Membaris - Grenzgänger

Membaris – Grenzgänger (Review und Kritik)

Membaris - Grenzgänger

Wenn ein Album mehr ist als eine Reise in das Innere Ich, ein allumfassendes, wahrlich die Grenzen auslotendes Stück Musik, dann kann man getrost von einem Meisterwerk sprechen. Wenn man darin als Anhänger extremer Musik zwischen wunderbarem Ruhepol und aggressiver Zerstörungswut die wahre Bestimmung des eigenen kleinen Daseins erkennt, sich seiner Nichtigkeit bewusst wird, dann hat die Band das geschaffen, was viele versuchen, doch kaum einem gelingt. Etwas ganz Großes weitab jeglicher unwichtiger Kategorisierungen, brutal und doch zugleich bis ins tiefste Mark emotional erschütternd!

Das elektronisch anmutende Intro von „A mind full of captured stars“ wirkt einer magischen Initiation gleich, weiß sofort zu begeistern, da es in unheimlicher, dissonanter Manier Moderne und Tradition verbindet und mit dem Filmsample aus Stanley KubricksEyes wide shut“ ein wahres Inferno auf den Probanden loslässt. Kompromisslos, brutale Schlagzeugsalven rasen in wahrer Lichtgeschwindigkeit durch das Universum aus zig Gitarrenriffs, eines besser als das andere, so dass man aus dem Staunen nicht mehr heraus kommt. Der abwechslungsreiche Gesang fügt sich perfekt in das infernalische Getöse ein, welches wie kaum eine deutsche Band zuvor so gekonnt Melodie mit blanker Geschwindigkeit verbindet. Das Songwriting ist nahezu perfekt, von genannter Raserei zu ergreifend emotionalen Abschnitten, die immer wieder verschnaufen lassen, erlebt man ein Wechselbad jeglicher Gefühle.

Membaris

Und so mag es weiter gehen, denn „Seelenmacht“ steht dem fesselnden Eröffnungsstück in nichts nach. Ein richtig fies schleppender Abschnitt verwandelt sich mit der schönsten Schwarzmetallmelodie der letzten Jahre zu einem wahren Juwel auf einem Album voller Schätze. Es wird etliche Menschen geben, die anhand dieser unheimlichen, Emotionen schürenden Abschnitte in Tränen ausbrechen werden, Erhabenheit, die Gänsehaut verursacht, einfach nicht von dieser Welt. Man könnte eine Superlative nach der anderen nennen, zum Beispiel die Perfektion der Brutalität in „Crossing the borderline of event horizon„, die tiefe burzumeske Melancholie im instrumentalen „Grenzgänger“ oder die überraschenden Wendungen des neun minütigen „Einsamkeit„, doch bei all diesen verschiedenen Einzelpunkten vergessen Membaris nicht die Gesamwirkung der Platte, denn diese ist wirklich grandios und ein Musterbeispiel für den elitären und künstlerisch hochwertigen Status dieser Musik.

Gerade als man denkt, der beste Abschnitt ist schon vorüber, vollführen Membaris mit „Remains of solitude“ das beste Stück deutschen Black Metals der letzten Jahre, was man in der Form seit Lunar Auroras und Nagelfars Glanzwerken nicht mehr hören durfte. Akustikgitarren-Intro, erhabene Gitarrenwände mit wunderbaren Riffs gespickt, mit hintergründig cleanen Abschnitten gedoppelter Gesang, genau zur richtigen Zeit den Blast gesetzt, einfach perfekt! Die Geschwindigkeitswechsel, die Riffs, alles ist auf allerhöchstem Niveau, Nagelfars nicht minder gewaltiger „Schwanengesang“ darf in Sachen Wirkung gerne als Beispiel fungieren. Ein einziger Rausch, allein aus Musik erzeugt!

Und um dem ganzen noch eines drauf zu setzen, verstehen es Membaris auch bestens Texte, Musik und Bookletgestaltung zu einem großen Ganzen zu verbinden. Kein plakativer Mist, sondern nachdenkliche Lyrik, die, mit handgezeichneten Bildern veredelt, auch die Grenzen der üblichen Black Metal-Engstirnigkeit sprengt. Allein schon das in Weiß gehaltene Booklet ist ein wahrer Augenschmaus und setzt endlich wieder andere Akzente in einer so repetitiven Musik wie es der Black Metal in den letzten Jahren so oft war.


Fazit:

Membaris ist ein moderner Klassiker gelungen, den man als Black Metal Fan haben muss! Voller Traditionen, voller Hingabe und vor allem voller Musik für die Ewigkeit. Meine Begeisterung kennt keine Grenzen und doch bin ich mir sicher, dass Membaris noch mehr erreichen können! Für mich im Moment die einzige Band neben den Labelkollegen Weird Fate, die es mit einzigartiger Musik an die Spitze deutscher Schwarzmetallmusik schaffen kann!


Trackliste:

  1. A mind full of captured stars
  2. Seelenmacht
  3. Crossing the borderline of event horizon
  4. Grenzgänger
  5. Realisation of the demon
  6. Einsamkeit
  7. Domains of solitude
  8. ?



( 9,5 / 10 )

Erscheinungstermin:

23. April 2010

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