Mono Inc. – Interview

Mono Inc.
Katha, Martin und Manuel

Mono Inc. waren am 19. April 09 als Vorband von Subway to Sally auf der Kreuzfeuer-Tour in Köln. Sie kamen überraschend dynamisch herüber und schafften es, ihr Publikum eine Dreiviertelstunde in Bann zu halten und mitzureißen. Das hat uns neugierig gemacht und wir nutzten die Chance zu einem Interview mit Sänger Martin Engler und Bassist Manuel Antoni am Ende des Abends.

SN: Wir haben uns natürlich im Vorfeld einige Gedanken dazu gemacht, was wir euch für intelligente Fragen stellen können …

Martin: Stehen die Antworten auch auf deinem Zettel? Vielleicht das Rote?

SN: (Lacht.) Nee. Das Rote ist nur für mich wichtig. (Anmerkung: Rot bedeutete: Fragen, die man auch weglassen kann, falls die Leute von selbst genug erzählen. Ich habe an diesem Abend EINIGE Fragen weggelassen. 😉 )
Ihr habt heute Abend in Köln als Vorband zu Subway to Sally auf der Bühne gestanden. Das bedeutet, dass euch einige Leute im Saal sicher noch gar nicht kannten. Wenn man im Vorfeld etwas mehr über eure Musik herausfinden möchte, stößt man auf „Schubladen“ wie Alternative, Synth oder Goth Rock und natürlich Metal. Wie würdet ihr selbst versuchen, jemandem, der euch noch gar nicht kennt, eure Musik zu beschreiben?

Martin: Hmmm … das ist gerade in unserem Fall sehr schwierig, weil die vier Bandmitglieder alle ihren persönlichen Geschmack und ihre Vorlieben mit einbringen. Das geht bei uns von dem Punk-angehauchten Bassisten, dem Metal-Gitarristen, über die richtig Heavy-Metal-Schlagzeugerin, und bei mir sind es die Wave-Roots. Das heißt man müsste diese vier Namen dann eigentlich in eine Linie bringen, um dann zu sagen, das ist Wave-Metal-Gothic-Industrial-Rock … Nö.
(Lacht.) Nö, nö, nö! Wir haben irgendwann gesagt: „Wir machen’s kurz!“, und irgendein Redakteur hat mal geschrieben: „Das ist Mono-Rock.“
Das ist relativ schwierig zu beschreiben. Ich hab auch mal irgendwo gelesen, das ist ein „technoider Zwitter aus Depeche Mode und Sisters of Mercy“. Jeder soll sich da seine eigene Meinung bilden. Also, ich glaube, dass sich bei uns die wichtigen Stilrichtungen die Waage halten. Ne wirkliche, richtige Metal-Band sind wir nicht. Aber die Einflüsse lassen wir halt zu. Wir lassen halt alles zu. Und speziell für Live-Konzerte ist uns wichtig: Es muss krachen! Viele Leute meinen, „Es muss krachen!“ sei das Gleiche wie Metal. Nnnnnee … Ich finde, es gibt mittlerweile viele Bands, die wirklich krachen, die wirklich Eier haben, ohne dabei Metal zu sein. Jetzt aktuell, unser Lichtmann im Bus liebt Volbeat. Das ist diese Johnny-Cash/Heavy-Metal-Schiene. Würde ich das als Metal bezeichnen? Nee … Also, Metal ist für mich ein so antiquierter Begriff … Für mich ist Subway auch keine Metal Band. Subway ist Subway.

SN: Na, da haben wir ja was gemeinsam. Für mich nämlich auch nicht. (Lacht.)

Martin: Aber es wird von Metal Hammer präsentiert und es steht so überall. Gehste bei Saturn rein – es steht bei Metal!

SN: Ja, früher stand’s bei Mittelalter. Das hat auch nicht gepasst …
Zur nächsten Frage:
Eure Band gründete sich laut eurer Homepage 1998. Das erste Album, Head under Water, erschien jedoch erst 2004. Wie kam es zu diesen sechs Jahren Differenz und was habt ihr in der Zeit gemacht?

Mono Inc.
Martin in Aktion

Martin: Dazu muss ich sagen, dass ich natürlich nicht mehr 18 bin und wir vor der Gründung von Mono Inc. schon alle in diversen anderen Projekten spielten.
Die eigentliche Idee von Mono Inc. war: „O.k., wir sind Berufsmusiker. Wir haben mit unserer Musik Geld verdient. Jetzt haben wir Geld, aber wir sind nicht glücklich.“ Das war wirklich der Zeitpunkt 98. Normalerweise lebt ein Musiker von der Hand in den Mund. Ich hab mit unserem Gitarristen schon etwas länger in einer Band gespielt, gegen Bezahlung. Und dann war es so weit, dass wir irgendwie drei, vier Jahre richtig gut verdient haben. 1998 war dann der Zeitpunkt, wo wir gesagt haben: „Jetzt haben wir endlich ein abbezahltes Auto. Wir wissen, wovon wir im nächsten Monat unsere Miete bezahlen können. Aber so richtig glücklich sind wir auch nicht.“ Wir mussten genau diesen Punkt erfahren: Geld allein macht nicht glücklich. Zumindest den Mucker nicht. Da haben wir uns gesagt: „Wir brauchen einen Ausgleich zu dem, was wir jetzt gerade machen.“ Also als Dienstleister in Sachen Musik. Und wir haben 98 gesagt: „ O.k., wir machen  Mono Inc..“ Wir haben dann angefangen … deutschen … Düsterrock, so würde ich das heutzutage bezeichnen, zu machen. Wir haben das ein paar Plattenfirmen angeboten. Und die haben dann gesagt: „ Joaaaa … is ja ganz nett … aber: Nö.“. Und wir haben weiterhin unsere Jobs gemacht, haben weiterhin gut verdient, weiterhin in anderen Bands gespielt, und die Jahre gingen ins Land. Zwei Jahre später haben wir wieder neue Demos gemacht, auch in Englisch, was sowieso eigentlich meine Sprache der Musik ist. Englisch ist für mich die Sprache des Rock n Roll – sorry. Das haben wir dann bis 2000 noch weiteren Plattenfirmen vorgestellt. Und dann ging es los mit: „ Finden wir total geil! Machen wir sofort! Aber wie wär’s denn mit Deutsch?“ Da haben wir gesagt: „Ende mit Verarschung! Ab jetzt machen wir genau das, was wir wollen.“ Dann hat es noch mal zwei Jahre gedauert, bis wir die ersten Sachen wirklich fertig hatten, einen Produzenten gefunden haben. Anschließend hat es noch bis 2003 bis zum ersten Albumvertrag gedauert. Aber wir waren noch in alten Verträgen drin, so dass sich das Ganze bis 2004 hinausgezögert hat. Aber 2003 war eigentlich das erste Album fertig. 2003 ist dann auch Manuel zur Band dazu gekommen. Also, vorher waren halt der Gitarrist Carl mit dem alten Sänger Miky und ich ein Trio.
Manuel und ich, wir haben uns über das Songschreiben kennen gelernt, sind beide  Komponisten für EMI gewesen, haben im gleichen Hamburger Stadtteil gewohnt und sind dann irgendwann auf die Idee gekommen, dass wir mal einen Kaffee zusammen trinken. So kam die Beziehung zu Mono Inc.. Und als wir uns von Miky getrennt haben, war dann die Überlegung, machen wir jetzt halt unseren Bassisten, der bisher auch schon Sänger gemacht hat, zum reinen Sänger, und den Manuel als Bassisten, als kreativen Soundmann dazu.

Mono Inc.
Bassist Manuel

SN: Und was hast du zu der Zeit gemacht?

Martin: Zu der Zeit war ich Trommler, Komponist und Produzent. Das ist früher mein eigentlicher Hauptberuf gewesen. Damit haben wir halt unsere Knete verdient, wie man so sagt. Andere Künstler produzieren, für andere Künstler schreiben … Und das war halt auch genau der Grund, weshalb das mit Mono Inc. alles ein bisschen zäh war. Wir haben halt gesagt, das ist unser privater Luxus. Aber die anderen Sachen waren auch immer so verlockend, denn man kriegte ja noch Geld dafür. Das ist genau der Grund, weshalb viele Musiker den Absprung nicht schaffen. Und deshalb haben wir, zum Zeitpunkt von Temple of the Torn, 2006, gesagt:  „O.k., jetzt konzentrieren wir uns mal wieder auf Mono Inc., jetzt wollen wir wissen, wo der Berthold den Most holt, wo der Frosch die Locken hat – jetzt wollen wir’s wissen!“ Und da hat unser Sänger gemeint: „Ja, nee … ich hab doch hier noch meine Sachen … und ich muss doch weiter Geld verdienen!“ Deshalb haben wir uns von ihm getrennt, haben alles auf eine Karte gesetzt und gesagt: „Ab jetzt konzentrieren wir uns nur noch auf diese Band! Geld verdienen ist die eine Sache, aber sich selbst verwirklichen und glücklich sein die andere. Go for it!“ Der alte Sänger wurde ausgetauscht, die Band hat mich zum Sänger gemacht und mit der neuen Schlagzeugerin hatten wir dann vier Charaktere in der Band, die alle gesagt haben: „Erstmal kommt Mono Inc., dann kommt ne ganze Zeitlang gar nichts … und dann kommt Mono Inc.!“

SN: Wie du gerade gesagt hast, habt ihr euch ja 2006 von Gründungsmitglied Miky Mono getrennt. Den Namen Mono Inc. habt ihr jedoch beibehalten. Ist Miky da nicht ein bisschen sauer drüber? Oder hat euer Bandname vielleicht gar nichts mit ihm zu tun?

Martin: Also, der oft gedachte Zusammenhang zwischen Mono und Stereo trifft hier sowieso nicht zu. Mono Inc. kommt von „Monomanie“. Das ist ein Begriff aus der Krankheitslehre des 19. Jahrhunderts und heißt soviel wie „Teilwahnsinn“. Da ich uns nicht als komplett wahnsinnig bezeichnen würde, weil, ihr seht es jetzt selbst, in diesem Moment kann man eigentlich ganz zivilisiert miteinander sprechen, haben wir halt damals diesen Namen, „die Firma der Teilwahnsinnigen“, gewählt.
Miky hatte einfach einen ziemlich beschissenen Nachnamen. Da haben wir gesagt: „Klingt jetzt irgendwie nicht ganz so gut. Nenn dich doch einfach Mono mit Nachnamen.“

Mono Inc.
Die schönste Drummerin der Szene!

SN: Wo tretet ihr eigentlich lieber auf: auf Festivals, auf großen Konzerten wie heute oder auf kleineren Veranstaltungen, wo die Bühne euch ganz alleine gehört?

Martin: Also, generell kann man das eigentlich nicht sagen. Es gibt Festivals, die total Spaß machen, wie M’era Luna zum Beispiel. Das ist perfekt organisiert. Da brauchst du nichts anderes machen, als dein Set runterspielen. Alles andere wird dir abgenommen. Dann ist es so, dass diese Tour mit Subway natürlich super Spaß macht, weil wir uns kennen. Simon und ich sind befreundet, das ist ein absolutes Miteinander. Die Subways beobachten unsere Show, stehen am Bühnenrand … einfach toll.

SN: Ihr habt mit Burn me vor einiger Zeit den Titelsong zur DSF-Serie Traumberuf Rennfahrer geliefert. Interessiert ihr euch eigentlich selbst für Rennsport?

Martin: Ehrlich gesagt … genauso wie für Häkeln und Tai Chi.

SN: (Lacht.) Oooooh! Also – „brennend“?!

Martin: Burn me – joah, ist richtig. (Lacht.)
Das sind so Kanäle, die nichts mit der Band zu tun haben, sondern die Anfrage kam über das DSF an die Plattenfirma, weil die sich gedacht haben: „Burn me – brennendes Gummi – Rennfahrer!“ Wir bekamen diese Anfrage und dachten: „Burn me – Niki Lauda – äh, merkt ihr was???“
(Allgemeines Gelächter.)
Aber dann haben wir gesagt: „Egal!“ Woher das Geld kommt, soll uns wurscht sein. Jetzt ist es halt DSF. Wäre es eine peinliche Doku-Soap gewesen, hätten wir gesagt: „Och, nee, lass mal.“ Aber das war dann doch relativ o.k., wir haben die Leute von DSF kennen gelernt, waren mit denen auf dem Nürburgring, haben ein bisschen gedreht, sind mit echten Rennfahrern über die Nordschleife … Also ein richtig einmaliges Erlebnis.

Manuel: Ja wirklich einmalig …

Martin: Ja, gibt es kein zweites Mal! (Lacht.)

Manuel: Das war wirklich die „grüne Hölle“, wie sie ja auch heißt, die ich da erlebt habe.

SN: Ja, und da wir gerade beim Thema Sport sind: Beim Durchstöbern eurer Homepage bin ich darauf gestoßen, dass Manuel unter seinen fünf Lieblingslinks an erster Stelle ausgerechnet eine Abnehm-Seite aufgeführt hat. So etwas erwartet man eher bei Frauen, von denen man eh weiß, dass die sich IMMER zu dick fühlen…

Mono Inc.
Gitarrist Carl

Martin: (zu Manuel) Also wie du da raus kommst …

Manuel: Ja, das weiß ich auch noch nicht. (Grinst.)

SN: Moment, die Frage geht ja noch weiter! Ich hab mir dann nämlich so überlegt, ihr steht ja oft im Rampenlicht und da mag es passieren, dass der eine oder andere Fan schon mal gnadenlos konstatiert: „Na, der (oder die) hat seit dem letzten Konzert aber auch ordentlich zugelegt!“ Wie steht ihr dazu: Ist es euch egal, weil es schließlich nicht auf das Aussehen, sondern die Musik ankommt? Oder ist es für euch schon wichtig, wie ihr auch äußerlich wahrgenommen werdet?

Manuel: Also, im Grunde genommen ist es mir egal. Da kann jeder denken, was er will. Wenn ich für mich alleine bin, dann überlege ich natürlich schon: „Was kann man machen, was sieht gut aus …“ und so. Ich dachte mir, gesund essen ist gar nicht mal so einfach. Und ich fand die Seite eigentlich ganz toll, weil da sehr schöne Sachen standen Und da hab ich mir halt gedacht: „Ja, tuste das mal da rein.“ (Lacht.)

SN: Stimmt. Ich hab die Seite auch schon weiterempfohlen.

Manuel: Aber im Grunde ist es mir egal. Und ich habe da auch keine Probleme mit, zu sagen, dass es mir egal ist.

Martin: Also, ich habe festgestellt, als Kollege und enger Freund von Manu, dass zum Beispiel diese ganze Abnehmgeschichte, dieses Zunehmen-Abnehmen-Zunehmen, dieses Jojo-Ding, was ja nun wirklich alle kennen, dass das vor allem mit Glücklich- und Unglücklich-Sein zusammenhängt. Ich kenne eine Frau, die hat im letzten halben Jahr dreißig Kilo abgenommen. Aber nicht wegen einer Super-Diät, sondern weil sie einfach unglücklich ist. Das kann ich mir nicht zum Vorbild nehmen. Und ich sehe bei Manu, wenn er glücklich ist, futtert er mehr. (Grinst.) Und weißt du was? Großartig! Da hab ich doch lieber nen Manu, der bisschen mehr futtert, aber glücklich ist.

SN: Würde ich auch so sehen.

Mono Inc.
Martin

Martin: Und genau das gleiche übertrage ich auch auf mich. Ich bin ein Fan von Rotwein und gutem Essen. Natürlich muss man auch mal aufpassen. Ich kann nicht über die Bühne rennen wie ein Brauereipferd. Aber … Waschbärbauch/Waschbrettbauch … diese Diskussion finde ich mittlerweile absolut albern. Wir sind inzwischen in nem Alter, wo wir sagen, entweder wir genießen, oder … Ich meine, wir sind keine Boy-Band. Ich spiel nicht in einer Boy-Band. Da sag ich: „Lass uns mal nen Rotwein aufmachen, lass uns das Leben genießen.“ Das ist nämlich kurz genug. Das muss ich manchmal auch bei meiner Frau sagen … Die steht nämlich vor dem Spiegel: „Oooooh, ich hab wieder fünf Kilo zugenommen!“ Ja, Schatzi, ist doch toll, du bist glücklich! (Lacht.)

SN: Im vorigen Jahr habt ihr eine etwas kuriose Aktion durchgeführt: Zwischen Oktober und Weihnachten gab es eure neue Single Get Some Sleep nicht im Laden zu kaufen, sondern man konnte sie nur mit Hilfe eines Einarmigen Banditen auf eurer Homepage gewinnen. Wie seid ihr denn auf diese Idee gekommen? Wolltet ihr etwa eure Fans zum Glücksspiel verleiten?

Martin: Nein. Die Idee kam beim Grillen. (Allgemeines Gelächter.)

SN: Beim Grillen???

Mono Inc.
Die Mütze ... äh, Manuel 😉

Manuel: Essen! Wir sind wieder beim Thema! Beim Essen, da dachten wir: „Was können wir unseren Fans denn bieten? Was macht Spaß? Wovon haben sie etwas?“

Martin: Weißt du, Single-Veröffentlichungen … Was sollen denn Singles? Interessiert keine Sau, kostet nur Geld, ist für mich irgendwie so ne Art … Anti-Bio-Abfall, weil, die Leute, die wirklich auf einen Act stehen, kaufen sich das Album. Und die Leute, die wirklich auf eine Single stehen, laden sie runter. So ne Single ist echt Quatsch. Und daher kam dann diese Idee: Ne Single, im physikalischen Handel, von ner Band wie wir – das ist Bullshit. Das wird niemand kaufen … Ich meine, fragt euch selbst: Kauft ihr Singles?

SN: Nö.

Martin: Entweder, du findest die Band gut und kaufst das Album. Oder du findest sie Scheiße und kaufst gar nix. Also deswegen: Scheiß auf die Single! Deshalb haben wir diesen Vorschlag gebracht, für die Plattenfirma etwas Besonderes zu machen, wo sich die Leute den Track verdienen mussten. Manu hat dann angefangen, diese Seite zu programmieren, denn glücklicherweise ist er mit Nullen und Einsen sehr gut unterwegs. Und wir fanden das im Endeffekt eine sehr gute Idee, dass der Fan das nicht einfach stumpf downloaden kann, so Klick … Download, sondern sich damit beschäftigen muss. Wir wissen ja, wie oft der klicken muss, um den Song zu bekommen. Aber das weiß der Fan nicht. Und die Leute, die den Song letztendlich runtergeladen haben, das waren ca. dreißigtausend, das wissen wir, haben zumindest diese sieben Klicks durchgehalten. Das sind fünf mehr als bei E-Mule!

Mono Inc.
Nein, so ein Teufelchen ist er gar nicht!

SN: Ihr habt ja, wie bereits gesagt, heute Abend als Vorband von Subway to Sally auf der Bühne gestanden. Du hattest es vorhin schon mal kurz angesprochen, ich wüsste es aber gerne noch etwas genauer: Verbindet euch mit dieser Band etwas Besonderes und, wenn ja, was? Oder war das eine Entscheidung, auf die ihr keinen Einfluss hattet?

Martin: Nein. Das war im November oder Dezember und ich saß bei der Plattenfirma im Büro. Das war wirklich Zufall, denn ich bin nur einmal die Woche, wenn überhaupt, im Büro, um dann Sachen zu besprechen, CDs zu signieren oder so. Ich saß jedenfalls gerade da, und es klingelte das Telefon. Ich hörte die Frau von der Plattenfirma irgendwann sagen: „Sekunde mal … (Flüstert: ) Das ist der Simon von Subway to Sally!“ – (Mit normaler Stimme: )„Was is’n?“ – (Flüstert: ) „Wollt ihr mit auf Tour?“ – (Mit normaler Stimme: ) „Oh, wann denn?“ Dann haben die weiter telefoniert, und ich hab meine Sachen weiter gemacht. Und dann kam die Mitarbeiterin und sagte: „Subway to Sally macht ne Tour im April. Ihr seid dabei.“ Tja. Punkt. Großartig! Das Schöne dabei war für uns, dass das eben nicht mit Vitamin-B irgendwie hintenrum ging, sondern Subway to Sally haben gesagt, sie suchen ne Vorband, haben sich informiert, was es im Moment so gibt, und fanden, dass Mono Inc. den Job des „Anheizers“ sehr gut machen könnte. Dass sie anders genug sind als Subway, dass es eben nicht eine Band mit Dudelsäcken, Geigen und so ist, sondern dass es eine Befruchtung wäre und sie das, was sie selbst nicht abdecken, eben damit abdecken können.
Wir gehen abends auf die Bühne und die Jungs stehen unten und sagen: „Super-Job! Genau das wollten wir!“ Und was gibt es Schöneres, als nach unten zu kommen, und Leute wie Eric Fish sagen: „Großartig! Wie schön, dass ihr da seid! Was macht ihr morgen? Da haben wir einen Off-Day. Gehen wir einen trinken?“ Perfekt. Also, da fühlt man sich ziemlich gut aufgehoben. Die ganze Crew arbeitet für beide Bands. Es gibt keinen Sonderstatus für den einen oder den anderen. Es gibt keine Sänfte für Eric und auch keine Sänfte für mich, sondern jede Band trinkt ne Flasche Vodka und das passt schon. Schön!

Mono Inc.
Nochmal der coole Carl.

SN: Subway to Sally haben ja vor allem durch den Sieg im Bundesvision Song Contest im vorigen Jahr den Sprung aus der Gothic/Metal/Mittelalter-Nische heraus zur Wahrnehmung durch ein breiteres Publikum geschafft. Ihr hattet durch das DSF auch schon Kontakt mit dem Fernsehen, wenn auch auf einer anderen Ebene. Wenn Stefan Raab euch heute Abend fragen würde, ob ihr am nächsten Bundesvision Song Contest teilnehmen würdet, wie würde eure Antwort lauten?

Martin: Ich würde sagen: „Ja.“ und würde denken: „Scheiße!“.

SN: Warum?

Martin: Ich würde sagen: „Ja.“, weil die Plattenfirma das von uns erwarten würde, weil, heutzutage gibt es diesen Spruch, äh, den gibt es eigentlich schon seit dreißig Jahren: Any promotion is good promotion. Ich glaube das nicht so ganz. Und ich würde denken: „Scheiße!“, weil ich normal nun mal keine Privatsender gucke. Ich finde das grauenhaft. Ich finde, das ist Belästigung. Das ist nicht meine Baustelle. Aber wenn das der Band und der Plattenfirma helfen würde … Ich meine, die Bands schimpfen immer auf die Plattenfirmen und auf den Verlag und so. Aber, ich meine, wenn es die nicht geben würde, wäre unser Kühlschrank leer. Ein bisschen muss man auch sagen, würden wir denen das zugestehen. Obwohl ich glaube, das hinkt jetzt ein bisschen … aber Subway to Sally hat Raab nicht gebraucht. Meine Meinung. Wir sehen das ja auch an anderen Bands, die bei Raab waren, die ebenfalls aus dem Gothic-Bereich kommen, dass nicht alles Gold ist, was im Fernsehen ist. … Oder Gold bringt.

SN: Ab Oktober tourt ihr, wie man erfahren konnte, mit ASP durch die deutschen Lande. Auch da meine Frage: Verbindet euch mit dieser Band etwas Besonderes und, wenn ja, was? Oder war das eine Entscheidung, auf die ihr keinen Einfluss hattet?

Mono Inc.
Nein, ihr ...

Martin: Der Booker der ASP-Tour bucht auch Mono Inc.. Und der hat das neue Album gehört und gesagt: „Wisst ihr, was? Ihr mit ASP – das wär die perfekte Verbindung!“ Diese Tour war schon vor Subway klar, am 1. Oktober letzten Jahres. Ich hatte mich bis dahin mit ASP nicht wirklich auseinandergesetzt, weil ich mit meiner Band genug zu tun hab. Das hat nichts mit Arroganz zu tun, sondern das ist einfach so. Der hat also gemeint, das wäre die perfekte Kombi, hat dem Herrn Spreng (Anm.: bürgerlicher Name von ASP) die CD geschickt und der Herr Spreng hat mich angerufen. Ich hab dann von dem ne CD bekommen … dann siehste das … Da sagste nicht nein, ne? Und die Tour ist, glaube ich, jetzt schon zu neunzig Prozent ausverkauft. Das wird der Burner werden! Es ist so, dass wir sogar auf den meisten Shows dann noch einen Support davor haben und dass es gar nicht so ist wie heute Abend, dass wir eben die komplette Anheizer-Rolle machen, sondern es wird einen Support geben, dann spielen wir und dann ASP.

SN: Sowohl ASP als auch Subway to Sally sind für die hohe literarische Qualität ihrer Texte bekannt. Ist das für euch ein Vorbild? Oder seid ihr der Meinung, dass es bei Musik doch zu allererst um den Sound geht?

Mono Inc.
... braucht nicht ...

Martin: Nein. Für mich ist der Inhalt der Texte, die Aussage, sehr, sehr wichtig. Zumindest zu fünfzig Prozent. Was uns von den beiden Bands unterscheidet, ist, dass wir für die Fans diese kleine Schwierigkeit eingebaut haben, dass es Englisch ist. Der Grund dafür, dass es Englisch ist, liegt einfach darin, dass Carl und ich vorher in einer internationalen Band gespielt haben, wo es möglich war, in China aufzutreten, in Shanghai aufzutreten, in Korea aufzutreten, und du merkst, dass es etwas Geiles ist, in Kapstadt auf die Bühne zu gehen, und die Leute verstehen deine Texte! Deshalb war es für uns eigentlich klar, dass … ich komme zurück auf den Punkt „alles auf eine Karte setzen“ … wenn alles auf eine Karte, dann international, weil, der eigentliche Grund für uns, warum wir Mucke machen, ist: Wir wollen live spielen. Geld verdienen … Platten verkaufen … alles schön und gut. Aber wir sind immer am glücklichsten, wenn wir auf Tour sind. Wenn du eine deutsche Band bist, kannst du einmal rauf und einmal runter, einmal links und einmal rechts, aber das war’s. Du bleibst einfach bei fünfundvierzig Terminen im Jahr hängen. Das ist nicht das, was wir wollen. Für mich sind Bands wie Nickelback Vorbild: Alles klar – einhundertdreißig Shows im Jahr! Das ist das, was wir wollen. Wir hatten das früher schon mal, in ner anderen Band – einmal in einem Jahr hundertfünfunddreißig Konzerte. Weltweit. Und das rockt! Ich meine, das hat auch seine Nachteile, weil, du kommst nach Hause und erkennst deine Frau nicht mehr … (Lacht.) Aber das ist ein Erlebnis, im Flugzeug zu sitzen und zu wissen: Du exportierst etwas in dieses Land, etwas, was du hier dir ausgedacht hast. Das kannst du nur, wenn du Englisch sprichst. Das ist nun mal leider so. Ich weiß, dass wir es jetzt, aktuell, wesentlich einfacher hätten, wenn wir auf Deutsch singen würden. Gerade auf den beiden Touren. Aber wir machen unser Ding. Wir machen Englisch.

Mono Inc.
... abnehmen!

SN: Gibt es noch eine persönliche Message von euch, die ihr unseren Lesern mit auf den Weg geben wollt?

Martin: O.k., also ich würde sagen: Macht euch keinen Stress mit Abnehmen … (Allgemeines Gelächter.) … Seid glücklich, wie ihr seid. Liebt euch selbst, sonst liebt euch keiner. Und ich hoffe, euch alle irgendwie auf der Tour zu sehen … Vielleicht im Herbst. Spätestens 2010 auf der eigenen Club-Tour. Da werden wir auch in Köln sein. Und: Stay Tuned! Mehr auf mono-inc.com.

SN: Genau! Und wir bedanken uns für das Interview!

(Und ich werde bei meinem nächsten Interview mit diesen ausgesprochen sympathischen Menschen definitiv wesentlich weniger Fragen vorbereiten und lieber eine Flasche Rotwein mitbringen! )

Das Interview führten für Schwarze News midnight-ivy (Text) und unser Fotograf Base4ever.

Links:
Mono Inc.
Subway to Sally
ASP
Die Abnehm-Seite


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