Bloody Dead and Sexy - An Eye on you

Bloody Dead and Sexy – An Eye On You (Review und Kritik)

Bloody Dead and Sexy - An Eye on you

Geschlagene fünf Jahre nach ihrem Zweitwerk „Narcotic Room“ beehrt die deutsche Deathrock-Formation Bloody Dead and Sexy die Gehörgänge mit ihrem „aktuellen“ Studioerguss „An Eye On You“. Nachdem bereits die beiden vielgelobten Vorgänger in Gothic/Deathrock-Kreisen einiges an Aufsehen zu erregen vermochten, zeigt sich das nunmehr dritte, 15-Song starke Album sichtbar pointierter und facettenreicher und, um die alte musikjournalistische Floskel herbeizuziehen, gereifter als die vorangegangenen Releases.

Beinahe lässig schütteln sich Bloody Dead and Sexy songwriting-technisch hochwertige Stücke aus dem Ärmel, welche immer zwischen klassischem Post-Punk und Batcave-orientierten Klängen pendeln. D.h. der düster-brummende Bass ist ebenso knackig und treffsicher, wie das großartige Gitarrenspiel, welches zwar keineswegs innovativ, dafür aber umso prägnanter Genre-Eigenheiten rüberbringen kann. Wabbernd-hypnotisches Gitarrengekreische und präzise, gleichsam feinfühlige Parts dominieren die Leads, akzentuiert und differenziert vorgetragen von Matias 13. Die Produktion ist auf Echtheit bedacht, es wirkt alles natürlich und homogen. Es verkommt nichts zum Selbstzweck, sehr löblich das ganze.

Was weniger schön ausgefallen ist: Der Gesang. Zwar steht Rosa Iahns Gesang in der Tradition des Death-Rocks und bettet die  leicht weinerliche, klagende Stimmlage durchaus adäquat in die Musik hinein, wie man es z.B. auch bei Cinema Strange hört, (bloß dass ein Lucas Lanthier das ganze ausdrucksstärker und als markantes Stilmittel zelebriert). Jedoch gestaltet Iahn den Gesang zu wenig variabel, man vermisst ansprechende Melodiebögen, sodass das ganze schwachbrüstig und kraftlos wirkt. Das ist wirklich schade, denn kostet das die Scheibe wertvolle Punkte. Zu gravierend ist dieses Manko.

Die Songs hingegen sind groß und strahlen eine grimmige Erhabenheit aus: Ob es nun der schnittige Opener „Solemn Times“ ist, das düster-verhaltene „City Ghosts“ oder flotte Stücke wie „Reaping Day“ (inkl. Hübscher Gitarrenarbeit), zeugen von einer gewissen Abgebrühtheit in Sachen Songwriting. Stringente, gut durchdachte und abwechslungsreiche Songstrukturen, die auf konstant hohem Level unterhalten können, zeigen, dass man es hier mit bewanderten Musikern zutun hat. „Candy Box“ ist vor allem deshalb erwähnenswert, weil hier teilweise der fade Gesang mal aus den Puschen kommt, und ein wenig druckvoller und expressiver daherkommt. Die Songs verbreiten in ihrer an B-Horrormovies angelehnten Machart,  eine unheilschwangere Atmosphäre, sind aber zugleich auch tanzbar, energisch und vor allem unterhaltend. Trotz des leider nicht ganz unerheblichen Minus der mangelnden Gesangsbandbreite, sind alle Tracks durchwegs hörbar und gut gelungen, insofern ist die Platte ohnehin zu empfehlen.

Martin "Rostig" Pilot

Fazit: Eine hübsche Deathrock-Scheibe, die eigentlich und freilich alles richtig macht. Souverän eingespielt, uneingeschränkt gutes Songmaterial und eine symphatische Attitüde sprechen eigentlich für eine entsprechend hohe Punktezahl, wären da nicht die gesanglichen Schwächen die in meinen Ohren zu eklatant heraushörbar sind, um sie zu ignorieren, zumal sie den ansonsten exzellenten Eindruck merklich schmälern. Deshalb kann ich die Platte auch nur im oberen Mittelfeld platzieren. Vampiren, Zombies und Freunden des klassischen Gothic/Death-Rock ist „An Eye On You“ natürlich dennoch zu empfehlen. Für diese ist zumindest ein Reinhören Pflicht. Gute  7,5 Punkte vergebe ich an dieses Machwerk, die besagte Zielgruppe kann durchaus noch 1-2 Punkte draufrechnen.

Tracklist:

1. Solemn Times
2. City Ghosts
3. Decent Scent of Poison
4. Reaping Day
5. Song of Truth
6. Three Corners of an Eye, Part I: Lower Right Corner
7. The Fix
8. A Clockwork Symphony
9. Candy Box
10. Saeta
11. Three Corners of an Eye, Part II: Upper Corner
12. The Upper Floor
13. Sunglasses for a Funeral
14. Der Kuss
15. Three Corners of an Eye, Part III: Lower Left Corner

(7,5 / 10)

Anspieltipps: City Ghosts, Reaping Days, Candy Box

Veröffentlichung: 28.05.2010

Bloody Dead and Sexy auf Myspace

About Rostig

Alter: 23 Beruf: Student Lieblingmusik: Querbeet Hobbys: Musik, Videospiele, Filme, Schreiberei, Kunst

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