?

RICO H: Wir wollen keine Spielchen. Uns ist vor allem wichtig, dass wir wir selbst bleiben. Deswegen arbeiten wir auch sehr gerne mit kleineren Plattenfirmen zusammen, im Notfall finanzieren wir Dinge aus der eigenen Tasche, denn hier können wir genau die Musik machen, die wir machen wollen und verkommen nicht so leicht zu Gassenhauern. Zwar ist eine gute Hookline essentiell für einen erfolgreichen Song und man sollte ihn ja auch mitsingen können, aber es darf nicht Mainstream werden.

STEFFIE: Eure Fanbase, die Dope-Army, die vielen Fanclubs, all das ist ja wirklich gigantisch. Habt ihr dafür viel Werbung betrieben, oder war das eher ein Selbstläufer?

RICO H: Naja, wir haben das Glück, dass wir von Beginn an einen starken Fanstamm hatten. Nefer Sanguine und Anubis waren zum Beispiel von Anfang an dabei und haben mit all ihren Kräften geworben für uns, den Merch unterstützt und so weiter. Ihnen verdanken wir auch einige Fanclubs hier in Deutschland, das ist schon fantastisch und so wurde die Fanbase quasi ein Selbstläufer. Wir genießen den Kontakt zu unseren Fans sehr, denn ohne sie wären wir nicht und sind den beiden auch sehr dankbar. Zukünftig werden wir über das Merch ja noch mehr Zeit miteinander verbringen, das wird sicher cool.

STEFFIE: Was bedeutet euch das WGT und wie findet ihr die neue WGT-App?

RICO H: Es gibt eine WGT-App? Cool! Auch wenn ich persönlich mehr der „Papiermensch“ bin…
Das WGT ist einfach immer wahnsinnsgeil. Wie alle sich Mühe geben, die ganze Stadt, dann die tollen Locations, die Menschen, wie sie freundlich sind und nicht zu vergessen das Catering! Das ist hier so gut wie nirgends.

STEFFIE: Mischt ihr euch noch unters Volk? Und wenn ja, inkognito?

RICO H: Ich selbst gehe ins Hotel, aber die anderen gehen schon noch auf Konzerte! Aber nicht inkognito. Notfalls geben wir beim Headbangen noch Autogramme. Das macht doch Spaß!!

STEFFIE: Steht dieses Jahr noch was an?

RICO H: Im Herbst noch eine Tour mit einer anderen, deutschen Band, aber genaueres verrate ich noch nicht.

STEFFIE: Danke für eure Zeit und schönen Tag noch!

About Steffanie Hilbig

Moin,moin, ich bin die Steffanie Hilbig aus dem schönen Norden. Biologische 36 Jahre alt, über meinen geistigen Alterszustand gebe ich allerdings kein Statement ab. Nachdem das schöne Bayern mich nach der 10. Klasse mit dem schwarzen Löffel im Joghurt entließ-allgemein auch Realschulabschluss genannt, habe ich auf Stipendium Werbegafik und Design studiert. Trotz meiner Arbeit als Assistenz Tanzlehrerin und der zeit, die ich singend auf der Bühne oder boxend in der Halle verbracht habe, waren jeden Tag ein paar Minuten für das Schreiben übrig. Seit ich sieben Jahre war,ist das meine Passion und gipfelte bereits in verschiedenen veröffentlichten Projekten.

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