Axel bei der Arbeit

Interview mit Axel Jung, Schmuckdesigner von Rotten Kingdom

Axel bei der Arbeit

Axel Jung, Schmuckdesigner von Rotten Kingdom, stellt höchst individuellen Schmuck her, denn er arbeitet in traditioneller Handarbeit. Dabei scheint er einer aussterbenden Art anzugehören: Schmuckdesign ohne Computer!

Ja wie jetzt? Per Hand und so?

Ob man’s glaubt oder nicht – das gibt es noch, und es trägt die tollsten Früchte, wie man in Axels Werken sehen kann. Wir haben dem Diplom-Designer der alten Schule ein paar Fragen gestellt.



Schwarze News:
Hallo Axel,
erst einmal vielen Dank, dass du dir Zeit für ein Interview nimmst.
Möchtest du dich unseren Lesern kurz vorstellen? Was hat dich zum Beispiel bewogen, Design auf Diplom zu studieren?

Axel Jung:
Hallo Stefan,
also ich heiße Axel Jung, habe Design studiert und kreiere seit einigen Jahren Schmuck… für, sagen wir, Leute die nicht unbedingt auf Goldkettchen stehen. Ich wollte schon als Teenager Grafiker oder Goldschmied werden. Habe schon früh viel gezeichnet und mit 12 Jahren angefangen zu fotografieren.
Dann war ich mit 15 bei einem Grafiker zu Besuch und habe mir diesen „Job“ angeschaut… von da an war alles klar. Grafikdesigner wollte ich werden.

Erst viel später habe ich begonnen, Schmuck für mich selber herzustellen, einfach weil mir nichts von der Stange gefallen hat. Und ich lege bei allem Wert auf Qualität… auch beim Material. Ich würde nie Modeschmuck etc. tragen. Und ich habe gerne Sachen die niemand (oder nur wenige) andere haben.

SN:
Wie bist du zu dem Entschluss gekommen, bei deiner Arbeit keine Computer einzusetzen? Man bekommt doch immer mehr den Eindruck, dass ein Designer ohne Computer heute nichts mehr ist?

Heiße Präzisionsarbeit - hier an einer iPhone-Hülle

AJ:
Genau das ist es. Ich bin ja nun nicht mehr so jung und habe noch die „alte Schule“ genossen, d. h. viel Handarbeit – im Grafikdesign – alles noch ohne Computer.
Ich bedaure diese Computerisierung – im allgemeinen – sehr. Ein schöne handgezeichnete Illustration – das hat schon was – aber das will heute keiner mehr haben.
Als ich angefangen habe meinen Schmuck zu fertigen habe ich mich auch bewusst auf reine Handarbeit besonnen. Handarbeit braucht seine Zeit, Ruhe, Konzentration. Das hat  für mich schon was meditatives.

SN:
Eine provokante Frage für selbstständige Designer wie dich: Warum sollte ich meinen Schmuck „teuer“ bei dir kaufen und nicht für ’nen Appel und’n Ei bei gängigen Großversandhäusern?

AJ:
Ich denke das muss jeder für sich selber entscheiden. Mir zum Beispiel ist es nicht egal, dass dieses Schmuckstück, das ich trage, vielleicht noch 1000 anderen am Halse baumelt. Klar ist eine Produktion in Asien billiger, da dort die handwerklichen Kosten viel niedriger sind. Aber ich muss auch in großen Stückzahlen produzieren lassen…. Will ich das ? Nein. Meine Schmuckstücke sind komplette Handarbeit – von mir persönlich, und nicht von irgendeinem Tagelöhner in Fernost – und schon dadurch bin ich gar nicht in der Lage große Mengen herzustellen.

Ich habe einen Bezug zu den von mir hergestellten Stücken und manchmal entschließe ich mich während der Fertigung, ein kleines Detail vielleicht etwas anders auszuführen. Zudem bin ich ja auch keine Maschine und so fällt jeder Hammerschlag anders aus. Das macht es einzigartig.

SN:
Wie lang dauert es bei dir im Schnitt, bis ein relativ „simples“ Schmuckstück wie ein Ring fertig ist? Wenn man alles selbst macht, hängen da bestimmt viele einzelne Arbeitsschritte dran.

AJ:
Also um es mal vorweg zu sagen… selbst ein einfacher Bandring ist kein simples Stück. Industriell gefertigt, ja – keine Frage.

Aber bei mir – nein. Ich muss zunächst einmal Silber schmelzen und in einen Strang gießen. Dieser Strang wird dann mit dem Schmiedehammer in Form geschmiedet. Dabei muss der Silberstrang zwischendurch immer wieder im Feuer geglüht werden.
Hat der Strang die nötige Dicke und Breite wird er rundgeschlagen – zum Ring. Das ganze dauert leicht 2-3 Stunden. Und da nicht jeder Hammerschlag gleich ist fällt dann auch nicht  jeder Ring gleich aus, immer sieht man die Bearbeitungsspuren.
Natürlich könnte ich es mir leicht machen und mir einen Bandring in entsprechender Größe fertig kaufen und die Oberfläche einfach ein bisschen „behämmern“  aber DAS ist dann etwas ganz anderes. Allein den Gedanken finde ich gruselig.

SN:
Würdest du auch individuelle Anfragen von Kunden bearbeiten? Sagen wir mal, ich komme mit einer Zeichnung oder einem Bild aus einem Film zu dir und sage „Das will ich haben, mach mir das!“

AJ:
Nein, das mache ich in der Regel nicht. Ich möchte für mich die Freiheit haben das so zu machen wie ich das für gut empfinde.
Ich fertige meinen Schmuck ja nicht hauptberuflich an… im Hauptberuf bin ich ja Grafiker… da muss ich genug „Rücksicht“ auf die Geschmäcker meiner Kunden nehmen.

Exklusive Schmuckkollektion

SN:
Denkst du, dass sich bei dem anhaltenden „Geiz ist geil, Qualität egal“ Trend Handwerksqualität durchsetzen kann?

AJ:
Das glaube ich nicht. Im Moment jedenfalls.

Die meisten Menschen legen keinen Wert auf Qualität, geschweige denn auf etwas einzigartiges. Obwohl der Trend ja zum Pseudoindividuellem geht. Trage die XXX Jeans und du bist etwas besonderes weil diese Jeans „limited“ ist. Wie kann sie das, wo sie doch industriell gefertigt wurde und es sie somit zu 10.000 Stück gibt.
Also ich habe gerne etwas „einmaliges“, etwas was außer mir niemand, oder wenn nur sehr wenige Menschen haben. Ich fände es schlimm jemanden zu treffen der den gleichen Anhänger hat wie ich… uahhh. So etwa: „Na, hast du den auch bei xxx gekauft, ach was, meiner war aber 9 Euro billiger…“
Gruselig.
Und ganz ehrlich, ist es mir auch egal was die Masse denkt, oder kauft. Ich mache das weil es mir Spaß macht und weil es Menschen gibt die ebenso denken wie ich.

SN:
Das war’s dann von unserer Seite, möchtest du unseren Lesern noch etwas mitteilen?

AJ:
Einfach nur Danke für euer Interesse. Und wer mich besuchen kommen will ist stets willkommen.
Interviewführung: Stefan „Spjelke_Ulv“ Helwig

Weitere Informationen erhaltet Ihr unter www.rotten-kingdom.de

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