Geht nicht, gibt’s nicht: Return To Innocence  mit „The Ring Of Moon“

Return To Innocence - The Ring of Moon - ArtworkIm Infoblatt zu diesem tschechischen Quartett wird die Musik als „Death/Doom Metal“ bezeichnet. Auch wenn diese Elemente definitiv zu finden sind, ist diese Beschreibung bei weitem nicht ausreichend und wird der Vielseitigkeit dieses Albums nur im Ansatz gerecht.

Das Album startet mit einem epischen Intro „Streams“, das ein wenig an eine Krönungszeremonie erinnert, um dann gleich mit dem ersten Song „Resigned World“ voll loszulegen. Atmosphärische Keyboard-Sounds, brachiale Gitarren, Blast-Beats, tiefe Growls und cleaner Männergesang wechseln sich ab mit epischen Chören, langsamen Interludes und schrillen Screams in filth’scher Manier. Die komplexe Komposition, in der sich die Instrumente und Rhythmuswechsel perfekt ergänzen, fesselt den Zuhörer gleich mit ihrer kompromisslosen Energie.

In „Tristan’s Dream“ machen wir dann einen kleinen Exkurs in den Folk Metal. Rhythmus und Melodie erinnern an den Stil von Heidevolk, Folkearth und frühe Vintersorg, was der kraftvolle Männerchor im Refrain und die Keyboard-Sounds noch weiter unterstreichen. Melodische Gitarrenläufe runden das Ganze gekonnt ab.

Der nächste Song, „Blood Related“ beginnt mystisch und in der Melodie leicht orientalisch, begleitet von der cleanen Stimme einer Gastsängerin. Ein kriegerisches, lineares Riff webst sich zunächst subtil in den anfänglich noch galoppierenden Rhythmus ein, löst diesen aber bald ab, bleibt aber in der Melodie orientalisch bis majestätisch mit düsterer Färbung. Auch hier werden wieder ein epischer, dieses Mal auch gemischter, Chor sowie cleaner Männergesang eingesetzt.

Nach diesem eher ruhigen Song gibt es jetzt was auf die Nuss: Return To Innocence lassen in „Wasted Heart“ die Death-Metaller in sich raus!  Sänger „Ax“ screamt zu dem geradlinigen Death-Riff in einem Stil, der ein wenig an Norther erinnert. Von typischen Elementen wie dem cleanen Männergesang und den epischen Keyboards kann man hier zwar nach wie vor nicht lassen (soll man ja auch gar nicht), aber es zeigt sich hier, dass die Band durchaus in der Lage ist, ihre Handschrift in unterschiedliche Kontexte einzubetten, sodass ein höchst abwechslungsreiches musikalisches Ganzes entsteht.

(R)evolution wird mit einem tiefen Klavier und tragischen Blechbläsern eingeleitet, ähnelt ansonsten aber sowohl in Struktur als auch melodischer Komposition den beiden Vorgängern – vorerst: In der Mitte des Songs wird mit den üblichen Stilmitteln noch einmal ordentlich Spannung aufgebaut, die sich dann in einem gekonnten Gitarrensolo entlädt, welches letztendlich wieder in den Refrain übergeht.Return-To-Innocence_bandfoto

„The Picture Of Immortality“ überrascht dann ein wenig: Romantische, gezupfte Streicher, ein mit cleanem Frauengesang vorgetragenes Intro, dem dann aber ein Duett zwischen dem cleanen weiblichen Gesang und gutturalem männlichen folgt. Die Komposition ist zwar überdurchschnittlich stark in Dur gehalten, hat aber trotzdem etwas Mystisches an sich. Gibt es so etwas wie Power-Doom-Metal? Wenn ja, würde diese Beschreibung auf dieses Lied ganz gut passen^^

Das Intro des nächsten Songs macht seinem Titel „Dark Dimensions“ alle Ehre, denn es klingt schon etwas „spacig“. Ansonsten kommt in dem Song aber nicht viel Neues.

Abgeschlossen wird das Meisterwerk „The Ring Of Moon“ mit einem gleichnamigen Titel. Eine zunächst eher langsame Nummer, bei der man sich wieder eine Gastsängerin ins Boot geholt hat, die ihre Solopassagen und Duette mit dem cleanen männlichen Gesang gekonnt vorträgt. Trotz des langsamen Intros kann man sich aber auch hier nicht von den Gewohnheiten dieses Albums trennen. Allerdings ist diese Nummer mit Abstand die fröhlichste auf der ganzen Scheibe, die von der Komposition her ein wenig an Nightwish erinnert – aber nur ein bisschen. Diese Band hat einen eigenen Stil!

Fazit:
Klasse! Wer düsteren, abwechslungsreichen Symphonic Metal mag, sollte sich dieses Ausnahmewerk nicht entgehen lassen! Es wundert mich, dass diese Band in Deutschland nicht bekannter ist… Vielleicht habe ich hier per Zufall einen „Forgotten Treasure“ entdeckt^^.

Tracklist:

1. Streams II

2. The Resigned World

3. Tristan’s Dream

4. Blood-related

5. Wasted Heart

6. (R)evolution

7. The Picture Of Immortality

8. Dark Dimension

9. The Ring Of Moon

Anspieltipps:
The Resignated World, Tristan’s Dream, Blood-related

 

About Mustaveri

Alter: 28 Beruf: Übersetzerin (freiberuflich) Lieblingmusik: Metal (Death, Dark, Black, Thrash, Symphonic, Gothic) Hobbys: Musik, Sport, Schreiben, Kunst, Kochen

Check Also

Stone Sour besser denn je: Hydrograd

Vor 25 Jahren hat Slipknot Frontmann Corey Taylor Stone Sour gegründet. Auch wenn es eine …