Opeth - Heritage

Opeth – Heritage (Review und Kritik)

Opeth - Heritage

Alles hätte so schön sein können. Watershed, nur einen Schritt weiter, behutsam entwickelt, mit ordentlich Pfeffer im Arsch und echter Progressivität. Und was ist aus Heritage geworden? Eine Ansammlung von 70er Prog-Versatzstücken im Stile der altbekannten Bands, von King Crimson über Yes, die zwar immer noch nach Opeth klingen mag, nur ähnlich progressiv erscheint, wie das tausendste 21st Century Schizoid Man Cover.

Und das wirkt für mich durchaus enttäuschend und nachfolgender Text versucht sich mit diesem Problem auseinanderzusetzen, denn es wird den meisten schwer fallen sich Heritage wirklich schön zu hören. Klar, die Komplexität übersteigt wieder sämtlich Register des üblichen Metal/Rocks, ebenfalls logisch ist, dass es mit Deliverance bereits ein Album ohne die prägnanten Growls des Masterminds Akerfeldts gab, das ist auch nicht das Problem an Heritage. Ich persönlich empfinde das Album zunächst als sehr anstrengend und sperrig, dies jedoch nur auf dem ersten Blick, mit der Zeit kristallisieren sich die durchaus interessanten Ideen heraus, stets wird man an jazzlastige Meisterstücke King Crimsons erinnert. Irgendwie kommt es mir aber immer wieder in den Sinn, dass Opeth mit Heritage ihr eigenes Lizard erschaffen wollten, welches zwar als eines der größten Meisterwerke King Crimsons gilt, wohl aber die wenigsten wirklich vollständig mögen und verstehen können.

In dem Sinne baut Heritage die namentliche Brücke in die Vergangenheit, bedient sich mit reichlich Mellotron und leicht improvisiert wirkenden Abschnitten aus dem Fundus der alten Recken des klassischen englischen Prog Rocks, ist dabei aber nicht ganz so verfrippt und abgedreht wie das Original, quasi King Crimson Lite. So wirkt Heritage auf mich reichlich inkonsequent, wenn es doch so sehr darauf bedacht ist in alten Zeiten zu fließen, leider wurde wohl nicht verstanden, was die damalige Musik ausmachte, das Neuartige, eben das Progressive und das geht mir auf Heritage völlig ab. Mag sein, dass für Opeth selbst hier viel Neues dabei ist, allein das jazzlastige Schlagzeug-Spiel von Martin Axenroth ist bestimmt das beste, was der Schwede in seiner langjährigen Tätigkeit zusammengetrommelt hat, dennoch ist dies für Kenner der Materie eher regressiv, so als ob die Band stolz ihre neuen Künste an den Instrumenten beweisen wolle und dabei das eigentlich Ziel vor Augen verliert. Heritage ist also vordergründig schon kompliziert, reizt den Hörer aber kaum dazu sich mit der Musik so auseinanderzusetzen, dass man einen waren Nutzen daraus ziehen kann.

Im Endeffekt bewegt sich die Band in eine schwierige Richtung, denn richtig stark waren sie jedes Mal, wenn der Heavy Metal wirklich weiter entwickelt wurde, Heritage hat mit Metal kaum etwas zu tun, auch das treibende Slither bietet nichts weiter als unspektakuläre Kost im Stile mancher NWOBHM-Band in Watte gepackt. Härten gibt es nicht, Metal gibt es nicht und das fehlt Heritage einfach. Bei Deliverance konnte man die Songs zu hundert Prozent nachvollziehen, es gab neben mancher Akustikfrickelei und Kompliziertheit auch Momente, an denen man sich festhalten konnte, die im Ohr blieben. Heritage bietet dies nur ganz selten, meiner Ansicht nach zu wenig um im Vergleich zu den Vorgängern voll bestehen zu können. Denke man nur an das konzeptuell beeindruckende Still Life, das unheimlich musikalische und vor allem atmosphärische Blackwater Park oder das verrückte, stellenweise ultrabrutale Watershed, an keines der Werke kann Heritage auch nur ein bisschen herankommen, denn dort wurde wirklich Neues erschaffen, es wurde etwas entwickelt und vor allem Songs geschrieben an die man sich auch in 20 Jahren noch erinnern wird. Heritage dagegen ist leider Gottes eine zwar immer noch hörbare, dennoch eintönige Verbeugung an ein Genre, welches sich leider immer und immer wieder selbst kopiert und so seinen Namen kaum mehr zurecht trägt.

Fazit:

Im Endeffekt ist Opeth die perfekte Zusammenfassung der aktuellen Progger-Szene gelungen. Nicht viel Neues, auf Nummer sicher und so war es auch zu erwarten, dass die Band irgendwann einmal ihr 70er Tribut-Album veröffentlichen wird. Ich persönlich hoffe ja, dass Heritage eine einmalige Sache bleibt, mir fehlt der andere Baustein aus Opeths Schaffensphase, vielfältige Songs zu schreiben, die den Metal weiterbringen, die den gemeinen Progger und den versoffenen Death Metaller zusammenführen. Heritage will den Progfan bedienen, schafft dies aber nur bedingt, es fehlt einfach an den guten Songs und vor allem an den wahrlich progressiven Ideen. Nicht einmal das Cover ist wirklich neu, so kommt es einem doch stark wie eine Mischung aus Moody Blues In search for the lost chord und Status Quos Quo-Album vor.

Trackliste:

  1. Heritage
  2. The devil’s orchard
  3. I feel the dark
  4. Slither
  5. Nepenthe
  6. Häxprocess
  7. Famine
  8. The lines in my hand
  9. Folklore
  10. Marrow of the earth
6,5 von 10

Erscheinungstermin:

14. September 2011

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  • Alexander

    Das dieses Album polarisieren würde, war mir schon nach dem ersten Hören klar. Somit kann ich Deine Entäuschung verstehen, obwohl ich sie nicht teile.
    Jedoch ist Dir leider ein grober Fehler unterlaufen, Zitat:“…ebenfalls logisch ist, dass es mit Deliverance bereits ein Album ohne die prägnanten Growls des Masterminds Akerfeldts gab…“
    Das Album, welches Du hier meinst, heißt „Damnation“.
    Danke für Deine Rezension,
    Alexander.

  • Iskharian

    Haha, Scheisse, da hast du wohl recht!