Scumbucket - Heliophobia

Scumbucket – Heliophobia (Review und Kritik)

Scumbucket - Heliophobia

Scumbucket haben ihr musikalisches Dasein schon immer im Schatten von Blackmail gefristet. Das hat sich auch bis zum heutigen Tage nicht geändert. Deutlich härter und schmutziger, hinkt  ihre Output-Rate und auch der kommerzielle Erfolg  ihrem Quasi-Geschwisterlein hinterher. Nachdem letzteres aber seit dem Lineup-Wechsel (dem Rauswurf von Sänger Aydi Abay) vorerst auf Eis liegt, hat der werte Herr Ebelhäuser neben seiner Tätigkeit als Produzent auch mal wieder Zeit gefunden, sich um das vernachlässigte Kind zu kümmern, welches ohne weiteres zu den Zugpferden des Indierocks der ´90er gezählt werden kann.

Bereits 2007 gedachte man, anlässlich des zehnjährigen Bandbestehens, deren längst vergriffenes Debütmachwerk „Heliophobe“ neu einzuspielen und zu veröffentlichen.

Doch weil Kurt Ebelhäuser ein vielbeschäftigter Mann ist, setzte man das Vorhaben erst knapp drei Jahre später um. Gut Ding will schließlich Weile haben.

Und gut ist das Ding, auf jeden Fall. In Originalbesetzung von ´96, heißt im Klartext: Kurt Ebelhäuser an der Gitarre und am Mikro zu hören, Michael Fritsche, verantwortlich für die Rhytmusfraktion und Dylan Kennedy am Bass, setzt man das Angedachte nun auf eindrucksvolle Weise um. Ebelhäuser setzt seine Produzenten-Qualitäten gekonnt ein, um einen „frischeren“ und druckvolleren Sound beizusteuern, der ordentlich reinhaut.

Aber man beließ es nicht bloß bei den produktionstechnischen Raffinessen; Zuweilen komplett neue Vocals, modifizierte Instrumentalpassagen und einige textimmanente Veränderungen sind an der Tagesordnung. „Heliophobe“  ist zum mächtigen „Heliophobia“ geworden.

Was vormals in einer  knappen fünfzehnstündigen Session eingespielt wurde, nahm jetzt entsprechend mehr Zeit in Anspruch. Besseres Equipment und eine hochwertige Produktion lassen die ohnehin schon grandiosen Songs in völlig neuem Glanz erstrahlen. Feine detailverliebte Nuancen sind im Gesamtgefüge jederzeit wahrnehmbar. Kernige Riffs bilden immer noch das zentrale Gerüst des Ganzen, wirken jedoch frisch und saftig wie eh und je. Insbesondere ist das in den melancholischen Momenten spürbar, die zuweilen gar in hypnotisch-entrückte Passagen abschweifen. Gerade diese Momente sind es auch, die den besonderen Reiz „Heliophobias“ ausmachen: Das stete Oszillieren zwischen unglaublich intensiven, fast schon psychedelisch anmutenden Stellen und im Gegensatz dazu Klängen der härteren Gangart. Klasse.

Natürlich wurde auch das optische Erscheinungsbild von „Heliophobia“ gründlich einer Frischkur unterzogen. Das Cover-Artwork, auf Basis des Originals, geht aus einem entsprechenden Wettbewerb hervor. Weitere Entwürfe sollen auf dem schnieken, ausfaltbaren 16-seitigen Booklet zu sehen sein, welches im Inlay zu finden sein soll. Leider liegt mir nur die Promo-Ausgabe vor 😉

Martin "Rostig" Pilot

Fazit: „Heliophobia“ ist nicht bloß ein einfaches Remake; Es stellt durchaus eine Bereicherung für das Scumbucket-Œuvre dar und ist auch  jenen zu  empfehlen, welche das Vierzehn Jahre alte Original vielleicht bereits ihr Eigen nennen. „Heliophobia“ ist auch Anno 2010 ein krachiges und intensives Indie-Rock-Erlebnis. Geradlinig, Druckvoll, Eindringlich.So muss das sein . Ich jedenfalls freue mich bereits auf das kommende Machwerk „Sarsaparilla“, welches der geneigte Hörer sich im April in die Gehörgänge knallen lassen kann.


Tracklist:

  1. Dis My Naff (Part 1)
  2. Blame
  3. Drag
  4. Etah
  5. Hoyoto
  6. Breeze
  7. Dis My Naff (Part 2)
  8. Super „C“
  9. Big Step For Mankind
  10. Workaholic
  11. Brid
  12. Killing Me Dogs
  13. Big Ants
  14. Doc Store
  15. Dead Man Walking

Anspieltipps:

Blame

Erscheinungsdatum: Bereits erschienen

Webpräsenz: www.scumbucket-music.com

About Rostig

Alter: 23 Beruf: Student Lieblingmusik: Querbeet Hobbys: Musik, Videospiele, Filme, Schreiberei, Kunst

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