Project Pitchfork live in Duisburg am 26.03.09

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Peter Spilles in Aktion.

Es ist immer interessant, aber auch ein wenig traurig zu beobachten, wie wenig Resonanz alte Legenden wie Project Pitchfork von einer neuen Generation Clubgänger mitbekommt. Anders kann ich mir nicht erklären, warum das Konzert im Duisburger Pulp fast zu einer Ü30-Veranstaltung verkam, wenn nicht hie und da einige jüngere Menschen zwischen 16 und 25 standen, die das Bild ein wenig lockerten. Dass Project Pitchfork live exzellente Unterhaltung und pure Energie sind, ist jedoch nicht abstreitbar, wie ich überrascht feststellte – Electrobands stehen ja seit jeher im Ruf, mehr Konserve denn Livemusik zu bieten, und einige ganz dreiste Exemplare gehen auch nur mit Laptop auf die Bühne und tanzen da ein bisschen zu. Ein live auf 5 Mann aufgestocktes Pitchfork-Ensemble hat das zum Glück nicht nötig. Verstärkt durch einen Livedrummer und einen Gitarristen verballern Project Pitchfork mehr Energie als so manche pseudoharte Metalband, die ich mir bereits antun durfte. Von wegen, Electro wird nicht live gespielt.

Nach einem sehr schönen Interview mit Peter Spilles (Gesang) und Dirk „Scheubi“ Scheuber (Synthesizer), das ebenfalls hier zu lesen sein wird, hieß es aber dann noch ein wenig warten, bis wenigstens die Vorband, Deviant UK, auf die Bühne kam. Hier ein Riesenlob an den Kerl, der die Musik abspielte – The Cure sind immer gut. Deviant UK gehen jedoch in eine komplett andere Richtung als The Cure.

DeviantUK
Deviant UK

Denn Deviant UK spielen das, was man heutzutage „Techno Body Music“ nennt, angereichert mit ein paar Synthpop-Melodien, die aber sehr wenig durchkommen. Ihre Musik schien beim Publikum jedenfalls kaum anzukommen, die Halle war überraschend leer und man sah nur sporadisch Füße mitwippen. Einen so großen Respektabstand vor der Vorband habe ich noch nie erlebt, gute 10 Meter zwischen Bühne und Publikum waren beinahe frei von Zuschauern. Auch wenn Deviant UK mit einem echten Tier am Schlagzeug und einem Frontmann, der voll in der Musik aufzugehen scheint, gesegnet sind, waren ihre Songs einfach zu langatmig aufgebaut, um tatsächlich für Bewegung zu sorgen. Da helfen auch alle Animationsversuche des  Frontmannes nicht. Viele Gäste bewegten sich lieber zum Bierstand als rhytmisch zur Musik. Der spannendste Moment, wo wirklich alle auf die Bühne starrten, war, als dieses Tier von Schlagzeuger seine E-Drums fein säuberlich in Stücke trümmerte und trotzdem, gehalten von Roadies, die verzweifelt versuchten, es zu reparieren, weiterspielte. Ansonsten eine unspektakuläre Vorband, die mit verhaltenem Höflichkeitsapplaus verabschiedet wurde.

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Dirk & Peter.

Nun hiess es leider wieder warten, denn auf Project Pitchfork war ich mehr als gespannt – Ich deutete ja schon an, dass Electrobands live einen nicht unbedingt tollen Ruf haben, auch wenn es einige Bands gibt, die einem live wirklich die Scheiße aus den Eingeweiden prügeln, zum Beispiel Das Ich. Project Pitchfork bewiesen im Laufe des Abends, dass sie den Todeskünstlern, die einen exzellenten Ruf als Liveband haben, ebenbürtig sind.

Apokalyptisch geschminkt betraten Frontmann Peter Spilles, Synth-Mann Dirk Scheuber, Keyboarder Jürgen Jansen, Drummer Axel Ermes und Gitarrist Carsten Klatte (der einzige Ungeschminkte der Band) gegen Viertel nach Acht die Bühne und ohne große Ansage ging die Show mit dem Opener des neuen Albums „Dream, Tiresias!“, „If I Could“, los. Der neue und für einige sicher unbekannte Song kam sehr gut an – Besser jedoch der anschließende Doppelschlag mit den EBM-Krachern „God Wrote“ und „Requiem“. Bei letzterem Song dröhnte Peter Spilles, der auf der etwas tieferen Eben der Bühne ganz nah am Publikum war, ein tausendfaches „One By One“ entgegen und auch erste Ansätze eines Pogopits waren erkennbar. Generell hieß es die ganze Zeit: Tanzalarm, sofern es in der mittlerweile recht vollen Halle noch möglich war. Während „Carnival“ zwar kurzweilig war, aber doch recht unspekatkulär vorbeizog – Schliesslich waren „God Wrote“ und „Requiem“ zwei absolute Highlights, an denen man sich erst mal messen lassen muss – kam mit „Nasty Habit“ der zweite von nur drei neuen Songs, der noch etwas besser als „If I Could“ ankam. Peter rannte über die Bühne wie ein Berserker, brüllte alles in Grund und Boden und versprühte ein geradezu irres Charisma, das man schwer in Worte fassen kann. Alles ohne Ansage oder ähnliches. Die erste kam dann mit „Carrion“, dem immerhin neunten Song. Auf Zuruf eines Fans – Der Peter anschließend Teile des Gesangs abnehmen durfte – wurde das Lied gespielt. Angestachelt von Peters Ansagen, die jetzt immer länger wurden, machte das Publikum immer extatischer mit – Der Pogopit, der sich daraus entwickelte, wurde leider von den Securities des Pulp konsequent zerstört, da im Pulp pogen streng verboten ist. Schade, das ist auf jeden Fall als Wermutstropfen zu sehen.

Das Chamäleon schlägt zu!
Das Chamöleon schlägt zu!

Also musste man sich aufs normale Tanzen und mitgehen beschränken. Auch nicht schlecht, auch wenn die Versuchung, wieder zu pogen, groß war, als die Band den dritten neuen Song, den designierten Klassiker „Feel!“, zum Besten gab. Die Single war eine der erfolgreichsten der Pitchforks bisher und kam in den Clubs auch sehr gut an, und dementsprechend wurde sie auch aufgenommen. Wie einer der alten Klassiker, der in Form von „Alpha Omega“ auch folgte. Der Mob tobte, und die Stimmung wurde auch bei „Drone State“ nicht schlechter. Peter und Dirk, der seine Gerätschaften ganz vorne an der Bühne aufgebaut hatte, genossen es, das Publikum in ihren Händen zu haben und gaben alles. Ausnahmslos. Der Reigen an Hits, von „K.N.K.A“, „En Garde“, „Lam’Bras“ und natürlich „Existence“, dessen Video hin und wieder auf VIVA lief, riss nicht ab, bis sich Pitchfork dann fürs erste verzogen – Und sich wieder zurückrufen ließen.

Der anschliessende Block aus „Darkness“ und „Souls“ ließ das Publikum ausrasten. Doch etwas fehlte. Jawoll. Ein Pitchfork-Konzert ohne „Timekiller“ ist schwer denkbar, und so ließen sie das Publikum zum wohl bekanntesten Pitchfork-Song ihr letztes geben. Der Triumphmarsch durch Duisburg war somit komplett, doch einer wurde noch draufgesetzt. Zum letzten Song „Rescue“ holte Peter die komplette erste Reihe auf die Bühne (Ich war dabei!) und feierte mit ihnen ein triumphales Konzert, das sicher vielen Fans, die sogar aus Paderborn angereist sind, in guter Erinnerung bleiben wird. Mission erfüllt, Scheiße aus den Eingeweiden geprügelt, Tanzmuskel animiert und sicher viele glühende Fans gewonnen. Ich freue mich darauf, die Band wieder auf dem Blackfield Festival 2009 zu sehen. Sollten PPF also mal in eurer Nähe spielen, geht hin – Ihr werdet euren Spaß haben.

Fenriz
Fenriz

Bericht: Alexander „Fenriz“ Schatten

Fotos: Fetzenfisch

www.pitchfork.de

www.myspace.com/projectpitchfork

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