Defekt 86 - Ultramarin

Defekt 86 – Ultramarin (Review und Kritik)

Defekt 86 - Ultramarin

Alt trifft neu. So könnte man die Musik von Defekt 86 beschreiben. Ist nicht falsch, aber auch nicht ganz richtig. Traditionelle Darkwave- und Postpunkelemente treffen auf neuere elektronische Klänge und Stimmverzerrer und die Sprache wechselt von Song zu Song zwischen Deutsch und Englisch. „Das kann sich doch nicht gut anhören!“ Doch! Kann es. Und das tut es auch…

Manche Bands können ihre musikalischen Vorbilder einfach nicht verleugnen. Defekt 86 gehören definitiv dazu. Der Gesang hört sich sehr oft nach Andrew Aldrich an und auch der Sound ist mehr als einmal an Joy Division angelehnt. Allerdings stört das nicht weiter, denn Defekt 86 schaffen es trotzdem ihren eigenen Stil hervorzuheben. So beginnt das Album mit „Idols for the Weak“, welches sowohl von der Machart als auch vom Gesang sehr an Sisters of Mercy oder Fields of the Nephilim erinnert, allerdings dafür sehr untypische Drums aufweist und natürlich ein ganzes Stück elektronischer ist. Gefolgt wird der Song von „Die Helden meiner Zeit“, das musikalisch ein wenig an frühe Cure einnert, gesanglich jedoch in Richtung Fliehende Stürme geht. Das Ganze ist mit einer ohrwurmerzeugenden Synthiemelodie hinterlegt. Schön!

„Silence“ breitet sich zunächst beim gleichnamigen Stück aus, bis Meeresrauschen an das Ohr des geneigten Hörers dring. Das mit 8:37 min. längste Stück des Albums verbreitet die Resignation und Verzweiflung von Fehlfarben und erweckt mit seinen Tempiwechseln auch irgendwie den Eindruck von Ebbe und Flut. Vielleicht eine Metapher für das Ausgeliefertsein dem Schicksal gegenüber? Inhaltlich drehen sich die Texte ja insgesamt um Angst und Schmerz, Religiöses  und Verführung, aber auch um die, wie aus Albträumen entstandene, sehr persönliche Resignation und die Erkenntnis des Allein- und Unverstandenseins. Dies erlaubt eine surreale Sichtweise auf die Welt, wie im eingängigen Minimalstück „Meine Haut“. Daran anknüpfend ist auch „Sterne“ voller Verzweiflung, die allerdings eher durch die ruhige Art des Songs herührt.

„A hundred times“ könnte ohne weiteres auch auf „Some Girls Wander by Mistake“ von den Sisters erschienen sein. Allerdings scheint der Gitarrensound diesmal eher aus der Richtung von Sanguis et Cinis. Allerdings ist hier auch wieder der nette Kontrast von Stimme, verzerrten Gitarren und elektronischem Klangteppich zu erwähnen. „Baikonur“, das ruhige Liebeslied, ist zwar nicht gerade das Highlight des Albums, gibt allerdings Zeit zu verschnaufen und sich für das folgende „Ein Schnitt“ zu wappnen. Die an Einstürzende Neubauten angelehnten Idustriegeräusche vertreiben garantiert auch das letzte bisschen Trübsal.

Als Bonus gibt es noch zwei weitere Songs auf „Ultramarin“. Die extended Version von „Meine Haut“, die sich im Wesentlichen darin unterscheidet, dass das Intro 2 Minuten länger ist und „Another Night“, welches mit einem erneuten Mix aus elektronischen Melodien, sistereskem Gesang und verzerrten Gitarren einen netten Abschluss bildet.

Fazit: Super, dass das Album unter Creative Commons läuft, aber diese Band gehört eigentlich schon unterstützt. Die Verbindung als Darkwave, Postpunk und elektronischen Elementen ist durchaus erfrischend und, wenn man mal von kleinen Makeln wie der nicht ganz so optimalen Soundqualität und der doch etwas ausgeprägten Anlehnung an die Urgesteine des Gothrock absieht, dann hat man mit „Ultramarin“ doch recht viel Spaß.



Tracklist:

  1. Idols for the Weak
  2. Die Helden meiner Zeit
  3. Silence
  4. Meine Haut
  5. Sterne
  6. A Hundred Times
  7. Baikonur
  8. Ein Schnitt
  9. Meine Haut (extended)
  10. Another Night
( 8,5 / 10 )



Veröffentlicht: 28.09.2009

Anspieltipps: Die Helden meiner Zeit, Meine Haut, Ein Schnitt

Myspace: www.myspace.com/defekt86

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