Hateful abandon - Famine

Hateful abandon – Famine (Review und Kritik)

Hateful abandon - Famine
Hateful abandon - Famine

Hateful abandon – Famine (Review und Kritik)

Habt ihr euch schon einmal gefragt, wie es gewesen wäre, wenn Joy Division und Killing Joke nicht im Vereinigten Königreich Ende der Siebziger, sondern eher im beschaulichen Norwegen Ende der Achtziger Jahre aktiv gewesen wären? Nein? Immerhin könnt ihr euch dies anhand von Hateful Abandons Album „Famine“ aber gut vor Augen führen, denn ihnen ist eine interessante Melange aus eben diesen Bands der Postpunk-Ära und nordischem, düsteren Black Metal  gelungen.

Aus der Asche der kultigen Schwarzwurzler Basilisk um Bandkopf Vintyr (Martin Edward) ist vor ein paar Jahren zunächst Abandon enstanden, die es im Jahre 2004 auf eine EP und ein Demo gebracht haben. Mit dem Beitritt Swines wurde schließlich nicht nur Stil, sondern auch der Name geändert und nun ist über Todestrieb Records das erste vollständige Album „Famine“ erschienen.

Vollständig sollte man dabei in Anführungszeichen setzen, denn „Famine“ ist mit knapp 27 Minuten bedenklich kurz ausgefallen, worauf sich mir die Frage stellt, warum es zu den sieben vorhandenen nicht noch zwei oder drei Songs zusätzlich hätten sein können. Dabei handelt es sich um ein Luxusproblem, denn man will ganz einfach mehr hören von Hateful abandon, denn die sieben Songs sind so derart gut, dass die Repeat-Taste des CD-Players zum besten Freund werden kann.

Rats whisper murder“ beginnt sphärisch, ein prägnanter Bass und das gedämpfte Schlagzeug setzen ein. Der Hörer schwebt durch doomlastige Felder, lauscht der zunächst kratzigen Stimme, die sich im Laufe zu beschwörendem cleanen Gesang verändert und sich zum Schluß in schwarzmetallischem Gekeife verliert. Sehr fesselnd in seiner Trostlosigkeit, trägt Hateful abandon hin und wieder Lifelover in meine Gedanken.

Song Nummer zwei „Diamond spine“ schlägt mit seiner ganzen depressiven Macht zu. Was die Band in diesen drei einhalb Minuten schafft, können die wenigsten Depressive Suicide Black Metal Bands in ihren ausufernd langen Stücken reproduzieren. Das Schlagzeug trommelt entfesselt den Marschrhythmus, Martin Edwards Gesang klingt kräftig, stellenweise noch etwas unsicher, aber absolut passend. Die Schreie im Hintergrund fügen sich gut ein, was der Musik die nötige Verzweiflung noch einbrennt.

Hateful abandon
Hateful abandon

Bei „Riding the blade“ hat man das Gefühl einer vor allem gesanglich metallisierten Version von Fields of the nephilim zu lauschen. Der Song wird von einer Basslinie getragen, die Leadgitarre flirrt durch den Raum, immer bedacht, ja keine fröhlich Melodie von sich zu geben. Ein gelungenes Stück Goth Rock.

Das längste Stück „Avalanche„, perfekt in der Mitte platziert, ist in seiner anfänglichen Zerbrechlichkeit so bedrückend schön, wird mit der Zeit immer intensiver und baut eine melancholische Spannung auf, die sich nach vier Minuten voll entlädt. Atemberaubend!

Boiling Seas“ und „Painters rope“ wirken dann sehr 80er Jahre Postpunk lastig, gepaart mit an Darkthrone erinnernden Gesang und verzerrten Gitarren. Zwei einfache rockende Nummern, die sich gut ins Gesamtbild einfügen.

Mit „Lungs“ legt Hateful abandon noch eine schmissige Gothrock Nummer zum Schluß hinterher, die sich wieder am gelungenen Bass-Spiel orientiert, mit Black Metal Gekeife kokettiert und dazu noch ziemlich in die Beine geht. Ein starker Schluss, absolut tanzbar und pechschwarz.

Iskharian
Iskharian

Fazit:

Insgesamt ein verdammt ärgerliches Album. Ich bin wirklich stinksauer! Wie kann man ein so kurzes Album mit so genialer Musik rausbringen? Das ist unverschämt, da man gezwungen ist auf neues Material zu warten. Die sieben Songs sind sehr stark, würden sowohl auf einer Tanzfläche, als auch bei einem schweißtreibenden Konzert, oder im Dunkeln im stillen Kämmerlein funtionieren. Ich kann aus meiner Begeisterung keinen Hehl machen und freue mich auf neues Material. Derweilen wird mein CD-Player die Funktion der Repeat-Taste einmal richtig kennen lernen dürfen.

Trackliste:

  1. Rats whisper murder
  2. Diamond spine
  3. Riding the blade
  4. Avalanche
  5. Boiling seas
  6. Painters rope
  7. Lungs

( 8,5 / 10 )
( 8,5 / 10 )

Anspieltipps:

– Diamond spine

– Avalanche

– Lungs

Erscheinungsdatum:

02.12.2008

Hateful abandon Myspace – Seite

Todestrieb Records






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