Corroded – „Fall of Nations“ in Berlin

In Zeiten von gigantischen Konzerten sind kleinere Club-Gigs immer eine besondere Erinnerung. Der Tatort an diesem Abend war der „Auster Club“ unterhalb einer Markthalle in Berlin. Ein kleines Poster kündigte „Corroded“ mit ihrer „Fall of Nations“-Tour an. Hierbei sollte es sich tatsächlich um einen Insider-Tipp handeln, was man spätestens an dem größtenteils skandinavischen Publikum erkennen konnte.

Als Vorband verpflichtete man „The Hawkins“. Ebenfalls eine Band, die einfach zu wenig Aufmerksamkeit im deutschsprachigen Raum erfährt. Die Jungs aus Schweden betraten die Bühne und sofort stellte sich ein angenehmes Old-School-Rock Gefühl ein, dass durch die zeitlosen Klänge noch befeuert wurde. Sänger Johannes verausgabte sich bis zur Ekstase und schaffte damit einen unglaublichen Überraschungserfolg. Das kritische Berliner Publikum hatte die Band jedenfalls innerhalb von Sekunden auf ihrer Seite. Ob mit „Frankie Boy“ oder „Rat race“ präsentieren die Jungs ihren Facettenreichtum, der irgendwo zwischen „Mandy Diao“ und „New Wave of British Heavy Metal“-Bands schwankt. Beendet wird das Konzert stilvoll mit „Fuck You All I’m Outta Here“.

Nach einer kurzen Umbaupause und dem guten Gefühl, dass der Underground immer noch lebt, begann das Konzert von „Corroded“. Nach dem zweiten Track überhitzt das gesamte Lichtsystem und die Band steht im Halb-Dunkel auf der kleinen Bühne. Egal, dann wird „Burn It to the Ground“ eben zu einer Candle-Light-Heavy-Rocknummer. Man spürt deutlich, dass man es hier mit Vollblut-Musikern zu tun hat, die sich ihren Tourabschluss durch keine Widrigkeiten zerstören lassen will. Der Sound ist brachial-kraftvoll und immer mit der typischen Schwedischen Metal-Attitüde, die man einfach nicht beschreiben kann. Es folgen „More Than You Can Chew“ und „Believe in me”, ehe der Titeltrack “Fall of Nations” seine Uraufführung in der Hauptstadt erfährt. Ein packendes Stück, das den kleinen Club in eine Sauna verwandelt. Das Licht geht zwar immer noch nicht, aber mittlerweile nimmt davon kaum noch jemand Notiz. Kein Wunder, kommen doch mit „I Am the God“ und „King of Nothing“ zwei echte Hymnen zum Einsatz, die man auch unbedingt in Deutschland kennenlernen sollte. Mit bahnbrechender Geschwindigkeit und scheinbar endloser Spielfreude geht schließlich zu „6 Ft of Anger“ die Bühnenbeleuchtung wieder an. So darf man die Zugabe „Time and again“ doch noch im Hellen genießen, ehe die Band sich unters Konzertpublikum mischt. Berlin sagt Danke für einen Abend, der die Hoffnung genährt hat, dass auch kleinere Bands immer noch eine Chance haben und die Szene lebendig ist.

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