Heiliges Herz - Das Schwert deiner Sonne

Samsas Traum – Heiliges Herz – Das Schwert deiner Sonne (Review und Kritik)

Heiliges Herz - Das Schwert deiner Sonne
Heiliges Herz - Das Schwert deiner Sonne

Im Jahre 1997 zog ein junger Musikstudent namens Alexander Kaschte aus, den deutschen Musik-Untergrund zu erobern. Zu diesem Zwecke gründete er in jenem schicksalhaften Jahr sein Musikprojekt „Samsas Traum“ – benannt nach dem Protagonisten einer bekannten Erzählung Franz Kafkas – und begann im dunklen Kämmerlein, mit biblischen Geschichten garnierten Schwarzmetall auszuhecken. Dieses geschäftige Treiben resultierte im Jahr 1999 in „Die Liebe Gottes“, seinem ersten kompletten Album, mit dem Herr Kaschte bereits erste Anhänger gewann. Doch er ruhte sich keinesfalls auf seinen Lorbeeren aus – nein, er erarbeite mit großem Fleiß weitere Tonträger, und auf jedem veränderte er seinen Musikstil. Sieben weitere Alben waren die Folge, die stilistisch unterschiedlicher wohl kaum sein könnten. Im Jahre 2005 schließlich gelang ihm mit dem opulenten Epos „a.Ura und das Schnecken.Haus“ der Durchbruch und er wurde einem breiteren – und jüngeren – Publikum bekannt.

Es begab sich nun im Jahre 2007, am Höhepunkt seiner Macht angelangt, dass dem selbsternannten Käferkönig sein mittlerweile ziemlich jugendliches Publikum mit einem Male lästig wurde. Zu sehr schmerzte das hohe Gekreische des Volkes in seinen Ohren, zu gierig folgten ihm die lustvollen Blicke seiner zahlreichen, meist minderjährigen Verehrerinnen, wenn er sich in der Öffentlichkeit zeigte. Grimmen Blickes zog er sich daraufhin in sein düsteres Märchenschloss – in besser unterrichteten Kreisen gemeinhin „Die Zentrale“ genannt – zurück, um auszutüfteln, wie er sich seiner Untertanen am effektivsten entledigen könnte.

Vivere Militare Est!
Vivere Militare Est!

Seine musikalischen Anfänge kamen ihm in den Sinn; damals, als er noch Black Metal machte, da war alles anders gewesen. Black Metal ist ohnehin ein ziemlich abschreckendes Genre und dazu auch noch perfekt geeignet, um sein zu diesem Zeitpunkt recht misanthropisches Gedankengut unter die Leute zu bringen. Alexander Kaschte war wütend. Und genau diese Wut sollte der geschätzte Fan auf dem neuen Werk „Heiliges Herz – Das Schwert deiner Sonne“ nun um die Ohren gehauen bekommen.

Nach einem kurzen Intro, bestehend aus einem englischsprachigen Dialog zweier Männer über das Thema des Suizids, knüppelt der Opener „Das Zeitalter der Bäume“ dem entsprechend auch sehr hart und kompromisslos drauf los. Das Lied ist praktisch das musikalische Flaggschiff des Albums, wie ein Leuchtturm weist es sehr deutlich, wohin die Reise hier gehen soll. Wenn man die Instrumentierung betrachtet, handelt es sich hier klar um Black Metal. Die harten, peitschenden Gitarrenriffs Kaschtes werden ergänzt durch schnelle Blastbeats – aber nicht durch irgendwelche Blastbeats. Eingespielt wurden sie von einem prominenten Gastmusiker: Adrian Erlandsson, ehemals Schlagzeuger bei At the Gates und Cradle of Filth. Gesanglich orientiert sich Kaschte hier eher am Dark Metal: es gibt viel gut verständliches Screaming, aber klare Gesangsparts sind ebenfalls häufig vertreten. Auch textlich zieht Alexander Kaschte hier alle Register: Im äußerst umfangreichen Text des Stückes wird die schon in der Öffentlichkeit deutlich vertretene Einstellung Kaschtes zum Thema „Menschen“ nochmals klar und deutlich auf den Punkt gebracht. Somit handelt sich hierbei um ein ziemlich provokantes, achtminütiges Manifest der Misanthropie.

Doch auch die anderen Stücke des Albums sind durchaus gelungen und brauchen sich hinter dem monumentalen Opener nicht zu verstecken. Man kann dem Künstler auch keineswegs vorwerfen, dass er sich krampfhaft an den Stil des Black Metals geklammert hätte. Stattdessen wird dieser an vielen Stellen um andere Einflüsse ergänzt. So gibt es des Öfteren elektronisch angehauchte Parts – insbesondere im zweiten Titel „Auf den Spiralnebeln“, welcher durch seine epische Melodie ohnehin einer der Höhepunkte des Albums ist. Viele Lieder sind offenbar vom Symphonic Metal beeinflusst. Hier wären besonders Lieder wie „Liebeslied“ oder „Heiliges Herz“ zu nennen. Ersteres ist ein melodisches, trotz der Blastbeats recht ruhiges Stück mit einer eingängigen Melodie und einer daraus resultierenden hohen Ohrwurmqualität. Bei Zweiterem hingegen handelt es sich um ein episches Duett mit der Gastsängerin Diana Lueger.
Die Tonqualität ist im Großen und Ganzen sehr hoch. Nichtsdestotrotz wird durch einige Songs der dreckigen Atmosphäre zahlreicher Black Metal-Bands zumindest gesanglich Tribut gezollt, Beispiele hierfür sind „Durch Springende Lippen“ und „Schlaf in den Flammen“. Den Gesang am Anfang von „Das Schwert deiner Sonne“ darf man wohl als eine Hommage an Burzum verstehen.
Textlich beschränkt sich das Album nicht auf Misanthropie – es sind auch Glorifizierungen der Natur und Liebeslieder zu finden. Oftmals handelt es sich bei den Texten auch um ein schwer zu entwirrendes Geflecht aus Metaphern.

Alexander Kaschte
Alexander Kaschte

Und das ist noch längst nicht alles: „Heiliges Herz“ liegt eine Bonus-CD bei, auf der in Albumlänge Remixe einer illustren Schar von Gastmusikern vorgestellt werden – darunter Szenegrößen wie Peter Tägtgren und :Wumpscut:. Davon abgesehen sind auch zwei Beiträge von Samsas Traum zum Soundtrack der Filmserie „Saw“ enthalten. Auf diese zweite CD noch detailliert einzugehen, würde wohl eindeutig den Rahmen sprengen – nur so viel: speziell der Im Auge des Sturms-Remix von In Strict Confidence und der Heiliges Herz-Remix von Monozelle können sich hören lassen. „Im Auge des Sturms“ ist ohnehin einer besten Songs des Albums. Auch das Stück „Bis an das Ende der Zeit“ vom Saw-Soundtrack weiß zu überzeugen.

So gibt es nun angesichts des großen Umfangs insgesamt auch nicht allzu viel, was man objektiv an „Heiliges Herz“ kritisieren könnte. Lediglich die von anderen Samsas Traum-Alben gewohnte Abwechslung ist nun etwas auf der Strecke geblieben. Auch Kaschtes Klargesang wirkt oft sehr affektiert und ist im Kontext mit der harten Gestaltung der meisten Songs recht gewöhnungsbedürftig, während beim Schaffen des gutturalen Gesangs anscheinend ein Stimmverzerrer nicht ganz unbeteiligt war. Trotz des prominenten Schlagzeugers wirken die ewigen Blastbeats zudem auf Dauer recht uninspiriert und nicht besonders dynamisch.

SchwarzenewsFazit:
Wie schon gesagt: Wenn man die musikalische Leistung an sich betrachtet, geht „Heiliges Herz“ voll in Ordnung und dafür gibt es auch entsprechend Punkte. Geht man aufgeschlossen und ohne Erwartungen an die Sache heran, so wird man vielleicht an den epischen Melodien und an den gelungenen Arrangements des Albums Gefallen finden können. Das Album scheidet die Geister. Ich persönlich war schwer enttäuscht.
Das Problem ist: Alexander Kaschte hat es mit seinen Äußerungen zu diesem Album im Vorfeld eindeutig darauf angelegt, dass eben doch eine gewisse Erwartung geweckt wird – die Erwartung auf ein Black Metal-Album, von der im Falle von Samsas Traum ohnehin vorhandenen Erwartung auf ein weiteres abwechslungsreiches Album einmal abgesehen. Und beide konnte „Heiliges Herz“ aus meiner Sicht definitiv nicht erfüllen. Sicherlich sind hier viele Elemente des Black Metal verarbeitet und an Liedern wie beispielsweise „Das Schwert deiner Sonne“ sind starke Einflüsse von Projekten wie Burzum deutlich auszumachen. Das Album wirkt also schon ein wenig wie Black Metal – wie Black Metal aus der Waschmaschine, saubergebürstet, überproduziert und zugeschnitten auf ein jüngeres Publikum. Trotz der allgegenwärtigen und irgendwie ziemlich eintönigen Blastbeats sind die die Lieder in der Regel recht eingängig, im Falle von „Liebeslied“ geradezu poppig. Prinzipiell stehe ich der Engstirnigkeit vieler Anhänger des Black Metals eher kritisch gegenüber und bin neuen Impulsen gegenüber offen – doch in diesem Fall widerspricht es Kaschtes angeblichem, eigentlich auch schon verwerflichem Ziel, durch extreme Musik einige seiner – ebenfalls angeblich – unliebsamen jugendlichen Fans loszuwerden. Das Gegenteil ist eher der Fall. Für mich ist dieses Album pure Berechnung. Black Metal an der Grenze zum Kitsch.
Aber das ist nicht mal der Grund für meine große Enttäuschung über dieses Album. Als ich es kaufte, hörte ich Black Metal noch nicht einmal. Aber ich habe Samsas Traum durch die vorhergehenden Veröffentlichungen als etwas wunderliche, verschrobene und vor allem sehr abwechslungsreiche Band kennengelernt. Und die Abwechslung ist es, die mir hier fehlt. Black Metal ist nicht das, was ich persönlich von Samsas Traum hören möchte.

Fenriz
Fenriz

2. Meinung: Heilige Scheisse – Der Schrott aus der Abfallkammer. Was auch immer dieser Stilwechsel sollte – Es wird wohl immer das Geheimnis von jemandem sein, der fast schon krankhaft nach Aufmerksamkeit giert, Misanthropengequatsche hin oder her. Wer seine alten Fans (Mich) so vergrault/vergraulen will, der ist selber schuld: Musikalischer Metal-Einheitsbrei mit einer Stimme, die nicht zum schreien geeignet ist, gefällt einfach Leuten mit einem Rest Intelligenz, die nicht an harte Gitarren verschwendet wurde, nicht. Jetzt hat er eben statt Emos, die a.Ura toll fanden (verständlich!) Black Metal-Kinder. Herzlichen Glückwunsch – Und morgen macht er Hiphop, weil ihm die Black Metaller lästig wurden.


Bieberpelz
Bieberpelz


Dritte Meinung: Wenn ich mir bei dem Namen Alexander Kaschte bzw. Samsas Traum auf eines sicher sein kann, dann das er seinen Stil, seine umstrittenen Meinungen und diverse Äußerungen wie seine Unterhosen wechselt. Aber ebenfalls kann ich mir auch sicher sein das mir ein Musikalisches Schaffen geboten wird, das in einer ganz hohen Liga mit spielt. Das was wir hier wieder finden ist ein Album, was wütender und frischer nicht klingen kann. Hinzu kommt eine Produktion die seines gleichen sucht. Wenn auch Herr Kaschte die Musik als Black Metal bezeichnet und sich vom Gothic distanzieren will, so ist dieses Album höchsten im Dark Metal Bereich mit Black Metal aber auch Gothic Elementen wieder zu finden. Das ist aber nicht schlecht, nein, das klingt sogar verdammt gut… wenn man sich auch auf neues einlassen kann. Und dieser Punkt war ihm wohl bewusst, viele Fans werden sich von ihm abneigen. Oft in Interview erwähnt, was eher wirkt wie eine Schutzhaltung, hat er diese Thematik angesprochen und provoziert. Für mich ist dieses Album, wenn auch der Funke nur schwer überspringen konnte, ein großartiges Album mit einer super Produktion und einigen enorm starken Songs. Ich bin gespannt auf neues.

Trackliste:
Disc 1:

  1. 5+6=218
  2. Das Zeitalter der Bäume
  3. Auf den Spiralnebeln
  4. Durch springende Lippen
  5. Schlaf in den Flammen
  6. Liebeslied
  7. Der Tag stummer Rache
  8. Hirte der Meere
  9. Im Auge des Sturms
  10. Heiliges Herz
  11. Das Schwert deiner Sonne

Disc 2:

  1. Intro
  2. Heiliges Herz (Thomas Rainer-Remix)
  3. Auf den Spiralnebeln (Peter Tägtgren-Remix)
  4. Durch springende Lippen (p.a.l.-Remix)
  5. Im Auge des Sturms (In Strict Confidence-Remix)
  6. Schlaf in den Flammen (:Wumpscut:-Remix)
  7. Heiliges Herz (Monozelle-Remix)
  8. Outro
  9. Anti (SAW III UR – Version)
  10. Anti (SAW III TH – Version)
  11. Bis an das Ende der Zeit (Original SAW – Version)


(7/10)
(7/10)

Anspieltipps:
-Das Zeitalter der Bäume
-Auf den Spiralnebeln
-Im Auge des Sturms

Erscheinungstermin:
2007 erschienen

Samsas Traum – Homepage
Samsas Traum auf MySpace

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