Wenn der Harz zum Leben erwacht – Das Rockharz 2018

Die Autolawine setzt sich in Gang

Der beschauliche Harz hat landschaftlich ganzjährig seine Reize. Einen ganz besonderen Reiz bietet jedoch das mittlerweile legendäre „RockHarz“-Festival in Ballenstedt. Unterhalb der Teufelsmauer, einer bizarr anmutenden Felsformation auf einem kleinen Berg, sammeln sich seit nunmehr 25 Jahren Bands und Metalheads um ein gemeinsames Fest zu feiern. Mit insgesamt 4 Festivaltagen darf man schon etwas stolz auf sich sein, hat man sich doch gegen kleinere Festivals durchgesetzt und eine eigene Marke kreiert. Pünktlich zum Jubiläum durfte bereits am Dienstag angereist werden. Dieses Angebot nahmen die angekündigten 17.000 Besucher auch gerne wahr und so konnte man sich bereits einen Tag vor dem offiziellen Festivalbeginn über einen sehr gut gefüllten Campingplatz freuen.

Die Hitzewelle rollt

Der Mittwoch präsentierte sich bei bestem Sonnenschein und so nahm das Festival würdig seinen Lauf. Bei gut 33 Grad gaben die Newcomer von „Monument“ ihre „RockHarz“ Premiere. Solider Powermetal, der durch seinen Klargesang und eine unglaubliche Geschwindigkeit der Songs die Temperaturen weiter anstiegen ließ. Die härteren Gemüter wurden bei „Drone“ beruhigt und das erste Mosh-Pit wühlte den staubigen Boden auf und verwandelte das Auditorium in eine wild-feiernde Meute, ehe „Winterstorm“ das Zepter in die Hand nahmen. Die Jungs aus Franken sind schon lange keine Unbekannten mehr, schließlich zockte man bereits beim „SummerBreeze“ oder beim „Festival Mediaval“ und durfte sich stets über wachsende Fanzahlen freuen. Ein weiteres interessantes Projekt ist zweifelsohne „Bannkreis“. Erschaffen von Eric Fish und Sängerin Johanna Krims suchte man sich eine eigene Nische. Irgendwo zwischen „Subway to Sally“ und „Faun“ sind die Lyrics angelegt, sodass man den Spagat zwischen Rock und Folk gut meistern konnte. Gänsehaut pur ist spätestens beim „Rabenflug“ garantiert. Mittlerweile senkte sich die Sonne endlich und gönnte dem geneigten Publikum etwas Abkühlung, die man zum Gewinnen einer Schlacht benötigt. Den passenden Soundtrack lieferte dann auch umgehend „Ross the boss“ mit seinem sagenumwobenen „Manowar Live-Set“. Bei Tracks wie „Fighting the world“ oder „Battle Hymns“ sollte kein Wunsch unerfüllt bleiben. Ein großartiger Chor bildete sich zum Finale bei „Hail and Kill“, ehe die Altmeister von „Kreator“ die Bühne enterten und dem ersten Festivaltag ein dunkelschwarzes Abendkleid verpassten.

Hitzewelle, die 2.
Wer nun dachte, dass es Donnerstag sicher etwas kühler werden würde, hatte sich deutlich geirrt. Das Thermometer stieg bereits am frühen Vormittag über die kritische 30 Grad Grenze, sodass Wasser ein unverzichtbarer Begleiter dieses Abenteuers werden sollte. Die Newcomer „Blind Channel“ und „Cellar Darling“ schafften es dennoch die Härtesten der Besucher zu ihren Gigs zu locken und boten interessante Shows dar. Sie wurden somit ihrem Slot mehr als gerecht. Etwas mehr Growls und ein Schuss Melodie, so lautet das Geheimrezept der isländischen Band „Skalmöld“. Sicher kein Geheimtipp mehr, dennoch ist es stets eine Freude diese unglaublich spielfreudige Band bei der Arbeit zuzusehen. Der Platz füllte sich zusehends und die Freunde aus dem hohen Norden bestachen durch einen kristallklaren Sound, der sicher auch das ein oder andere neue Fanherz der Combo bescheren dürfte. Mit deutlicher Gesellschaftskritik und krachenden Riffs übernahmen schließlich „Diablo Blvd“ die imposante Doppelbühne und lieferten sich mehr als ein packendes Gitarrenduell. Auch auf einem Festival der Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten, klappt hervorragend. Nach soviel Ernst darf man sich auch wieder etwas entspannen und so zogen die knapp 15.000 Besucher in eine epische Schlacht mit den „Grailknights“, um den fiesen Ganoven Dr. Skull zur Strecke zu bringen und den heiligen Grail wieder in sein angestammtes Heim zu bringen. Eine wirklich grandiose Show, die wohl den meisten Zuschauern lange im Gedächtnis bleiben dürfte. Höhepunkt war das „Superheroes-Medley“, bei dem der ein oder andere Metaler die Melodie seiner Lieblingszeichentrickserie wiedererkannte. Ein unglaublich muskulöser Auftritt einer der besten Livebands Deutschlands. Nachdenklich und dennoch stimmungsvoll präsentierte sich „Die letzte Instanz“. Nach dem umjubelten Album „Morgenland“ wuchsen die Erwartungen der Fans in die Höhe. Und was soll man sagen? Holly und seine Mannen schaffen es immer wieder diese hohen Erwartungen noch zu übertreffen. Keine Frage, hier sind Vollblutmusiker am Werk, die ihre Tracks nicht nur lieben, sondern auch leben. Legendenstatus haben „Primal Fear“ bereits seit mehreren Dekaden und so verwundert es auch nicht, dass man sich über ein gut gefülltes Auditorium freuen durfte. Wer will schließlich bei „Metal is forever“ fehlen? Eine Band, die in den letzten Jahren sich stetig steigern konnte und durch ihre vielfältigen Veröffentlichungen sogar eher genrefremde Fans gewinnen konnte, sind zweifelsohne „Equlibrium“. Mit ihrem charmanten Frontmann Robse, der keinen Spaß auslässt, sollte dem kurzweiligen Folk-Metal Gig nichts im Wege stehen. Eine sehr gute Songauswahl zeichnete das Gastspiel aus, jedoch gab es anscheinend Probleme mit der Tontechnik, sodass Robse teilweise kaum zu verstehen war. Ein kleiner Wermutstropfen eines ansonsten perfekten Gigs. Sphärisch und opulent ging es im Programm weiter. „Amorphis“ hatten sich angekündigt und spielten ein bombastisches Konzert. Sicher keine leichte Kost, dennoch ein Leckerbissen für jeden Fan von etwas verschlungen Songstrukturen und epischen Klängen. Ein Garant für gute Laune, Spaß und eingängige Melodien sind „Schandmaul“ seit ich denken kann und genauso zeigten sich auch Thomas und seine Mitstreiter. Mit einer Setlist, die einem Best-of Album nahekam, überzeugten die Bayern auf ganzer Linie und entfachten eine niemals enden wollende Show. Spätestens jetzt wurde es Zeit für den Headliner des heutigen Tages und so erklommen Attila und Männer die Bühnenbretter. Besser bekannt unter dem Namen „Powerwolf“ wurde die Heilige Heavy-Metal Messe zelebriert. Diese Band gehört unumstritten zur Speerspitze des Powermetals. Als dann schließlich die letzten Akkorde der Bandhymne „We drink your blood“ verklungen, begaben sich die Pilger gesegnet auf den Zeltplatz oder verweilten an den zahlreichen Bars.

Hitze, Staub und eine Überraschung
Wir schreiben Tag 3 nach „RockHarz 2018“ Eröffnung. Das runde, gelbe Ding am Himmel zeigt kein Erbarmen. Zum Glück sind die Götter des Windes gnädig und schicken die ein oder andere Böe über diesen Glutofen. Nun mal Schluss mit Spaß, besser als Regen und Matsch ist es allemal. Der Tag beginnt hart, sehr hart. „Annisokay“ haben es sich anscheinend zur Aufgabe gemacht, dieses Festival bereits am frühen Nachmittag abzureißen, anders ist die unglaubliche kraftvolle Show kaum zu erklären. Zwischen Growls und mörderisch harten Double-Bass bleibt immer noch die Zeit, um diesen Gig in vollen Zügen zu genießen. Eine Band, die mit ihrem letzten Album eher für Erschrecken, als für Begeisterung sorgte, sind „Amaranthe“. Gestartet als hoffnungsvolle Newcomer, irgendwo zwischen Crossover und Pop-Metal, wurde bei „Maximalism“ deutlich die Charttauglichkeit in den Vordergrund gestellt. Nichtsdestotrotz zeigten Elize und ihre Mitmusiker eine sehenswerte Show, die dennoch eher gespaltene Reaktionen im Publikum hervorbrachte. Kommen wir nun zu einer der Überraschungsbands dieses Festivals. Die Rede ist natürlich von „Battle Beast“. Eine völlig unterschätze Band in unseren Breitengraden. Diese finnische Gruppe mit Frontsängerin Noora schaffte es das gesamte Gelände mit ihrer Power zu fesseln. Klingen die Tracks eher sanft und seicht auf CD, so entfesseln diese Herren und insbesondere die Dame eine unglaubliche Gewalt, die den geneigten Zuhörer dahinbangen lässt. Bei „King for a day“ oder „Familiar hell“ muss man einfach sein Haupthaar schütteln, so sagt es das ungeschriebene Metalgesetz. Da wir uns bereits in Finnland befinden, lassen wir doch gleich die Trolle los. „Finntroll“, eine der sinnstiftenden Bands des Nordic-Folk-Metals durften nun endlich ihren Auftritt absolvieren. Wieder zog der Staubnebel auf, als die zahlreichen Mosh-Pits sich öffneten, um dieser Ausnahmeband zu huldigen. Höhepunkt des Gigs war natürlich das unsterbliche „Trollhammaren“. Da kann man nicht ruhig sitzenbleiben. Während sich „Ensiferum“ aufgrund von Einreiseproblemen verschoben, stieg die Vorfreude auf „Alestorm“ ins Unermessliche. Mit riesiger Gummibadeente auf der Bühne und viel guter Laune sorgten die sympathischen Schotten für eine kurzweilige Piraten-Metal-Party, die im Bandmotto „We are here to drink your Beer“ gipfelte und für einen Umsatzrekord beim örtlichen Bierstand sorgte. Es gibt feste Szenegrößen. Diese Bands meistern einfach jeden Auftritt und reißen einfach jeden Besucher mit. Eine solche Band sind „Eisbrecher“ seit vielen Jahren. Wir alle haben Alexx und Noel liebgewonnen und so sorgten die Münchner Helden bei knapp 32 Grad für eine „Eiszeit“. Es reihten sich bekannte Melodien an Szene-Hits und die Zeit verging einmal mehr wie im Fluge. Nach „Miststück“, das von einem gewaltigen Fanchor flankiert wurde, verabschiedete die Band sich gewohnt lässig. Der große Höhepunkt lag aber noch vor den Besuchern. Eine exklusive Festivalshow, die in die Geschichte des „RockHarz“ eingehen sollte. „Hammerfall“ hatten zum „Harz on fire“ – Gastspiel geladen und die Fans kamen. Der Platz vor der Bühne wurde enger und die legendären Powermetaler aus Schweden sorgten für ein Feuerwerk aus alten und neuen Hits. Diese unglaubliche Live-Power mündete schließlich in einen Track, den jeder Metaler im Schlaf mitsingen kann. Mit den ersten Klängen von „Hearts on fire“ wurden überdimensionale Flammenwerfer gezündet, die sich nicht nur an der Bühne, sondern auch hinter den Zuschauern befanden. Ein unglaubliches Inferno, dass die Abendkälte aus den Leibern blies und dem Auditorium ordentlich einheizte. Mit einem solchen Abschluss hatte wohl niemand gerechnet und so machte man sich immer noch euphorisiert auf den Weg.

Keine Hitze, dafür Bands, Bands, Bands

Endlich sollte die unnachgiebige Hitze nachlassen. Ein paar Wolken am Himmel und los ging es mit „Skyclad“. Leider wird auch dieser Band nicht der Status gerecht, der ihnen eigentlich gebührt. Mit ihrer Mischung aus schottischen Heldensagen und kraftvollen Melodien erschuf man ein gesamtes Genre, das mittlerweile viele gute Bands hervorbringen konnte. Die lebendige Geschichtsstunde konnte dank der ausgeklügelten Texte und einprägsamen Melodien direkt überzeugen und sorgte für den ersten Höhepunkt des mittlerweile letzten Festivaltages. Insgesamt bot der vierte Tag ein abwechslungsreiches Programm. So gesellten sich die stets gut gelaunten „Trollfest“ zur „Goitzsche Front“. Eine gute Mischung, die das „RockHarz“ immer anstrebte und meist auch gut umsetzen konnte. Ein weiteres Highlight im Billing dürften „Gloryhammer“ für Powermetal-Fans gewesen sein. Kaum eine andere Band hat einen derartigen Anstieg von Fans zu verzeichnen, wie die Space-Helden, die auch im Harz den „Astral Hammer“ kreisen ließen. Die kürzeste Anreise hatten wohl „Die apokalyptischen Reiter“. Die Herren aus Weimar gehören wohl zu den wortgewaltigsten Musikern der Republik. Keine andere Band spielt derart detailliert und liebevoll mit der deutschen Sprache, wie die Poeten aus Thüringen. Natürlich wurden die Reiter dafür überschwänglich vom Auditorium bejubelt. Mit „Paradise Lost“ wehte erneut der Hauch der Geschichte über den staubigen Boden. Aus dem kreativen England entwickelte diese Band den Goth-Rock, wie wir ihn in der heutigen Form kennen. Ein besonderes Erlebnis für jeden Besucher, der diesem geschichtsträchtigen Moment miterleben durfte. Etwas Entspannung kann nie schaden und wenn sich dann noch Humor dazugesellt, ist der Tag gerettet. Wenn dieser Humor dann noch von „Knorkator“ verbreitet wird, kann wirklich nichts mehr schiefgehen. Stumpen sorgte für seine bekannt markigen Sprüche ala Berliner Schnauze und ließ kein Auge trocken. Ein besonderer Höhepunkt waren die zwei Duette mit den Kindern der Bandmitglieder. Gewohnt positiv und lebensbejahend entließen die Berliner das Auditorium mit „Wir werden alle sterben“. Zu einem Jubiläum gehört auch immer ein Grußwort und so übernahm der Veranstalter nun das Mikro und ließ 25 Jahre RockHarz Revue passieren, ehe die Heroen des Melodic-Death-Metals die Herzen der Fans im Sturm erobern durften. „In Flames“ zauberten eine epische Darbietung, die sich nicht nur durch druckvolle Gitarren und den unwiderstehlichen Growls des Sängers Anders, sondern auch durch eine Bilderflut auf den Screens, auszeichnete. „Only for the weak“ gehört auch im Jahre 2018 definitv immer noch zum Besten, was der Melodic-Death-Metal jemals hervorbrachte. „Deliever us“ sorgte für den passenden Schlussakkord eines gewaltigen Auftritts und eines grandiosen Festivals.

Fazit: Das „RockHarz“ hat es einfach geschafft. Man darf mit Fug und Recht behaupten, dass die Veranstalter hier ganze Arbeit geleistet haben. Sicher gibt es Kritikpunkte, so verlief die Anfahrt nicht ganz störungsfrei und auch die Zeltplatzsuche stellte sich ab Mittwoch als Geduldsprobe heraus, dennoch ein großes Lob an das gesamte Team, das auch in stressigen Situationen einen kühlen Kopf bewahren konnte. Das Line-Up war für einen Eintrittspreis von gut 100 Euro mehr als opulent bestückt und auch das Gelände sollte sämtliche Ansprüche befriedigen können. Die Speisenauswahl auf dem Infield war mehr als gut und auch das Preis-/Leistungsverhältnis kann sich sehen lassen. Einzig beim Bier könnte man noch beherzt eine weitere Sorte in den Ausschank geben. Kurzum: Wer den Metal lebt, findet im Harz sein El-Dorado. Mehr bietet derzeit kein anderes Festival in Deutschland.

Text: Fabian Bernhardt
Photos: Lena Behlmer

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