Semen Datura - Einsamkeit

Semen Datura – Einsamkeit (Review und Kritik)

Semen Datura - Einsamkeit
Semen Datura - Einsamkeit

Wen interessiert denn überhaupt noch Skandinavien, denn die interessantesten Bands kommen im Moment aus dem europäischen Festland, allen voran Deutschland, Italien und Frankreich. Dass es gerade bei uns eine Explosion an Kreativität und Eigenständigkeit gibt, bei der Bands den Black Metal entweder ganz hinter sich lassen oder durch neue Möglichkeiten erweitern, dürfen wir wohl als großes Glück erachten. Semen Datura aus dem schönen Erzgebirge werden sich mit „Einsamkeit“ ihren Platz in der weitläufigen avantgardistisch angehauchten Black Metal Landschaft erkämpfen, denn das Album besitzt das Zeug ganz vorne mitzuspielen. ATMF jedenfalls beweisen erneut ihr Händchen für spannende Musik und haben nun neben den ganzen Italienern auch ein Band aus Deutschland unter Vertrag, die es wert ist einmal näher betrachtet zu werden.

Auf dem Plan steht Gitarren orientierter, zwischen Midtempo und schnelleren Blast-Parts wechselnder progressiv angehauchter Black Metal, der vor allem dank der Rhythmus Fraktion um Jazz-Drummer Axt, recht ungewöhnlich für diese Art Musik daher kommt. Laut Promoschreiben des Labels war beim Songwriting Prozess noch die ein oder andere Psychopharmaka beteiligt, was man „Einsamkeit“ in bestimmten Momenten auch anmerkt. „Unter bleigrauen Wolkenlasten“ ist dementsprechend recht depressiv, aber nicht bis zur Schnittgrenze hoffnungslos, sondern besitzt noch genügend Biss, um im rasenden Abschnitt des Stückes ordentlich Dampf zu machen. Der divergierende etwas hintergründige Gesang ergänzt das auf das wesentliche reduzierte Album zu einem Psychotrip der besonderen Art. Leichte Satyricon Zitate bei „Mental Outlaw“ lassen es gelegentlich sogar etwas rocken, ohne in Plakativität zu versinken. Hervorzuheben ist der toll gespielte Bass, der stets seine eigenen Wege geht und dank kauziger Produktion endlich auch einmal zu hören ist.

Semen Datura
Semen Datura

Dass man auch anders kann legt „Marschbefehl“ eindrucksvoll dar. Thrashige Immortal-Gitarren und ruppige Blasts bilden das Fundament für ein grandioses Stück Hass und Gewalt. Die gut verständlichen Lyrics sprechen von Dekadenz und Misanthropie, passen also auch hier wie die Faust aufs Auge. „Vineta“ entführt uns zurück auf das Vorgänger Album, legt es die Geschichte der sagenhaften im Meer untergegangen Ostsee-Stadt akustisch dar. Ähnlich des von Geist besungenem „Helike„, zerstörten höhere Mächte die von Hochmut und Verschwendungssucht gezeichnete Stadt, die vielerlei Warnungen einfach ignorierte.

„Vineta, Vineta, du rieke Stadt, Vineta sall untergahn, wieldeß se het väl Böses dahn“

iskharian3Fazit: Intelligent und vor allem atmosphärisch, das sind die Merkmale, die „Einsamkeit“ ausmachen. Stets bedrohlich, traditionsreich und doch nach vorne gewandt ist das dritte Album von Semen Datura geworden, welches nach mehreren Durchläufen süchtig machend wirkt. Manche Idee zündet nicht sofort, aber genau das ist es, was diese Musik so interessant macht. Deutscher Black Metal auf hohem künstlerischen Niveau und das ist es auch, was den skandinavischen Vertretern oftmals fehlt. Tradition und Vision werden hier zu einem hochwertigen Gesamtwerk verbunden, fernab metallischen Einheitsbreis.


Trackliste:

  1. Fons et origo
  2. Unter bleigrauen Wolkenlasten
  3. Einsamkeit
  4. Mental Outlaw
  5. Marschbefehl
  6. Psychokrieg
  7. Witwenmacher
  8. Vineta
  9. Rieke Stadt
  10. Arkona


8Anspieltipps:

Unter bleigrauen Wolkenlasten, Marschbefehl, Vineta

Erscheinungstermin:

15. Oktober 2009

Semen Datura Myspace

ATMF Myspace

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