Bon Jovi - The Circle

Bon Jovi – The Circle (Review und Kritik)

Bon Jovi - The Circle
Bon Jovi - The Circle

Da treten die Herren John Bongiovi, Richie Sambora, David Bryan und Tico Torres nun aus dem dunklen Tunnel ins helle Licht. Was soll uns das Albumcover des neuen Albums „The Circle“ sagen? Hat man die Kreativitätskrise der letzten neun Jahre überwunden? Im Vorfeld haben ja die Jungs aus New Jersey schon angedeutet, auf dem neuen Album wieder einiges roher und härter zu werden. Schafft es die erfolgreichste Rockband der Welt zum 25. Bandjubiläum den Kreis im positiven zu schließen? Fragen gibt es in der Tat genug. Und somit war die Fangemeinde gespannt auf die neueste LP aus dem Hause Bon Jovi. Aber immer der Reihe nach…

Das erste Mal, als ich was über das nun vorliegende Album erfahren habe, war im März dieses Jahres auf den Jon Bon Jovi Bootleg „Live at the Starland Ballroom“, das am 23.2.2009 in Sayreville, New Jersey aufgenommen wurde und über den offiziellen Fanclub  BackstageJBJ.com zu beziehen ist. Da kündigte der mittlerweile 47 jährige Kopf der Band an, dass man wieder ein wenig „back to the roots“ gehen werde. Natürlich war meine Erwartung nicht, dass man auf einmal wieder einen auf Hair-Metal machen werde, mittlerweile wäre es auch mehr als peinlich, wenn die Herren auf Anfang 20 machen würden. Davon abgesehen hätte Jon wohl auch ein wenig stimmliche Probleme (besonders seit er vor ein paar Jahren das Rauchen wieder angefangen hat) bei solch einem Unterfangen. Ich rechnete also vielmehr mit einer Art Reaktivierung des „Keep The Faith“-Sounds. Sowieso musste sich bei mir bisher  jede Veröffentlichung aus New Jersey mit eben diesem Album messen lassen.

Seit 25 Jahren im Geschäft und kein bisschen leise: Bon Jovi
Seit 25 Jahren im Geschäft und kein bisschen leise: Bon Jovi

Kommen wir nun zum elften Studioalbum meiner Lieblingsrockband. Produziert wurde es von John Shanks. „Oh my godness“ dachte ich mir, als ich es im Cover gelesen habe. Dieser Produzent der bei „Have A Nice Day“ sämtliche Gitarrenparts von Richie aufs Minimum geschraubt hat? Aber schon im Opener, der Singleauskopplung „We Weren’t Born To Follow“, wurde ich eines besseren belehrt. Sambora haut endlich wieder in seine Gitarre, wie man es auch von den Live-Auftritten gewohnt ist. Und diesmal durfte er auch endlich im Studio sein ganzes Können unter Beweis stellen. Tico spielt seine Drums so kraftvoll wie lange nicht mehr und Hugh MacDonald, der stille und fast unsichtbare Bassist der Band, legt wieder gute Arbeit hin. Der Song, auch wenn’s nicht die beste Singleauskopplung ist, zeigt schon mal ganz gut die Richtung des Albums. Riskanterweise folgt als zweiter Song „When We Were Beautiful“: ein ruhiger, melancholischer und sehr untypischer Song der Band. Und genau das macht es zu einer kleinen Perle. Dann folgt mit „Working For The Working Man“ der erste Paukenschlag des Albums. Endlich mal wieder ein richtig krachender Song, wie man ihn auch auf der „Keep The Faith“ finden könnte. Tolle Refrains und seit Jahren wieder Backgroundgesang von Richie Sambora. Spätestens hier sollte jedem alteingesessenen Fan warm ums Herz werden. Mit „Superman Tonight“ folgt eine Mid-Tempo Nummer und danach das Highlight des Albums – „Bullet“! Hier beweisen die Jungs ihre gesamten Qualitäten im Bereich Songwriting: eingängige Refrains, das groovige Gitarren- sowie Schlagzeugspiel und die beste Gesangsleistung Jon’s seit „Destination Anywhere“.

Der gute Eindruck setzt sich mit dem Lovesong „Thorn In My Side“ fort, ein eher moderner Bon Jovi Rocksong, ohne aber an die Langeweile von den „Bounce“-Rocksongs anzuknüpfen. Dafür sorgen auch hier die abwechslungsreichen Gitarrenspiele sowie die tollen Lyrics. Bis jetzt gab es ja noch gar keine Ballade. Im 7. Song ist es nun soweit: „Live before you die“ ist eine herzzerreißende Message, das Leben so zu genießen wie es kommt. Wären wir schon beim achten Song der Scheibe: „Brokenpromiseland“ wird sicherlich ein Klassiker bei Live-Auftritten der Band werden; auch hier sind die Melodien wieder wunderbar ausgearbeitet und der ganze Song lädt zum lauten Mitsingen ein. Sehr gut gefällt mir die allmähliche Steigerung vom leisen Anfang bis hin zum rockigen letzten Drittel. Mit „Love’s The Only Rule“ und „Fast Cars“ kommen nun die obligatorischen Lückenfüller des Albums. Beides sind zwar nette, gefällige Songs mit guten Ideen, mir persönlich aber eine Spur zu glatt. Trotzdem sind auch diese beiden Lieder um einiges besser als die Songs auf „Crush“ und „Bounce“. Etwas besser wird es wieder mit „Happy Now“. Und mit „Learn To Love“ wird das Album mit der klassischen Liebesballade abgeschlossen, wie es sie nur von Bon Jovi geben kann. Ein ruhiger, nachdenklicher und leiser Song der schon fast an die Qualität eines „River Runs Dry“ herankommt.

Tico Torres, David Bryan, Jon Bon Jovi, Richie Sambora (v.l.n.r.)
Tico Torres, David Bryan, Jon Bon Jovi, Richie Sambora (v.l.n.r.)

Was mir persönlich sehr gut gefällt, ist die Tatsache, dass man endlich wieder eine Harmonie zwischen den Musiker hört. Allen voran ergänzen sich Richie und Jon so gut wie seit den 90ern nicht mehr. Man hört den Jungs in jedem Song ihre Spielfreude heraus und dass sie es nach 25 Jahren noch einmal wissen wollen. Lediglich David Bryan kommt mir mit seinem Keybord einiges zu kurz. Textlich hat man ein recht optimistisches Gesamtbild geschaffen: Politik, Alltagstexte sowie Liebe sind einmal mehr die Themen die Jon und Richie umtreiben. Natürlich ist auch „The Circle“ kein episches Konzeptalbum – das Konzept von Bon Jovi bestand seit jeher aus eingängigen Pop-Rock Nummern und genau das liefern Jon und Richie auch dieses Mal. Was mir mal wieder ein wenig sauer aufstößt, sind die ganzen Kritiker. Da wird seit 9 Jahren gefordert, dass man sich endlich mal wieder den alten Alben wie „Keep The Faith“ annähern sollte und nun gibt es einige Leute die abfällig schreiben: „Bon Jovi covern sich selbst“ und den Refrain der Singleauskopplung doch allen ernstes mit „Born to be my baby“ vergleichen. Manchmal frage ich mich, was die Leute eigentlich wollen. Da veröffentlicht man das beste Album seit 14 Jahren, die Band ist in einem wirklichen Jungbrunnen gefallen, ohne irgendwie peinlich zu wirken und trotzdem gibt es einige, die immer noch nicht zufrieden sind! Hey, die 80er kommen nicht zurück und die Band ist nun mal um 25 Jahre gealtert. Und sie ist nicht nur in Würde gealtert, sondern hat es, nebenbei bemerkt, geschafft, aus ihrer Kreativitätskrise herauszukommen.

Avatar-AnchantiaFazit:

Jon, Richie, Tico, David und Hugh sind endlich wieder da – und das in alter Stärke! Das Album besitzt wirklich ALLES, was ein gutes Rockalbum braucht: eine gute Produktion, tolle Texte und ausgereifte Songstrukturen inkl. eingängigen Refrains zum Mitsingen. Vor allem besitzt es aber auch Ecken und Kanten und ist nicht so eingängig, wie man erst denken mag. Viele Ohrwürmer eröffnen sich erst nach mehrmaligen Hören und man entdeckt immer wieder neue Facetten. Ja, ich bin seit 18 Jahren leidenschaftlicher Fan. Aber auch ohne diese Fan-Brille handelt es sich um verdammt gute Rockmusik und darauf kommt es doch an, oder? Ich bin schon ganz heiß, das Material live erleben zu können. Übrigens besitzt die Limited-Edition eine DVD mit einer sehenswerten Doku über 80 Minuten Lauflänge, in der sehr schön hinter die Kulissen geblickt wird und deutlich wird, was Fans schon immer wussten: die Jungs sind, trotz ihres Welterfolges, sympathisch und bodenständig geblieben. Gesamtfazit: auch für Nicht-Fans unbedingt zu empfehlen!

Tracklist:

1. We Weren’t Born To Follow
2. When We Were Beautiful
3. Work For The Working Man
4. Superman Tonight
5. Bullet
6. Thorn In My Side
7. Live Before You Die
8. Brokenpromiseland
9. Love’s The Only Rule
10. Fast Cars
11. Happy Now
12. Learn To Love

(9 von 10)
(9 von 10)

Anspieltipps:
– Work For The Working Man
– Bullet
– Brokenpromisland

Label: Island Records
Erscheinungsdatum: 30.10.2009

Offizielle Homepage

About Anchantia

Check Also

U.D.O. – We Are One

In einer Zeit, in der eine Pandemie unser Leben mehr oder weniger bestimmt, sehnen sich …