Konzertbericht: Siena Root – Arena, Wien, 09.03.2015

Montagabend in der Arena, Wien. Es ist voll! Und es ist unglaublich heiß! Noch ahne ich nicht, dass es noch viel heißer werden soll…

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Wir warten auf Siena Root oder ‚Die Fünf Bärte aus Schweden‘, wie ich sie heimlich getauft habe; eine Band, die es schafft, den Retro-Rock der späten 60er und 70er wieder chic zu machen… auch für die jüngeren Generationen. Das Publikum heute Abend ist zwischen zwanzig und sechzig.

Ein Tarantino-esques Trompetensolo ertönt, und mit diesem Intro betreten Siena Root die Bühne. Und schon mit dem ersten Track beweisen sie, dass sie dem Publikum noch weiter einheizen wollen. ‚Between The Lines‘ von ihrem neuesten Albums ‚Pioneers‘ (2014) bestimmt schon das Tempo der folgenden anderthalb Stunden. Durchatmen dürfen wir kaum. ‚In My Kitchen‘ (Pioneers) lässt einen das erste Mal nach circa 20 Minuten verschnaufen, aber danach geht es gnadenlos weiter. Der Sound taugt, die Leute tanzen, sie TANZEN… was für das reservierte österreichische Publikum eher ungewöhnlich ist, aber die Jungs schaffen das mit ihrem mitreißenden Rock.

Stilistisch orientieren sich die Schweden an den ‚Greats of Woodstock‘, aber ich höre auch Elemente, die durchaus an Jazz erinnern und auf der anderen Seite des Spektrums an… jaaa… ZZ Top. Nicht verwunderlich, denn Inspiration kommt aus vielen Genres, wie mir der Bassist Sam Riffer vor dem Konzert erzählte (s. Interview).

Die Band nimmt uns mit auf eine Zeitreise durch ihre Geschichte. Gespielt werden Tracks wie ‚Conveniently Blind‘, eine Single aus dem Jahr 2013, sowie Material von den Alben ‚Root Jam‘ (2011), ‚Kaleidoscope‘ (2006) und von ihrem Debut ‚A New Day Dawning‘ (2004).

Die Songs verschmelzen in einander und die Arena gleicht inzwischen einem verschwitzen Hexenkessel. Alle haben Spaß – auf und auch vor der Bühne.

Das Schöne bei Siena Root ist die Tatsache, dass alle gleichberechtigt sind. Hier bekommt die Orgel – ORGEL! Richtig gelesen! – genauso ihre ausgiebigen und hervorragenden Soli wie die dreckig-klingende Gitarre , der virtuose Bass oder das Schlagzeug. Das Zusammenspiel ist wie ein Ball, den sich die Jungs da auf der Bühne zuwerfen. Bass trifft unisono auf Gitarre, stimmt sich dann mit der Orgel ab, die sich daraufhin mit der Gitarre verabredet, die sich daraufhin mit den Drums duelliert. Das ganze wird begleitet von Jonas „Joe Nash“ Åhlens Gesang. Die Stimme dieses Mannes bewegt sich zwischen streichelweich und Rockröhre. Verzerrte Effekte verleihen dem Gesang teilweise weitere interessante Facetten.

Am Ende des Gigs ist das Publikum so begeistert, dass sie die Band nicht gehen lassen wollen. Erst nach zwei (oder waren es drei?) Zugaben und jenseits der offiziellen ‚Sperrstunde‘ dürfen sich die Jungs von der Bühne verabschieden.

Fazit: Also, wenn man mich nach einem Wort fragt, das die Musik von Siena Root beschreiben soll, würd ich sagen ‚analog-versaut‘, auf absolut schönste Art und Weise.

 

About Betti Stewart

Sängerin... sometimes Komponistin...Lyric-Geschichten-und-Gedichte-Schreiberin... die beste Gitarristin, die nie Gitarre gespielt hat... Musik und Wörter sind meine Leidenschaft!

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