Rezension: Rotting Christ – Rituals

Rotting Christ, die Uraltmeister des schwarzen Metalls melden sich drei Jahre nach ihrer Glanztat „Kata Ton Daimona Eaytoy  mit „Rituals“ zurück. Als Grundlage für das Konzept des Albums haben sich die TolisBrüder echter Überlieferungen der verschiedensten satanischen Beschwörungsrituale bedient. Für dieses ambitionierte Meisterwerk luden die Griechen illustre, namhafte Gäste ins Studio und beweisen, dass sie ihren ureigenen Düster-Sound durchaus noch weiter entwickeln können. 

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Rotting Christ haben den Albumtitel zum Programm gemacht, elf Rituale aus der ganzen Welt. Zum Teil sehr alte Satanische Verse die sich Okkultisten, Alchemisten und Ketzer in der Vergangenheit zu Nutze machten, aber auch poetische Zeilen, wie Baudelaire’s „Die Blumen des Bösen (Les Fleurs Du Mal)“ und William Blake’s „For A Voice Like Thunder“ bilden die textliche Grundlage. Die Vielfältigkeit dieser Schöpfung spiegelt sich aber auch in den verwendeten Sprachen wider, griechische, lateinische, französische und aramäische Worte sind zu finden. Dadurch wird der rituelle Charakter des Gesamtkonzepts unterstrichen, auch die Gastsänger (Nick Holmes, Vorph, Magus) sorgen mit ihren unterschiedlichen Stimmen für abwechslungsreiche Spannung. Die Krone setzt zweifellos Danai Katsamen auf, die Dame vom National Hellenic Theater verbreitet in „Elthe Kyrie“ eine sehr dichte und beängstigende Gruselatmosphäre die wirklich unter die Haut geht. All diese atmosphärischen Stilmittel werden natürlich vom ausgeklügelten Bandsound getragen, gekonnt werfen die Musiker verschiedenste Genres in einen Topf um ihre schwarze Suppe zu kochen, klirrende Black-Metal-Riffs sind ebenso vertreten wie epische Momente des Death-Metal und schleppende Doom-Passagen.

Fazit:
Rotting Christ sind mit „Rituals“ ganz klar auf dem Zenit ihres Schaffens angekommen. Der Rituelle Charakter ihrer schwarzen Musik kam noch nie so überzeugend. Auch die musikalische, sprachliche und personelle Vielfalt ist einzigartig und verdichtet die dunkle Atmosphäre ihrer Musik bis zur Gänsehaut. „Rituals“ ist schon jetzt ein klarer Anwärter auf den Titel „Album des Jahres“
Chapeau – meine Herren!

Trackliste:
01. In Nomine Dei Nostri
02. Ze Nigmar
03. Elthe Kyrie
04. Les Litanies De Satan [Les Fleurs Du Mal] 05. Apage Satana
06. Tou Thanatou
07. For A Voice Like Thunder
08. Konx Om Pax
09. Devadevam
10. The Four Horsemen
11. Lok’tar Ogar [Bonustitel]

About Martin Sadat

Bin ein musikverrückter Mittvierziger, der es nie zum Musikerdasein gebracht hat und deshalb seine Leidenschaft mit Schreiben über die schönste Sache der Welt auslebt, auch Radiomoderation und ein eigener Sender gehören zu meinen künstlerischen Ambitionen. Musik hat die besonders schöne Eigenschaft, dass sie nicht nur Emotionen transportiert, sondern auch für ein Leben lang wach hält, wer kennt nicht die besonderen Momente im Leben, an die man sich beim Hören bestimmter Stücke erinnert. Deshalb bin ich der Auffassung, dass der eigene Musikgeschmack nie breit genug sein kann, denn die Qualität zählt und nicht das Genre. So hat John Coltrane ebenso seinen Platz in meinem Leben wie die Beatles und Black Sabbath. Sonst halt ich's einfach mit Neil Young: Keep On Rockin' In The Free World.

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