Anguished - Cold
Anguished - Cold

Anguished – Cold (Review und Kritik)

Anguished - Cold
Anguished - Cold

Ein schnelles Brainstorming – wie viele Black Metal Bands mit einer Sängerin fallen euch auf die Schnelle ein? Die meisten werden jetzt genau eins antworten: Darkened Nocturn Slaughtercult. Wer etwas mehr in der Materie drin steckt kann noch die Griechinnen von Astarte kennen, das war´s dann auch an erfolgreicheren Gruppen dieser Art. Aber immerhin etwas. Hätte ich jetzt nach einem „Ein-Frau-Projekt“ gefragt, wäre auch mir da so gar nichts eingefallen. Bis zur ersten Veröffentlichung einer Dame die sich Possessed Demoness nennt, im vergangenen November jedenfalls. Das erste Album „Cold“ ihres Soloprojektes „Anguished“ darf wohl ohne weiteres als Exot der finnischen (oder auch globalen) Black Metal Szene angesehen werden.

In der Männer-dominierten Welt des Schwarzmetalls der noch dazu der Ruf anhaftet ziemlich intolerant gegenüber Neuerungen zu sein, fasst es sich als Frau sicherlich nicht so schnell Fuß. Dabei müsste man doch eigentlich vermuten das gerade den weiblichen Wesen der Schöpfung hohe, kreischende Stimmen wesentlich besser gelingen als uns Männern. Um so irritierender, dass gerade der Gesang den größten Makel ihres Debüt darstellt. „Gewöhnungsbedürftig“

Possessed Demoness
Possessed Demoness

wäre an dieser Stelle sehr positiv ausgedrückt. Wo die Kolleginnen von Astarte eher an eine weibliche Version von Behemoth erinnern, scheint die Finnin besonders hoch und kreischend klingen zu wollen. In so manchem Song überschlägt mich ihre Stimme grade zu, und steht der dargebotenen Musik leider nicht immer hilfreich zur Seite.

Grob lässt sich die instrumentale Seite der Scheibe in den Sektor DSBM einordnen. Anders als Promofotos und Artwork der Dame vermuten lassen, denn hier gibt sie sich provokativ nach alten Black Metal Standards gerichtet und ungewöhnlich freizügig. Für (Spät)pubertierende ist da sicher alleine schon das Cover, mit der (fast) nackten Rückenansicht der Musikerin Grund genug ein Ohr zu riskieren. Aber selbst wenn meine bisherige Rezension recht negativ anmutet, gibt es auch viel gutes über das Album zu sagen:

So wird eigentlich schon beim zweiten Titel „Come to me Satan“ recht deutlich, dass Possessed Demoness durchaus über eine melodisch klare Gesangsstimme verfügt, diese allerdings nur in drei Stücken des Werkes zur Geltung kommen lässt. Da ist sie sich sicher selbst im Weg – ihr übriges, etwas an Dani Filth erinnerndes, gekeife wäre so sehr viel einfacher zu verdauen gewesen. Aber sicherlich hat man sich da auch vorgenommen eben keinen „Mädchen Black Metal“ zu spielen sondern wirklich die Old-School Schiene zu fahren. Was eigentlich ein Pluspunkt ist, beschert der CD also einige Durchhänger die nicht sein müssten, zumal die Instrumentale Seite recht ordentlich, wenn auch noch etwas unterproduziert ist.

Fazit: Soweit ich das ganze überblicken kann, bekommt dieses Album in diversen Magazinen schlechte Kritiken oder total Verrisse. Nicht wenigen merkt man aber dabei an, dass sie aufgrund der stellenweise etwas nervigen Stimme kein zweites Mal reingehört haben. Nach einiger Zeit ergeben sich aber meiner Meinung nach schon klare Melodien und erlich gesagt finde ich zwei bis drei Stücke richtig gut. Daher will ich hier keine wirklich „grüne“ Wertung geben, aber schon anmerken, dass das dargebotene nicht so schlecht ist wie der allgemeine Unmut vermuten lässt. Klar sind DNS und Astarte technisch besser und augereifter, aber hier handelt es sich nunmal um einen Erstling. Und dafür denke ich das man hier durchaus noch für spätere Aufnahmen hoffen darf.

Titelliste von „Cold“:

  1. These Gray Day
  2. Come To Me Satan
  3. September Nights
  4. Depart This Life
  5. Tired
  6. The Last Trip
  7. Verivala
  8. Cold

(5,5/10)

Anspieltips:
> Come To Me Satan
> Depart This Life
> Cold

Erscheinungstermin:
10.11.2010

http://www.myspace.com/anguished666

About Zigeunerjunge

Check Also

Stone Sour besser denn je: Hydrograd

Vor 25 Jahren hat Slipknot Frontmann Corey Taylor Stone Sour gegründet. Auch wenn es eine …