Sabaton – The Art of War (Review und Kritik)

Sabaton - The Art of War
Sabaton - The Art of War
Optimal ist es, wenn es einer musizierenden Band fern liegt, Krieg oder Gewalt zu verherrlichen. Die gegenteilige Vermutung, dass das gerade das das Ziel der Band war, liegt besonders bei einem Titel wie „The Art of War“ nahe. So heißt nämlich das neueste Werk der Kraftmetaller „Sabaton“, die ein hohes Ansehen in der Power Metal-Szene genießen.

Wie soll Power Metal klingen? Genau: Pompös und episch. Sicher kann man Sabaton eine gewisse Kriegsglorifizierung nicht absprechen, so sehr sie es auch abstreiten, aber eben durch diesen besonders Power Metal typischen Episch-Klang erhält das Kriegsthema eine Note von Ruhm & Glorie. Solange der Hörer nicht extrem pingelig ist, wird das aber vorerst nicht sonderlich stören und man kann sich dem Klang widmen.

Joakim Brodén
Joakim Brodén
Das Album ist nach dem Werk des Kriegstheoretikers Sun Tzu benannt, welcher in „The Art of War“ (auf Deutsch: Die Kriegskunst) Regeln aufstellte, die zu einem Sieg innerhalb eines Krieges führen sollen. Auf diesen Regeln basieren noch heutige Strategien. Dementsprechend werden am Anfang oder am Ende eine dieser Regeln, von einer Frauenstimme vorgetragen, genannt. Ist an sich ein netter Zusatz, der das Thema des Albums sehr gut unterstreicht, aber nicht jeder Hörer wird sich darauf konzentrieren. Also nett, aber nicht nötig.

„The Art of War“ beginnt mit „Sun Tzu says„, einer kurzen Regelerzählung, wie oben erklärt. Nichts besonderes, eher eine kurze Einleitung zu einem der Höhepunkte. Anschließend folgt „Ghost Division„, ein sehr aufstachelender Treibsong. Hier wird die Geschichte der Gespensterdivision (=Ghost Division), nebenbei gesagt sehr gut, erzählt, die der Panzerkommandeur Rommel so schnell durch Frankreich führte, dass selbst die Deutschen Probleme hatten zu folgen. Diese wird als eine der Besten und „Panzer Elite“ gefeiert, was auch zur glorifzierenden Atmosphäre beiträgt. Dennoch ordentliche knappe vier Minuten Musik.
Eine zweiseitige Medaille ist Song Nr. 4, „40:1„. Einerseits wirkt das Ganze durch so klischeehafte Phrasen wie „Always remember a fallen Soldier…“ schon sehr cheezy. Andererseits macht es durch das perfekt abgestimmte Timing und Zusammenspiel von Gesang und Keyboard der Gespensterdivision den Platz des Albenhöhepunkts streitig und überholt Diesen direkt auf voller Länge. Könnte man die Platte als Schaubild darstellen, wäre hier der äußerste Höhepunkt.

Sabaton: In voller Montur
Sabaton: In voller Montur
Es muss gesagt sein, dass jeder Song ein Ereignis oder eine Schlacht bzw. einen Schauplatz eines Krieges besingt oder darstellt, vorzugsweise aus den beiden Weltkriegen. Hier für ist ein weiteres Beispiel „Cliffs of Gallipoli„. Vom intensiven Keyboardgebrauch, welcher so wirkt, als solle er unbedingt herausstechen, begleitet, singt Vokalist Joakim Brodén eindrucksvoll von der Schlacht auf der türkischen Halbinsel Gallipoli, in der schätzungsweise 500.000 Menschen ihr Leben ließen. Scheinbar behandeln Sabaton nur gerne Kämpfe mit enorm vielen Verlusten. Aber so ist der Power Metal, alles muss episch sein.

Spätestens bei „Panzerkampf“ fällt es dem Hörenden schwer sich die Vermutung zu verkneifen, dass Sabaton doch gerne mal die Kriegsgegenüber verherrlichen. So wird hier gegen Ende des Tracks eine Lobhymne auf die Sowjetunion gesungen („Oh, Mother Russia, Union of Lands…„). An sich ein wirklich guter Song, dennoch ist sowas etwas bedenklich. Besonders, wenn man deren Herkunftsland Schweden betrachtet.
Natürlich machen auch die restlichen Songs einen guten Eindruck, einige sogar wenige glorifizierend, aber die genannten sind die wohl Besten. Schade nur, dass sich einige Songs durchaus ähnlich anhören und das Textliche, worauf das Album ja theoretisch basiert und aufbaut, somit untergeht.
Ein nettes Schmankerl hinterlegen die Schweden, wohlgemerkt auf der offiziellen CD, als letztes „Stück“ mit der Nr. 13. Dieses heißt „A Secret“ und lässt eine Computerstimme so manchen Käufer erschrecken: „Illegal Download detected, Executing spyware protocol 666.“ Humor beweisen sie immer wieder. Wichtig ist noch: Sabaton benutzen keinerlei „Kastratengesang“. Diesen haben vielleicht so einige inzwischen zum Power Metal hinzugefügt, wie wir es von Dragonforce & Co. kennen, aber genau das Fehlen dieses Gesangs macht den charakteristischen Klang der schwedischen Truppe aus.

Skaal
Skaal
Fazit: So muss Power Metal klingen. Sabaton haben es hier wirklich geschafft, eine passende Atmosphäre zu der „Art of War“ des Sun Tzu aufzubauen und schaffen somit ein Musterbeispiel des Kraftmetalls. Jeder Sabaton-/Power Metal-Fan oder die, die es werden wollen, sollten hier unbedingt zugreifen. Gegner des Kraftmetalls werden auch durch diese Scheibe nicht bekehrt, so großartig sie auch sein mag. Aber es wird so einige geben, die den Gesang als erfrischend empfinden. Leider ist dieser im Genre recht alleine. Wir wünschen uns gerne mehr Bands dieser Richtung, deren Gesang nicht den von Whitney Houston blass aussehen lässt und leben mit der Hoffnung auf ein ebenso gutes, nächstes Album!

Trackliste:

  1. Sun Tzu says
  2. Ghost Division
  3. The Art of War
  4. 40:1
  5. Unbreakable
  6. The Nature of Warfare
  7. Cliffs of Gallipoli
  8. Talvisota
  9. Panzerkampf
  10. Union (Slopes of St. Benedict)
  11. The Price of a Mile
  12. Firestorm
  13. A Secret
( 8,5 / 10 )
( 8,5 / 10 )
Anspieltipps:
Ghost Division, 40:1, Cliffs of Gallipoli, The Price of a Mile

Erscheinungsdatum:
30.5.2008

Sabaton Homepage

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