Saltatio Mortis

Saltatio Mortis auf dem Amphi Festival 2009 – Konzertbericht

Saltatio Mortis

Um 16:10 Uhr war es mit Saltatio Mortis Zeit für eine der wenigen Bands dieses Festivals, die unter der Bezeichnung „Mittelalter“ gehandelt werden. Wobei sie sich inzwischen selbst schon die Bezeichnung „Metal-Alter“ verpasst haben, was ahnen lässt, dass es sich bei ihren Werken nicht mehr um „reine“ Mittelalter-Musik wie etwa bei den Streunern handelt. Tatsächlich haben Saltatio Mortis, auch wenn sie weiterhin gelegentlich auf Mittelalter-Märkten auftreten, schon lange den Weg Richtung Rock-Szene eingeschlagen. Dabei bestechen sie insbesondere durch ausgesprochen anspruchsvolle und sozialkritische Texte.

Seinen Einstand gab das Sextett mit Tritt ein, einem Lied, welches auf dem Märchen Blaubart beruht: Ein Mann sagt seiner jungen Frau, sie dürfe im ganzen Haus schalten und walten, wie sie will. Nur ein Zimmer ist verschlossen und sie soll es niemals betreten. Natürlich ist die Frau neugierig und schließt bei nächster Gelegenheit dieses Zimmer auf. Dort entdeckt sie die Leichen ihrer Vorgängerinnen. Und als ihr Mann nach Hause kommt, teilt sie ihr Schicksal.

Mit Uns gehört die Welt wurde einer Hymne auf die Lebensfreude unabhängig von Geld und sozialen Zwängen angestimmt, in die viele lauthals einfielen. Es folgte Wirf den ersten Stein mit dem Thema Selbstgerechtigkeit, ehe es mit Varulfen, einem schwedischen Werwolflied, wieder etwas beschwingter und folkiger zuging. Eindrucksvoll war hier, wie Sänger Alea der Bescheidene in verschiedene Rollen schlüpfte und sich teilweise wirklich wie ein leibhaftiger Werwolf anhörte!

Während der nächsten Stücke, Salz der Erde und Koma, konnte man allerdings beobachten, dass zwar in den vorderen Rängen fleißig mitgeklatscht und –gesungen wurde. Doch weiter hinten sah es ganz anders aus. Dort tummelten sich Leute mit neon-bunten Plastiklocken und Masken, die offensichtlich mit dieser Art von Musik gar nichts anfangen konnten und sich teilweise auch entsprechend abfällig äußerten.

Alea rackerte sich währenddessen auf der Bühne wahrlich ab, doch auch bei Prometheus, einem sehr eingängigen Stück, blieb der Refrain, als er ihn vom Publikum einforderte, weitgehend aus.

Inzwischen schien die Band mehr im Durchhalte-Modus angekommen zu sein und versuchte selbst bei Tod und Teufel, einem eher nachdenklichen Stück, das Publikum zumindest zum Mitklatschen anzuregen.  Danach wies man noch darauf hin, dass am 28.08. das neue Album Wer Wind saet erscheinen wird.

Und dann wurde Alea wagemutig. Nach mehrfachem Zögern ließ er sich zu Falsche Freunde in die Menge fallen … und die Rechnung ging auf: Er wurde gehalten, getragen, für eine Ehrenrunde über die Köpfe des Publikums hinweg, um schließlich sicher wieder am Bühnenrand abgesetzt zu werden. Eindrucksvoll: Während der ganzen Prozedur hatte er unbeirrt weiter gesungen!

Den Abschluss bildete das sehr schöne und eingängige Stück Wir sind wie der Wind, das von der Freiheit der Spielleute erzählt. Diesmal machte auch das Publikum begeistert mit und als die Band die Bühne verließ, wurde tatsächlich eine Zugabe gefordert!

Alea kehrte zurück, stimmte noch einmal den Refrain des Abschlusssongs an … doch das war offensichtlich nicht genug. So spielte die ganze Band noch Licht und Schatten, ehe sie sich abermals mit dem Refrain von Wir sind wie der Wind verabschiedete … Und für einige Minuten klang ihnen noch ein sehnsuchtsvolles „Ho – ho-hoho –hohoho!“ hinterher.

Schade war, dass diese Band, die zu einer der großen der Mittelalter-Szene zählt, nicht ihr ganzes Potenzial entfalten konnte. Das Amphi war dieses Jahr sehr electro-lastig, so dass es nur wenig Publikum für diese völlig andere Art der Gothic Music gab.  Für die Zukunft würde ich mir daher wieder eine größere Bandbreite wünschen, ohne Bevorzugung einer bestimmten Richtung. Denn gerade Vielschichtigkeit war es, die vor allem die ersten beiden Amphi-Festivals in Köln ausgezeichnet hat.


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