Urschrei - Heidenzorn

Urschrei – Heidenzorn (Review und Kritik)


Urschrei - Heidenzorn
Urschrei - Heidenzorn

Der Meinung, dass unsere durch Sümpfe der Heuchelei schwankende Gesellschaft auch mal etwas Heidenzorn vertragen könnte, kann ich im Grunde auch nur beipflichten. Anzumerken ist aber wohl, dass das Projekt „Ich mache mal ganz heidnische Musik und verbreite meine Werte“ oft angestrebt, aber umso seltener erfolgreich umgesetzt wird.
Anfang diesen Jahres veröffentlichte die Pagan Metal-Band mit Black Metal-Einflüssen „Urschrei“ ihr lang erarbeitetes Debütalbum „Heidenzorn“ durch die Asatru Klangwerke, mit welchem sie endlich ein Label dafür fanden. Nun stellt sich mir als begeisterter Hörer dieses Genres die elementare Frage, die ich allen neuen Album diesen Stromes stelle: Ein weitere Stolperbrocken gen wünschenswerte, heidnische Musik oder endlich ein weiterer Meilenstein in der Geschichte dieser Art des Metals?


Ich muss direkt sagen, dass mir das Cover besonders gefallen hat. Man sieht einen antiken Krieger auf dem Boden kniend und diesen auch anschauend, mit keltischem Schild, einem Schwert und einer Urschrei-Flagge, während ihn ein kleiner Schein erleuchtet. Wenn man es mit den prolligen Wikinger-Covern vergleicht, ist es doch sehr schön anzusehen.
Angefangen mit dem Intro „Ankunft“ lässt sich leider keinerlei nennenswerte Besonderheit dessen feststellen, da es im Grunde aus nichts Neuem besteht. Man hört ein leicht bedrückendes einführendes Geräusch des Nordwindes, welches später episch mit Keyboards unterlegt wird.
Es liegt mir fern, euch jeden Song im Voraus zu erzählen und deshalb gehe ich mal auf meine persönlichen Höhepunkte ein. Einerseits wäre das der Song Nummer 4, der nach dem mittelalterlichen Hexenhammer benannt ist: „Malleus Maleficarum„. Der Hexenhammer beschrieb seinerzeit das Aussehen und das Verfahren einer Hexe und wie man sie zu bestrafen hat.

Gitarrist und Sänger Felix
Gitarrist und Sänger Felix

Der Song beginnt recht langsam mit Flüstern und Schwarzmetall-lastigen Gitarrenklängen, die mich etappenweise an Helrunar erinnern. Die Screams sind typischerweise lang gezogen und machen dadurch einen großen Einfluss in die Atmosphäre aus. Es herrscht eine wiederkehrende Melodie, die dann natürlich eine leichte Monotonie hinter sich herzieht, wobei diese Melodie dann immer von verschiedenen, kurzen Riffs unterlegt und gestaltet wird. Nachdem euch das Vogelzwitschern am Ende des Hexenhammers wieder in die Realität befördert hat, wird euch die Rolle dieses Songs als einer der Höhepunkte des Albums bewusst.


Erwähnenswert ist auch noch der Titelsong, „Heidenzorn„. Angefangen wird dieser mit einem immer wiederkehrenden, laienhaften Klargesang, der aber paradoxerweise erstaunlich gut in die Aufmachung des Songs passen will. Dieser klare Gesang wird mit einer immer höheren Frequenz von gut platzierten Screams und einer ansehnlich gut hörbaren Melodie unterlegt. Allerdings gibt es des Öfteren stellen, an denen man sich denkt, wie der Song gut weitergehen könnte. Dann wird der Song doch anders weitergeführt und komischerweise hält man seine Idee immernoch für die Bessere. Dies nagt aber nicht an der Tatsache, dass es ein solider Track ist. Ein guter Titelsong, der es allerdings nicht schafft, als Ohrwurm einen Platz im Gehörgang zu finden.


Skaal
Skaal

Fazit: Leider bewegt sich die Laufzeit von einer guten halben Stunde in den Gefilden einer EP und nicht in denen eines Albums. Jedoch muss ich sagen, dass mir diese 30 Minuten äußerst gut gefallen haben. Urschrei erfinden das Rad nicht neu, jedoch sind es solide 6 Songs (5, wenn man das Intro abzieht), die sich, gerade für ein Debütalbum, sehr gut machen. Mir haben etwas die Ohrwurm-Qualitäten gefehlt: Im Grunde blieb bei mir keiner der Songs hängen, so gut ich sie auch fand. Jedoch kann man das Album für Hörer von Black Metal lastigem Heidenmetall empfehlen. Das mag schon was heißen, wenn ich bedenke, dass ich teilweise Musik in dieser Richtung gehört hab, die ich selber nur grenzwertig als Musik einstufen würde.
Können und Potential ist den Jungs von Urschrei durchaus zuzumessen und deshalb wünsche und erhoffe ich ihnen eine erfolgreiche, musikalische Zukunft!


Trackliste:

  1. Ankunft
  2. Urtrunk
  3. Utgards Feuer
  4. Malleus Maleficarum
  5. Heidenzorn
  6. Heimkehr


7,5 / 10
7,5 / 10

Anspieltipps:
Malleus Maleficarum, Heidenzorn


Veröffentlichungsdatum:
20.02.2009

Urschrei bei MySpace

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