Portion Control - Violently Alive

Portion Control – Violently Alive (Review und Kritik)

Portion Control - Violently Alive

Im Alter werden alle Künstler weicher? Bullshit! Portion Control (gegründet 1980) aus England sind der beste Beweis, dass es genauso gut „Je oller desto doller“ heißen kann. Nachdem das letzte Album, Crop, eher etwas poppig gehalten war und mit Remakes alter Songs aufwartete, gibt es nun etwas lautes und hartes auf die Ohren. EBM und Elektropunk vermengen sich auf Violently Alive zu einer aggressiven, aber  durchaus tanzbaren Mischung.

Dass selbst EBM-Götter wie Front 242 und co. Portion Control zu ihren prägenden Einflüssen zählen ist nicht weiter verwunderlich, wenn man die ersten Tracks von Violently Alive gehört hat. Doch haben sich die „Jungs“ aus GB im Laufe ihrer 30-jährigen Karriere durchaus weiterentwickelt. Sie sind definitiv elektronischer geworden, ohne jedoch ihre Wurzeln zu vergessen. So hören sich  „Icon“, „Relapse“, „Skull Kid“ und „Amnesia“ auch wie Vergangenheit an, die unter Strom gesetzt wurde. Eine Mischung die begeistert.

Das darauf folgende „Blood Loss“, was eigentlich nur aus Breakbeats und Industrialelementen besteht braucht man zwar nicht wirklich, aber schon geht es in alter Manier mit „Addiction Rising“ und stampfenden Bässen weiter. Wenn man nicht wüsste, dass es andersrum ist, könnte man sagen, dass es sich verdächtig nach Nitzer Ebb anhört. Testosterondurchtränkte, Adrenalin freisetzende Autofahr- und gute Laune Musik eben. „Rise“ hört sich mit seinen fließenden Beats dann schon eher wie Front 242 an, weist aber für diese Band absolut untypische Synthiepopelemente auf, die einen netten Kontrast zu den harten Vocals bilden. Mit „Waste“ haben Portion Control wohl einen Tanzflächenfüller auf dem Album, der sich gewaschen hat. Der Rhythmus geht sofort in die Beine und schreit danach getanzt (oder vielmehr „gestompt“) zu werden.

Gibt es eigentlich EBM-Balladen? Wenn nicht, dann ist „Guided By My Fear“ zumindest so etwas in der Art. Was es jedoch keinesfalls schmalzig macht. Allenfalls etwas „nicht ganz so wütend“.  Damit man gar nicht erst in Versuchung kommt auch nur den Ansatz von Melancholie zu spüren, kommt „Extraction“ dann ziemlich elektronisch und schnell daher.

„Stealth“ ist dann wieder so eine Art Zwischenstück ohne Gesang und durchgehende Melodie, was eigentlich auf solch einem Album – zumindest für meinen Geschmack – fehl am Platz ist. Leider ist auch der Übergang zu „Swollen“ nicht so ganz gegeben, welches irgendwie ein wenig ideenlos daherkommt. Schade eigentlich, aber nach 30 Jahren im Business ist es sicherlich schwer immer wieder etwas neues zu produzieren. Das letzte Stück „You Hold Me Down“ ist leider auch kein Knaller, verstört eher mit Dissonanz und Krach. Es passt einfach so gar nicht zum Rest des Albums.

Fazit: Es ist meist schön, wenn Bands, die schon lange Musik machen, endlich wieder etwas neues am Start haben. Bis auf die 2-3 Ausrutscher auf Violently Alive ist das bei Portion Control ebenso. Gerade im Bereich EBM ist es wirklich schwer etwas zu schaffen, was sich nicht wie der Einheitsbrei anhört. Dean Piavani und John Whybrew sind nicht nur Vorbilder anderer namhafter EBM-Bands, sondern auch Vorreiter, wenn es um Innovationen geht. Somit ist Violently Alive zugleich ein Blick zurück und ein Schritt in die Zukunft.

Tracklist:

  1. Icon
  2. Relapse
  3. Skull Kid
  4. Amnesia
  5. Blod Loss
  6. Addiction Rising
  7. Rise
  8. Waste
  9. Guided By My Fear
  10. Extraction
  11. Stealth
  12. Swollen
  13. You Hold Me Down
( 8,5 / 10 )

Veröffentlicht: 19.03.2010

Anspieltipps: Icon, Amnesia, Waste

Website: www.portion-control.net/crop , www.myspace.com/porcon

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