Edgar Allan Poe – Der Meister des Grauens: Teil 4.1: Interpretationen zu „Der schwarze Kater“

Beim Lesen der Kurzgeschichte Der schwarze Kater lassen sich einige Parallelen zu der Kurzgeschichte Das verräterische Herz feststellen.

Beide Protagonisten beginnen ihrer Einleitung, in dem sie dem Leser glaubhaft versichern wollen, dass sie nicht verrückt, sondern bei klarem Verstand sind. Diese Aussage unterstreicht jedoch, dass ihre Auffassung der noch zu schildernden Handlung gestört sein muss. Besonders die Erwähnung des morgigen Todes durch den Protagonisten in Der schwarze Kater zeigt, dass dem eine nicht rationale oder normale Handlung voran gegangen sein muss.

Ebenfalls empfanden die beiden Protagonisten, zumindest zu Beginn, keinerlei Wut oder Hass auf ihre späteren Opfer. Trotzdem fühlten sie sich durch irrationale Gründe – entweder durch ein „Geierauge“ oder durch einen vermeintlichen Galgen um den Hals – förmlich dazu genötigt, ihre früher geliebten Gefährten zu töten oder töten zu wollen.

Ein besonderer Anhaltspunkt in Der schwarze Kater ist die Liebe des Protagonisten zu seinen Tieren. Der Wandel von Liebe und Zuneigung zu einer tiefen Abneigung und späteren Hass prägen den Umgang des Erzählers mit anderen Lebewesen. Besonders der Kater besitzt eine besondere Stellung, da er die Rolle eines Weggefährten übernimmt. Erst viel später erfährt auch der Kater schwere Misshandlungen und muss sogar sterben.

Der spätere Kater übernimmt im Unterschied zu seinem Vorgänger nicht Rolle des Weggefährten, sondern die Rolle des lebenden Mahnmals. Der Kater liebte ihn augenscheinlich sehr, obwohl der Erzähler wusste, dass er diese Liebe nicht verdiente. Durch die weiße, galgenförmige Färbung erinnert der Kater den Erzähler immer an seine furchtbare Tat, die er an Pluto verübt hat. Als der Kater nach dem Mord an der Frau verschwunden bleibt, ist es für den Erzähler wie eine Befreiung und Erlösung.
Da der Erzähler kein Bedauern über die Tod seiner Frau empfindet, könnte ihr Tod an die Stelle des gewünschten Ablebens des zweiten Katers treten. Denn, obwohl ihm das töten des Katers nicht geglückt ist, ist es ihm gelungen, seine Frau zu töten. Er empfindet Erleichterung und Befreiung, was auch auf das Verschwinden des Katers zurückzuführen ist.

In den beiden Kurzgeschichten werden beide Leichname der Mordopfer in einem Wohnbereich begraben. Der alte Mann aus Das verräterische Herz wurde unter den Dielen des Schlafzimmers versteckt, während die Ehefrau in Der schwarze Kater von ihrem Mann in einem Keller eingemauert wurde.

Grund für ein Geständnis oder für die Freilegung der Leichen sind in beiden Geschichten Geräusche: in Das verräterische Herz durch den Herzschlag des getöteten Mannes, der nur von dem Mörder wahrgenommen wird und in Der schwarze Kater durch den Schrei des eingemauerten Katers, der für alle beteiligten Personen zu hören ist. In beiden Geschichten treten zudem Polizeibeamte am Ende hinzu.

In Der schwarze Kater wird ebenfalls ein Spannungsaufbau durch eine Suspense herbei geführt. Der Spannungsbogen der Geschichte setzt immer wieder neu ein und endet nicht verfrüht mit der Folter und der späteren Tötung des Katers. Somit entstehen neue Handlungsstränge, die bei dem Leser zu weiteren Spannungsmomenten in der Geschichte führen.
Nachdem ein neuer Kater, der dem vorherigen Kater Pluto fast gänzlich gleicht, in das Leben des Erzählers tritt, ist man gespannt, ob sich das Schicksal Plutos bei dem zweiten Kater wiederholen könnte. Gleichzeitig fragt man sich, in welcher, möglicherweise übernatürlicher, Verbindung beide Kater zueinander stehen.
Nach der Tötung der Frau wartet man, ob und wie der Mord aufgedeckt werden wird. Außerdem bleibt bis zum Ende der Geschichte offen, wohin der Kater nach dem Mord verschwunden ist.
Auch in dieser Geschichte wird die Spannung bis zum letzten Moment gewahrt.

 

Bilderquelle: Edgar Allan Poe – Unheimliche und fantastische Geschichten

Illustrationen: Gris Grimly

About Poes Rabe

Was schreibt denn da als Redakteurin für Dark News über Literatur, elektronische Musik und Konzerte? Es handelt sich dabei um Poes Rabe, der, anders als erwartet, weiblich, hellhäutig und mit rotem Hauptgefieder gekrönt ist. Namentlich ist dieses Exemplar als Saskia Schäfer bekannt. Das 1990 geborene Rabentier ist Studentin an der Philipps-Universität in Marburg und besucht ebenfalls die Deutsche POP Akademie in Frankfurt am Main.

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