Kolumne: Outside the Crypt

Einmal über den Tellerrand blicken, dass traut sich sicherlich nicht jeder. Unsere Gastkolumnistin CharlyKatBat hat einen Ausflug in die Hardrave- / Happy Hardcore- und Gabber-Szene gewagt, und berichtet in dieser Kolumne über ihre Erlebnisse. Vielleicht bietet dieser Bericht ja auch Inspiration selbst einmal andere Szeneparties, vollkommen vorurteilslos und mit viel Spaß, zu besuchen.

Autorenbild
CharlyKatBat ist Weltenbummlerin mit Grenzerfahrungen.
Das Bild stammt vom M`era Luna 2012.

Vor allem Gruftis aus den eher ländlichen Gebieten ist dieses Problem bekannt. Es ist Wochenende und einfach einmal wieder nichts los in der Szene. Aber auch in den Großstädten kann es passieren, dass der Lieblingsclub geschlossen hat, oder der Lieblings-DJ genau an diesem Wochenende seinen depressiven Goldhamster umsorgen muss. Was also tun, wenn man keine Lust hat, das gesamte Wochenende auf dem Sofa zu verbringen, um sich die Zeit mit Bram Stroker und Co. zu vertreiben? Eine weit verbreitete Idee wäre, einmal über den Rand der Friedhofsmauern zu schauen und einfach mal mit den vermeintlich „Anderen“ zu feiern. Ich habe das Experiment „Exkursion in fremde Szene“ gewagt und möchte euch nun von meinen Erfahrungen und Eindrücken berichten.

Wie jedem guten Grufti stellte sich mir natürlich vor diesem Unterfangen die Frage „Welche Kleidung und welche Technik brauche ich, um mich unter den Anderen bewegen zu können, ihr natürliches Verhalten zu studieren und natürlich auch, um richtig die Sau rauslassen zu können?“ Nach einigem Hin und Her im Farbspektrum wurde es dann doch eine eher standartisierte Kluft, wenn auch gespickt mit einigen Farbklecksen, man will die neue Welt ja bereichern und nicht einfach vor einer schwarzen Wand verschwinden.

Die nächste Frage, die sich jeder gute Forscher stellen sollte, ist selbstverständlich, welche Experten man sich ins Team holt. Da ich ein großer Freund von Extremen bin, war für mich klar, dass ich auch in diesem Experiment nur dann zufriedenstellende Ergebnisse bekomme, wenn die zu erforschende Szene nicht minder extrem ist, wie meine eigene. Ich entschloss mich also zu einer Kooperation mit SXF Thunderscream, seines Zeichens Producer und DJ der Berliner Raver-Szene. Das Unterfangen „Schrilles Schwarz trifft auf Neonfarben“ konnte also beginnen.

SXF Thunderscream – Restless Dreams (The Megamix) by Sxf Thunderscream on Mixcloud

Bei der Wahl des Untersuchungsgebietes überließ ich die gesamte Planung meinem Forschungspartner, so fiel die Wahl auf das Engel07 in Hannover, einem kleinen, aber durchaus lauten Laden. Von den genannten DJs hatte ich noch nie gehört, was mich aber nicht weiter stören sollte, es ging mir schließlich darum, Neues zu erfahren, also ab in den Zug und los geht der Spaß.

Die ersten Unterschiede zu heimischen Clubs wurden bereits bei den Türstehern ersichtlich, die keine Probleme hatten uns mitsamt der mitgebrachten Flasche in den Club zu lassen, solange wir versprachen diese sofort an der Garderobe abzugeben. Da mir nicht der Sinn danach war, diese Flasche die ganze Nacht spazieren zu tragen, kam mir diese Aufforderung mehr als gelegen und ich kam ihr gern nach. Neugierig wurden wir von der ansässigen Fauna beobachtet, einige erkannten sogar meinen Exkursionspartner wieder und nach einigen anfänglichen Beobachtungen beschloss ich, dass man des Pudels Kern wohl am leichtesten erkennen kann, indem man mit der Masse verschmilzt. Beats und Tanztstil hätten sich nicht mehr von dem unterscheiden können, was der durchschnittliche Grufti meiner Altersklasse sonst so hört, aber dennoch musste ich mir eingestehen, dass ich Gefallen daran fand. 

Alles in Allem eine sehr fröhliche Gruppierung, die Fauna des Engel07, teilweise extatisch verschmolzen mit der Musik, in vollkommener Versunkenheit mit den Klängen, unwissend um die Welt außerhalb. Ich bin mir beinahe sicher, dass diese Exkursion kein einmaliges Unterfangen bleiben wird und möchte euch, werte Leserschaft, ermutigen: Schau doch auch einmal über die Friedhofsmauer, wenn dir deine Szene nicht mehr genug zu bieten hat. Es handelt sich dabei um keine Einbahnstraße, du kannst also jederzeit zurück in das, was du bereits kanntest. Die Erfahrung jedoch kann niemand für dich machen. Ich für meinen Teil bereue sie nicht.

Gastbeitrag von CharlyKatBat

 

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About >puregatory<

Ich bin ein Mensch für den Musik eine wichtige Rolle im Leben spielt.... wie heisst es so schön ... da wo Worte nicht mehr weiter wissen, setzt die Musik ein .. da ist was wahres dran. Ich schreibe gerne , lese, fotographiere. Schreibe selber Gedichte und Songtexte für diverse Künstler. Sich weiter zu entwickeln finde ich sehr wichtig , denn ich bin der Meinung still zu stehen macht einen auf Dauer krank. Wer irgendwelche Fragen an mich hat, kann mich gerne kontaktieren.

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  • Ja, das war mal wieder ganz großes Tennis! Vielen lieben Dank auch noch mal an meinen lieblings Grufti, die Charly 😉 Mit dir macht regionaler Unfug Spaß 😉