Kamera Obskur - Bildfänger
Kamera Obskur - Bildfänger

Kamera Obskur – Bildfänger (Review und Kritik)

Kamera Obskur - Bildfänger
Kamera Obskur - Bildfänger

Man nehme zwei Leute der ehemaligen Lunar Aurora, einen von den Grabnebelfürsten und den kreativen Kopf hinter Nocte Obducta und erhält was? Eine deutsche Avantgarde Black Metal Supergroup? Nein, denn das was sich hinter dem Namen „Kamera Obskur“ verbirgt ist alles mögliche, aber nicht das was man von einer solchen Konstellation aus namhaften Musikern erwarten sollte. Mit „Bildfänger“ haben die vier wahrscheinlich das verstörendste, merkwürdigste Album aufgenommen, dass ich seit langem hören durfte – und sind damit wesentlich mehr als die Summe ihrer „Teile“.

Fotos mit Frack und Zylinder, Optik an den Anfang des letzten Jahrhunderts angelehnt. Die Band erinnert auf den ersten Blick an eine ähnlich gekleidete Gruppe mit dem Namen Coppelius, die ja schon seit einigen Jahren die Musikszene unsicher macht. Und tatsächlich haben die Mannen, auf diesem Album überhaupt nichts mit der Musikrichtung die sie groß gemacht hat gemein. Bassist Konstantin König (Lunar Aurora) hatte sie eigens deshalb

Bernhard Klepper (Lunar Aurora) - Drums, Klarinette
Bernhard Klepper (Lunar Aurora) - Drums, Klarinette

gegründet Musik abseits des (Black) Metal zu erschaffen. Ein Hintergrundwissen über das man verfügen sollte wenn man sich diese Scheibe zulegt. Eventuell guckt man dann nicht ganz so dumm aus der Wäsche wie ich es getan habe, wenn man den eigenwilligen Mix aus Rock, Metal und elektronischen Klängen das erste mal auf die Ohren bekommt.

„Kamera Obskur“ servieren einem hier in sieben Stücken ein unglaublich abgedrehtes und beklemmendes Gesamtwerk. Schon ab „Morgen Grauen“ dürfte der Zug mit der Hoffnung auf ein avantgardistisches Metal-Album abgefahren sein. Harter Gitarrenklang ist durchaus in den Stücken vorhanden, eben so eine durchweg düstere Grundstimmung – das war´s dann aber auch schon. Der Rest ist (scheinbar) vollkommen dem Wahnsinn verfallen. „Bildfänger“ bietet einem mit progressivem „Gefrickel“ bis hin zu düsteren Synthieklängen im Song „Ein Rest im Glas“ den idealen Soundtrack ins geistige Nirvana. Grabnebelfürsten Mitglied und Sänger Dirk Rehfus leistet mit einem klaren aber nicht weniger fehl am Platz wirkenden Sprechgesang sein übriges zum verrückten Gesamtbild. Hier passt nichts zusammen, und man hat den Eindruck, dass das alles durchaus beabsichtigt ist.

Die Texte, die einem gewissen Zynismus nicht entbehren, sind makaber und mit Titeln wie „Leichen in Keller“ eng am beklemmenden Klangbild gehalten. Schwarzer Humor kommt bei den vier Herren genau so wenig zu kurz wie der intelligente Unterton, der bei den involvierten Musikern nicht wirklich verwundern dürfte. Oft ist man an späte Nocte Obducta zurück erinnert, wirkt dass Album doch an einigen Stellen beinahe ruhig und verträumt, und so hapert der ganze Spaß an der vielschichtigen Musik eigentlich nur am grauenvoll unemotionalen Singsang des Herrn Rehfus, der sich offenbar vorgenommen hat das komplette Album über nicht die Tonlage zu wechseln. Großer Punktabzug für ein solch „geringes“ Manko denkt ihr? Nicht wenn man diese merkwürdige Stimme über sieben durchweg experimentelle Stücke durchstehen muss, die ohne sie wesentlich eindrucksvoller wären. So bleibt mir wenig, als das Album eben jeden Leuten ans Herz zu legen die späte Nocte Obducta oder auch Dinner auf Uranos mögen – ich muss mich von all der Morbidität dieser Platte erst einmal erholen.

Fazit: Rein subjektiv ist dieses Album gar nichts für mich. Ich mag alle drei namhaften Bands in denen die Musiker von „Kamera Obskur“ involviert sind oder waren, aber dieses Werk hat rein gar nichts damit zu tun. Der Gesang trifft genau den Nerv bei mir, der oft dazu neigt eine Scheibe kein zweites mal einzulegen und instrumental verliert man sich einfach viel zu oft in Passagen die das Album langatmig werden lassen. Objektiv muss ich dem ganzen aber zugestehen, dass man merkt das hier fähige und erfahrene Musiker am Werk sind, die zurecht bei den größten im deutschen Schwarzmetall mitgemischt haben. Stellenweise empfände ich das ganze als bloßes Instrumental sicher richtig angenehm – bei dem großem Keyboard-Anteil und der absolut nervtötenden Stimme die mir vieles kaputt macht, kann ich mich aber zu keiner höheren Punktzahl durchringen. Nocte, Lunar Aurora und Grabnebelfürsten Anhänger sollten unbedingt vor einem Kauf rein-gehört haben. Wenn man musikalisch offen genug ist und über den Tellerrand blicken kann, dürfte das Album durchaus interessant sein.

Titelliste von „Bildfänger“

  1. Morgen Grauen
  2. Ein Rest im Glas
  3. Sternenzerstörer
  4. Leichen im Keller
  5. Die Sekunden zwischen Schlafen und Wachen
  6. Ballade von der verlorenen Kindheit
  7. Ende des Weges

(6,5 / 10)
(6,5 / 10)

Anspieltips:
> Morgen Grauen
> Leichen im Keller

Erscheinungstermin:
01.04.2011

www.myspace.com/kameraobskur

About Zigeunerjunge

Check Also

Stone Sour besser denn je: Hydrograd

Vor 25 Jahren hat Slipknot Frontmann Corey Taylor Stone Sour gegründet. Auch wenn es eine …

  • Also spätere Nocte Obducta oder Dinner auf Uranos höre ich da nicht wirklich raus.
    Ansonsten stimme ich recht mit dir überein. So kann mich das ganze nicht wirklich fesseln, wenn es auch an sich ganz gut klingt. Die Stimme finde ich jetzt nicht so schlimm, ist ebene eine Stimme die man entweder mag oder auch nicht.

    Sollten da mal neuere Werke kommen, so würde ich da gerne rein hören. Kann mir gut vorstellen das da noch gute Sachen von kommen.
    Ansonsten bleibe ich doch lieber bei Angizia

  • Zige

    😉 ich rede auch nicht davon dass es genau danach klingt, sondern dass es Leuten die späte Nocte mochten gefallen könnte.

  • Rage

    Die Stimme ist wirklich nicht auszuhalten, bei Grabnebelfürsten passt die Stimme von Dirk Rehfus deutlich besser, ganz einfach auch deshalb weil hier nicht ständig die gleiche, monotone Stimmlage vorherrscht. Musikalisch ist „Bildfänger“ durchaus gelungen, aber das krampfhafte und dissonante Irrsinnige das hier zu transportieren versucht wird macht einfach alles zunichte. Schade.