Psychomantum - genius loci

Psychomantum – genius loci (Review und Kritik)

Psychomantum - genius loci
Psychomantum - genius loci

Warum nur müssen die wirklich genialen Bands im deutschen Underground ohne Vertrag versauern, während der geschätzt sechshundersechsundsechzigste Aufguss Darkthronescher Dumpfheit einem immer und immer wieder ins Gehirn gedroschen wird? Psychomantum aus der Traditionsuniversitäts-Stadt Heidelberg muss mit „genius loci“ auf ein Neues im Promostatus verweilen und das, obwohl man schon mit dem Vorgänger „…vorzeiten…“ unter Kritikern viel Staub aufwirbeln konnte. Verdammt noch mal, „genius loci“ gehört auf ein anständiges Label, gerade weil die Musik von Alleinunterhalter Sargath mittlerweile dem großen Vorbild Summoning immer mehr entwächst!

Der Einfluß der Österreicher ist natürlich immer noch allgegenwärtig, was in meinen Ohren aber absolut vorteilhaft wirkt, denn kaum einer außer Summoning sonst schafft es Majestätik, Melancholie und wundervolle Melodien auch nur annähernd so stark zu präsentieren wie Sargath mit Psychomantums zweitem Streich. Klar, die Keyboards sind ein dominant verwobener Teppich bei denen aber anders als bei Summoning die Gitarren nicht nur zum schmückenden Beiwerk werden, sondern durchaus eine eigene feine Rolle innerhalb der sechs Stücke (inklusive Einleitung und Finale) spielen, doch genau hierin liegen die Stärken des Heidelbergers, interessante Arrangements, mal fröhlich, mal eher depressiv, immer passend zum spannenden Konzept der bis zum Anschlag gefüllten Scheibe.

Sargath
Sargath

Und dieses Konzept hat es wirklich in sich, denn wer sich mit regionalen Sagen und Geschichten anfreunden kann, findet auf „genius loci“ ein ganzes Bündel an in Gedichtform verpackter Folklore, welche unsere Vorfahren schon von deren Vorfahren erzählt bekamen. Stimmlich durch Flüstern, Schreien und erzählten Abschnitten abwechslungsreich in Szene gesetzt, erfahren wir mehr von der „Jetta“, von einer schwarzen Hochzeit, einem in Erfüllung gehenden Fluch oder einem Schatz im Berge.

Die sechs Stücke glänzen durch gelungene Tempiwechsel, welche man von den Österreichern in der Form eben nicht kennt, und besitzen so viel musikalischen Wert, dass man bei jedem neuen Durchgang kleine, bisher noch unbemerkte Details entdecken darf. Und genau das sollte man mit „genius loci“ auch tun: mehrfach hören und auf Entdeckungsreise gehen, denn mit der Zeit entfaltet sich die gelungene Atmosphäre immer mehr und das buchstäbliche Versinken in eine andere Welt wird noch greifbarer. Sicher, andere Bands mögen große Konzepte von Chaos und Universum ihr eigen nennen, doch Psychomantum beweisen, das Bodenständigkeit und Traditionen durchaus zu begeistern wissen können und dies in einer höchst epischen und einnehmenden Form. Anschalten, zurücklehnen, genießen!


iskharian3Fazit: Summoning sind, was Atmosphäre und Stimmung angeht, eine der großartigsten Bands auf unserem Planeten. Für den Nicht-Tolkien-affinen bieten die Österreicher inhaltlich eben aber nur Böhmische Dörfer. Das Heidelberger Projekt Psychomantum lebt dagegen kein umfangreiches Fantasy-Universum (bevor jeder Fan nun aufschreit, natürlich ist Tolkiens Werk keine bloße, krude Fantasy), sondern einen Teil der eigenen regionalen Sagenwelt, was sich im Zusammenhang mit der leicht melancholischen, aber dennoch erhabenen Musik zu einem perfekten Bild verbindet. Psychomantum sind deutlich mehr, als eine Summoning-Abkupferung, denn Sargath lässt nun viele eigene Ideen „genius loci“ bestimmen und spielt sich somit ganz nach vorne in mein Herz für deutsche Schwarzmetallmusik!


Trackliste:

  1. Die Sage (Einleitung)
  2. Ein Fluch und seine Erfüllung
  3. Der Schatz im alten Berg
  4. Die Jetta
  5. Von einer schwarzen Hochzeit
  6. genius loci (Finale)


( 8,5 / 10 )
( 8,5 / 10 )

Erscheinungsdatum:

Bereits erschienen

Psychomantum Homepage

Psychomantum Myspace



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